Morgenpost Online: Herr Woronin, Hertha BSC war in der Vergangenheit im DFB-Pokal wenig erfolgreich. Sie fordern den Einzug ins Finale, wie passt das zusammen?
Andrej Woronin: Ich will in jedem Wettbewerb so weit kommen wie möglich. Der DFB-Pokal ist Prestigesache, jedes Team will ins Endspiel. Es gab schon so viele Überraschungen; Regionalligisten standen im Endspiel. In Pokalspielen gibt es keine Favoriten oder Außenseiter.
Morgenpost Online: Keine Angst also vor einem frühen Aus gegen den letztjährigen Pokal-Finalisten Dortmund?
Woronin: Warum sollten wir Angst haben? Wir haben Respekt vor jedem Gegner, aber nach dem 1:0 in Mönchengladbach haben wir jetzt zwei Auswärtssiege, Dortmund hat noch kein Heimspiel gewonnen. Die haben harte Tage mit ein paar Klatschen (0:2 gegen Udinese, 1:4 in Hoffenheim – d.R.) hinter sich. Ich bin gespannt, ob sich das einfach so abschütteln lässt.
Morgenpost Online: Sie haben mit BVB-Trainer Jürgen Klopp in Mainz eine Saison zusammen gespielt, später war er Ihr Trainer. Bringt er die Dortmunder wieder auf Kurs?
Woronin: Klar, der wird die pushen ohne Ende. Kloppo ist Kloppo: Ich kenne ihn seit Jahren, der bleibt immer gleich, zieht seine Linie durch. Als Trainer ist er richtig gut; viel besser als er es als Spieler war.
Morgenpost Online: Ginge es nach Klopp, wären Sie jetzt Borusse.
Woronin: Stimmt, bevor die Dortmunder Mohamed Zidan vom HSV holten, gab es Kontakt zu mir. Aber da ließ mich Liverpool noch nicht gehen.
Morgenpost Online: Stattdessen wurden Sie nach Berlin ausgeliehen, bei Hertha avancierten Sie prompt zum Anführer.
Woronin: Ich wurde gut empfangen – in der Mannschaft und auch in der Stadt. Ich hatte in Liverpool auch Spaß. Aber ich bin nach Berlin gekommen, um möglichst viel zu spielen. Ich werde alles aus mir herausholen, damit wir so erfolgreich wie möglich sind. Hertha gehört in der Bundesliga unter die ersten fünf und im Uefa Cup macht es auch erst ab der Gruppenphase mit den Spielen gegen die guten Teams richtig Spaß.
Morgenpost Online: Ist die Mannschaft stark genug für diese Ansprüche?
Woronin: Bis jetzt läuft es nicht schlecht, Hertha ist kein Vergleich mehr zu der Mannschaft von vor drei oder fünf Jahren. In Berlin hat ein großer Umbruch stattgefunden. Ich kannte bei meiner Ankunft von früher praktisch nur noch Arne Friedrich, Josip Simunic und Marko Pantelic. Aber wir müssen auch aufpassen: Vor uns liegen viele Spiele, aber so groß ist unser Kader auch wieder nicht. Kein Vergleich jedenfalls zu den Kadern englischer Mannschaften.
Morgenpost Online: Pantelic gilt als egoistischer Spieler. Wie gestaltet sich das Zusammenspiel mit ihm?
Woronin: Jeder Stürmer muss ein Stück weit Egoist sein – das hat Rudi Völler einmal zu mir gesagt. Er hat Recht: Wer als Stürmer nicht egoistisch ist, wird nicht viele Tore schießen – so wie ich im Moment (lacht).
Morgenpost Online: Welche Erfahrungen bringen Sie aus dem Jahr in Liverpool mit?
Woronin: Die Premier League ist sicher die zurzeit beste Meisterschaft der Welt. In dieser Liga gegen diese Mannschaften mit all ihren Topspielern zu spielen, hat mich enorm vorangebracht.
Morgenpost Online: Wie erleben Sie die Bundesliga, nach dem einen Jahr Unterbrechung?
Woronin: Wenn Bremen die Bayern in deren Stadion 5:2 abschießt, bedeutet das, dass die Münchner nicht mehr einfach so durchmarschieren.
Morgenpost Online: Welche Rolle spielt Ihr Ex-Klub Bayer Leverkusen?
Woronin: Sie haben die junge Mannschaft, die Völler immer haben wollte. Vorne sind sie mit Helmes und Kießling überragend.


