Während die HSV-Fans bereits dem Nordderby gegen Werder Bremen am Sonntag in der Nordbank-Arena entgegenfiebern, sorgt der Kampf um den Aufsichtsrat weiter für Wirbel hinter den Kulissen des Hamburger Traditionsvereins. Am Dienstag bestellte das Kontrollgremium Vorstandsmitglied Oliver Scheel zum Rapport. Dabei ging es um den Vorwurf, der ehemalige Chef des Supporters Club sowie die damalige Abteilungsleitung hätten die Räte im Dezember 2007 unter Druck gesetzt, den Vertrag mit Klubchef Bernd Hoffmann nicht zu verlängern. Scheel bestreitet dies.

Derweil blickt der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Bandow der am 25. Januar stattfindenden Mitgliederversammlung, auf der die acht Plätze (plus vier Delegierte) für das Kontrollgremium zur Wahl stehen, mit großer Sorge entgegen. Auch das jüngst vom Supporters Club gegebene Versprechen, man wolle – entgegen kursierender Gerüchte – Hoffmann und seine Vorstandskollegin Katja Kraus nicht entmachten, beruhigt ihn nicht. „Das Problem ist, dass eine Gruppe um die Supporters-Leitung eine Mehrheit anstrebt. Davon sind sie nicht abgerückt“, sagt der 76 Jahre alte frühere Börsenpräsident im Gespräch mit Morgenpost Online. Die mit 47.000 Mitgliedern stärkste Sparte des Vereins schickt gleich vier Kandidaten ins Rennen. Einen Delegierten stellen sie ohnehin.


Zur „Nagelprobe“ werde laut Bandow die Wahl des Vertreters der Abteilung Ochsenzoll e.V., bei der Supporters-Mitglied Guido Zerbe am 8. Dezember gegen Amtsinhaber Ernst Otto Rieckhoff antritt. Sollte sich Zerbe durchsetzen, „hätten wir, was wir nie wollten: die Mehrheit einer Interessensgruppe im Aufsichtsrat“, befürchtet Bandow. Zwar versichern die Supporters, dass Zerbe aus Eigenantrieb kandidiere. „Ob das wirklich so ist, wird man sehen“, sagt Bandow.

Sorge um die Struktur des HSV

Vor allem sorgt sich Bandow um die zukünftige Struktur des HSV. „Das war der entscheidende Grund, mich in dieser Sache zu engagieren.“ Mit großem Engagement bemüht er sich, Hamburger Wirtschaftsgrößen für eine Aufsichtsratskandidatur zu gewinnen. Zu seinem Kompetenzteam zählen die Unternehmer Alexander Otto und Ian Karan sowie Peter Becker, Präsident der Handwerkskammer, und Jörg F. Debatien, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Eppendorf. „Für den Aufsichtsrat ist eine gute Mischung wichtig“, betont Bandow.

Peter Becker sei laut Bandow ein großer HSV-Fan. Zudem schätze er ihn als „sehr bodenständigen Menschen“. Der Handwerkskammer-Präsident wäre ein „Riesengewinn“ für das HSV-Kontrollgremium, so Bandow. Karan lobt er als „einen der erfolgreichsten Container-Unternehmer der Welt“, der zudem durch seine Biografie beeindrucke. „Er hat sich vom Tellerwäscher zum Millionär hochgearbeitet“, unterstreicht Bandow. Den Vorsitzenden des ECE Projektmanagements, Alexander Otto, bezeichnet Bandow als „große Persönlichkeit“, einen engagierten Mann, „der bescheiden im Hintergrund wirkt“. Dem Vierten im Bunde, Debatien, sei mit dem UKE gelungen, was auch der HSV anstrebt, nämlich „zu Europas Spitze aufzuschließen“.


Zwar sei die Entscheidung noch nicht gefallen, ob er tatsächlich kandidieren werde, betont Debatien. Reizen würde ihn die Aufgabe aber auf jeden Fall. „Der HSV ist eine tolle Marke in Hamburg“, sagt er. Der Verein sei in der Vergangenheit immer ein zuverlässiger Ansprechpartner gewesen, wenn es um die Unterstützung des UKE ging, insbesondere der Kinderkrebsstation. „Wenn es jetzt beim HSV das Gefühl gibt, dass ich etwas dazu beitragen kann, dass es dem Verein besser geht, will ich das gern tun“, signalisiert Debatien seine Hilfe.

Bandow warnt vor Machtspielen

Anders als den Supporters-Kandidaten traut Bandow seinem Quartett zu, den Kontrollaufgaben gewachsen zu sein. „Aufsichtsrat zu sein heißt für mich, Aufsicht zu üben und Rat zu geben – wie der Name es sagt. Um beides durchführen zu können, braucht man Führungserfahrung, Verantwortung für viele Menschen und eine gewisse Lebenserfahrung“, skizziert Bandow das Anforderungsprofil. Er sei sich nicht sicher, ob das bei den Vertretern der Fanabteilung „im nötigen Ausmaß der Fall ist“.


Bandow warnt zudem davor, das Vereinsimage durch Machtspiele zu beschädigen: „Jede Firma, die sich beim HSV finanziell engagiert, identifiziert sich mit dem Verein. Wenn das nicht mehr so sein sollte, dreht sie den Geldhahn zu.“

Unterstützung erhält der derzeitige HSV-Vorstand auch von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust. Zwar wolle er sich in die aktuelle Debatte nicht einmischen. Allerdings habe er den Eindruck, dass es hier auch um „Vereinsmeierei“ gehe. „Der Idealismus der Mitglieder darf nicht von einigen missbraucht werden. Kopf und Herz zusammen, das wäre ideal“, empfahl er.