Arsenal gegen Manchester United, Manchester City gegen Tottenham – am vergangenen Wochenende gab es durchaus ein paar Kracher in der Premier League. Doch meine Aufmerksamkeit hat sich diesmal weiter nach unten gerichtet: zum FA-Cup. Dieser Wettbewerb, an dem diese Saison 672 Mannschaften teilnehmen, gilt als der älteste der Welt und entspricht dem deutschen DFB-Pokal. Viele Profi-Teams nehmen dieses Turnier nicht unbedingt sehr ernst, aber an diesem Wochenende war das anders. Es war die erste Runde, die Mannschaften aus den oberen Ligen hatten ein Freilos. Und so ging es hart zur Sache, denn die teilnehmenden Teams wussten, dass sie mit einem Sieg ihre Chancen behalten, schon bald gegen Chelsea, Arsenal oder ManU zu spielen.
Mich haben vor allem zwei Vereine interessiert: Ebbsfleet United und AFC Wimbledon. Beide waren in ihrer jetzigen Form erstmals im FA Cup vertreten. Viel habe ich zuletzt von den beiden Klubs gehört, jetzt waren sie auch endlich mal sportlich im Rampenlicht, das Spiel des AFC kam sogar live auf Setanta, wo sonst die Premier-League kickt. Ebbsfleet und der AFC sind nämlich keine normalen Vereine, sondern der Traum aller begeisterter Zocker von Computerspielen wie Let’s Fifa 09.
30.000 Trainer am Rechner, einer auf dem Platz
Vor allem Ebbsfleet ist auch vielen Deutschen ein Begriff, denn einige Deutsche haben eine Beteiligung. Bevor Sie vor Neid erblassen beim Gedanken über die deutschen Milliardäre, die sich einen englischen Klub kaufen, sei gesagt: Für 35 Pfund (etwa 45 Euro) pro Jahr können Sie sich selbst einen Teil des Vereins kaufen und jede Woche bei der Mannschaftsaufstellung und Taktik mitreden. Denn seit diesem Frühjahr, als der Fünftligist endgültig in den Besitz der Macher der Internetseite myfootballclub.co.uk übergegangen ist, können die derzeit 30.000 Mitglieder per Mausklick über alle relevanten (Transfers) und irrelevanten (Trikotfarben) Dinge entscheiden. Der Trainer unterbreitet lediglich einen Vorschlag für die Aufstellung und setzt die Wünsche der Eigner dann um. Da macht es gleich mehr Spaß, Fan zu sein und jeden Samstag die Ergebnisse mitzuverfolgen. Und anders als bei Aktionären von Borussia Dortmund weiß der geneigte Ebbsfleet-United-Anhänger, dass er nicht Woche für Woche Verluste erleidet.
Wäre Ebbsfleet eine Aktiengesellschaft, hätte die Aktie der aktuellen Krise an den Märkten aber sicherlich getrotzt. Das Team gewann kurz nach der Übernahme durch die Fans die FA Trophy, eine Amateur-Meisterschaft, an der alle Teams der fünften bis zur achten Liga teilnehmen. Im Moment kämpft United zwar eher gegen den Abstieg, aber mittelfristig soll der Sprung in die vierte Liga gelingen.
Sponsorn Sie einen Ziegelstein – in der neuen Tribüne
Soviel Demokratie wie bei Ebbsfleet gibt es beim AFC Wimbledon nicht, spannend ist das Projekt trotzdem, denn es ist das Ergebnis einer Revolution. Denn vor sechs Jahren entschieden die Eigner des damaligen FC Wimbledon, den Verein kurzerhand umziehen zu lassen: nach Milton Keynes. Ja, das ist tatsächlich eine Stadt und nicht etwa ein Nachfahre des Ökonoms John Maynard Keynes, der Frau Merkel und Herrn Brown derzeit inspiriert.
Die echten Fußball-Fans in Wimbledon – ja, es gibt dort nicht nur Tennis-Anhänger – wollten das nicht akzeptieren. Und gründeten ihren eigenen Klub: Den AFC Wimbledon. AFC steht übrigens für nichts bestimmtes, die Gründer fanden nur, dass sich der Name gut anhört. Über 4000 Zuschauer sehen sich seitdem die Spiele der Neu-Gegründeten an, das Team ist schon in die sechste Liga aufgestiegen. Auch hier finanzieren die Fans ihre Mannschaft zum Teil mit. Seit dieser Woche kann man zum Beispiel einen Ziegelstein der neuen Tribüne für 40 Pfund (50 Euro) kaufen.
Leider werden weder Ebbsfleet noch der AFC gegen Chelsea, Arsenal oder ManU spielen. Beide sind nämlich in der ersten Runde ausgeschieden. Na ja, vielleicht nächstes Jahr.





