Erst freute sie sich wie ein kleines Kind, dann posierte Jelena Issinbajewa vor der Anzeigetafel mit dem neuen Stabhochsprung-Weltrekord von 5,04 m wie ein Unschuldsengel. Dabei funkelte sie mit den Augen, wie es sich für ein echtes Glamour-Girl gehört. Eindrucksvoller als mit der 23. globalen Bestmarke ihrer Karriere, dem zweiten Rekordsprung binnen 18 Tagen, hätte die Russin eineinhalb Wochen vor dem Olympiauftakt in Peking ihre Favoritenstellung nicht untermauern können.

„Ich sehe Weltrekorde als persönliche Bestleistungen, die es zu steigern gilt“, meinte Issinbajewa, die im Steuerparadies Monaco ihren Zweitwohnsitz hat und dort den 13. Freiluft-Weltrekord ihrer Laufbahn aufstellte. Für diesen kassierte sie mindestens 50.000 Dollar plus Sieg- und Antrittsprämie. Vier vorolympische Wettkämpfe mit zwei Weltrekorden - in besserer Verfassung kann man kaum zum Saisonhöhepunkt anreisen: „Ich bin in Topform. Die muss jetzt nur noch halten.“


Auch der entthronte 100-m-Weltrekordler Asafa Powell wähnt sich nach der Steigerung seiner Saisonbestzeit auf 9,82 Sekunden trotz eines verpassten Starts auf dem Weg zu Olympia-Gold. „Ich bin von mir selbst beeindruckt. Ich bin in Weltrekord-Form“, sagte der 25-jährige Jamaikaner, der seit seinem letzten Rekordlauf am 9. September 2007 im italienischen Rieti (9,74) nicht mehr so schnell war wie vor rund 12.000 Zuschauern im Stade Louis II.

Bolt hat sich noch nicht entschieden


Bisher stand Powells Saisonbestzeit bei 9,88 Sekunden. Der WM-Dritte von Osaka 2007 ist neben Tyson Gay Favorit auf den Olympiasieg. Denn Neu-Weltrekordler Usain Bolt (Jamaika/9,72) hat sich noch nicht entschieden, ob er auch die kurze Sprintstrecke läuft, oder nur die 200 m in Angriff nimmt.

Derweil untermauerten die deutschen Sprint-Staffeln ihre Finalambitionen für Peking. Das Männer-Quartett mit dem 200-m-Olympiasiebten Tobias Unger (Kornwestheim/Ludwigsburg) musste sich in 38,48 Sekunden nur einem US-Team (38,41) geschlagen geben. Die Frauen wurden in 43,25 Sekunden Dritte. „Das war nach dem harten Training ein guter Auftakt und zeigt, dass wir Endkampf-Chancen haben“, sagte der Leitende Bundestrainer Jürgen Mallow.

Vier Jahres-Weltbestmarken und ein Feuerwerk an Top-Leistungen

Ansonsten glänzten die Leichtathleten beim letzten großen internationalen Test vor den Spielen mit insgesamt vier Jahres-Weltbestmarken und einem Feuerwerk an weiteren Top-Leistungen. An die Spitze der Weltrangliste setzten sich im Weitsprung Hallen-Weltmeisterin Naide Gomes (Portugal/7,12 m), über 400 m Hürden Melaine Walker (Jamaika/53,48 Sekunden), auf den 1500 m der nicht für Peking qualifizierte Kenianer Daniel K. Komen (3:31, 49 Minuten) sowie über die nicht-olympischen 3000 m die Äthiopierin Yimer Ayalew (8:35,50).

Rechtzeitig in Schuss kommt auch 800-m-Olympiasieger Juri Borsakowski, der als Sieger wie Yusuf Saad Kamel (Bahrain) 1:42,79 Minuten lief und die Jahres-Bestmarke von Sudans Hallen-Weltmeister Abubaker Kaki (1:42,69) nur um 10 Hundertstel verfehlte. Für den 27 Jahre alten WM-Dritten aus Russland war es die zweitbeste Leistung seiner Karriere. Nur 2001 war er in 1:42:47 einmal schneller.

sid/jr