Morgenpost Online: Waren Sie neulich richtig froh, nicht wie Ihr Jugendfreund Bastian Schweinsteiger Fußballprofi geworden zu sein?
Felix Neureuther: Warum?
Morgenpost Online: Weil jetzt jeder genau weiß, wie viele Millionen er verdient und welche Pflichten er bei Bayern München hat, seit sein Vertrag in einer Sportzeitschrift abgedruckt wurde.
Neureuther: Ich fand das eine ziemliche Sauerei, aber ich habe es nicht durchgelesen.
Morgenpost Online: Und es interessiert Sie auch nicht?
Neureuther: Der ist Fußballspieler, der ist ein absoluter Superheld. Der hat beim FC Bayern München einen Stammplatz. Er hat ganz klar verdient, was er bekommt. Das geht keinen was an.
Morgenpost Online: Wie viel Kontakt haben Sie noch zu Bastian Schweinsteiger?
Neureuther: Ich war bei der Europameisterschaft in Wien beim Spiel gegen Österreich. Seither haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich habe ihm eine SMS geschrieben, als es hieß, er würde Botschafter für die alpine Ski-WM in Garmisch 2011.
Morgenpost Online: Macht man sich besonders angreifbar, wenn man etwa, wie er, seiner Freundin durch häufige gemeinsame Auftritte Ruhm als Spielerfrauenmodel verschafft?
Neureuther: Er braucht seine Freundin nicht zu verstecken. Die schaut ja verdammt gut aus. Und es ist doch ganz legitim, dass sie sich die Spiele im Stadion anschaut. Es ist ja nicht so, dass sie absichtlich schauen, wo sie sich am besten für die Kameras positionieren.
Morgenpost Online: Wie haben Sie sich in Ihrer Vorbereitung für die Saison positioniert?
Neureuther: Sehr gut. Ich bin körperlich in einer absoluten Topverfassung. Ich will schließlich bei der WM in Val d’Isere eine Medaille holen und endlich meinen ersten Weltcup gewinnen. Nach der vergangenen Saison war ich eine Woche lang auf Teneriffa im Urlaub. Es war die einzige Woche, in der ich wirklich frei hatte. Dann ging es gleich weiter mit Konditions-, Kraft- und Ausdauertraining. Mitte Juli waren wir dann zum ersten Mal Skifahren in der Skihalle.
Morgenpost Online: Inwiefern zählt zu Ihren Zielen, in der kommenden Saison verstärkt die Geschwindigkeits- neben den Slalomrennen anzugehen?
Neureuther: Slalom hat ganz klar Priorität. Das ist meine beste Disziplin, und es wäre dumm, wenn ich die wegen anderer Disziplinen vernachlässigen würde. Aber wenn es der Terminkalender und die Trainingsvorbereitung für den Slalom zulässt, werde ich den einen oder anderen Super G oder die eine oder andere Superkombination fahren wie zum Beispiel in Beaver Creek, wo es keinen Slalom gibt.
Morgenpost Online: Das heißt, Sie haben Ihr Training im Sommer schon stärker auf Super?G und Abfahrt ausgerichtet?
Neureuther: In Zermatt sind wir Super G und Abfahrt gefahren, sechs Tage insgesamt. Da ist es wirklich sehr, sehr gut gegangen.
Morgenpost Online: Waren Sie schneller als die Spezialisten?
Neureuther (zögert): Ja. Im Super G. In der Abfahrt braucht es noch ein bisschen was. Im Gleiten bin ich nicht so der Knaller. Wenn es schwer wird, bin ich sehr schnell. Aber wenn es flach geht, fehlt mir auch noch die nötige Masse.
Morgenpost Online: Die Abfahrtsstrecke in Garmisch soll für die WM zu einer der schwersten der Welt umgebaut worden sein. Gehen Sie dort bei der WM-Abfahrt an den Start?
Neureuther: Ich habe im Sommer verfolgt, wie sie das umgebaut haben. Es war beeindruckend zu sehen, wie aus einem Berg voller Wald auf einmal so eine geile und krasse Strecke entsteht. Ich muss schauen, ob ich realistische Chancen habe, um eine Abfahrtsmedaille mitzufahren. Wenn nicht, werde ich da keine Kräfte verschwenden.
Morgenpost Online: Früher haben Sie viel energischer darauf gedrängt, abfahren zu dürfen. Ist Ihr Draufgängertum vorbei?
Neureuther: Das würde ich jetzt nicht von mir behaupten. Aber ich werde reifer und lerne, mit Dingen umzugehen, nicht mehr blauäugig in Situationen zu gehen. Ich habe gelernt, mich auf Rennen vorzubereiten. Aber das Draufgängerische ist schon noch da.




