Der lila Helm war ein wenig in Vergessenheit geraten. Er galt einmal als Symbol einer Boygroup, deren kreischende Fans Skisprungschanzen in Kultstätten verwandelten. Noch vor Sven Hannawald geriet sein Träger Martin Schmitt als viermaliger Weltmeister zum plötzlichen Star eines ins Rampenlicht gehypten Randsports. Beinahe hätte ein Schokoladenhersteller Kinder da doppelt in die Irre geführt: Nicht nur Kühe, versuchte der weis zu machen, sondern auch Helme von Skisprungsiegern seien lila.

Weil die zweite Hälfte des vergangenen Jahrzehnts weniger geneigt war, Schmitts Ausnahmetalent zu belegen, setzte sich das nie durch. Da die nachrückenden Talente sich kaum positiver in Szene setzten, muss die Nation dennoch weiterhin Schmitts Ergebnisse als Gradmesser ihrer besten Skisprungqualitäten heranziehen.

Dankbar registriert sie daher das Wochenende mit den Weltcups in Pragelato. Am Samstag schaffte Schmitt im Nebel Platz vier beim Sieg des Schweizers Simon Ammann, Michael Uhrmann wurde Sechster. Gestern dann bei einem irregulären Wettbewerb bestätigte Schmitt im dichten Schneetreiben und bei stetig wechselnden Windverhältnissen den Aufwärtstrend mit Rang neun, während der verblüffte Japaner Fumihisa Yumoto beim Sieg davon profitierte, dass kein zweiter Durchgang mehr gesprungen werden konnte. „Die Reise hat sich für uns gelohnt“, lobte Bundestrainer Werner Schuster, „bei den schwierigen Bedingungen sind wir mit den Ergebnissen zufrieden.“

Den Österreicher Schuster hatte der schwächelnde Deutsche Skiverband im Frühjahr eilig den Schweizern abgeworben, nachdem Schuster dort nur ein Jahr gewirkt hatte. Er ersetzte den glücklosen Peter Rohwein und mühte sich, die Strukturen effektiver und harmonischer zu gestalten und die Einstellung der Springer auf optimistisch zu trimmen. „Vergangenes Jahr war hoffentlich der Tiefpunkt mit nur einer Podestplatzierung und 13 Top-Ten-Platzierungen“, sagte Schuster, „wir müssen diese Trendumkehr schaffen.“

Doch nach einem relativ erfolgreichen Sommer, in dem die Deutschen in einem bedeutungslosen aber äußerst Selbstbewusstsein fördernden Wettkampf gar die Österreicher in Innsbruck besiegten, begann der Winter erneut mit durchwachsenen Ergebnissen. „Nach einem schwierigem Start hatten wir alle Hände voll zu tun, die Stimmung hoch zu halten und Fehler abzustellen“, räumt Cheftrainer Schuster ein. Gestern dann jubelte er: „Der Bann ist gebrochen, das war ein gutes Wochenende für das deutsche Skispringen.“

Der Österreicher hatte sich zur Aufgabe gemacht, über vermehrte Platzierungen in den Top Ten, „den Killerinstinkt von einem Martin Schmitt anzufachen: Wir haben Athleten vorgefunden, die sich sehr zurückgezogen und den Glauben an sich verloren hatten.“

Gute Ergebnisse in der zweiten Reihe

Inzwischen beobachtet der Verband sogar im Unterbau erstaunliche Entwicklungen. Selbst im Kontinentalcup, der zweiten Liga des Skisprungs, pflegten die Deutschen in den vergangenen Jahren keine bedeutende Rolle mehr zu spielen. Die verhängnisvolle Serie scheint beendet: Stephan Hocke schaffte gerade in Vikersund seinen dritten Sieg hintereinander, in Rovaniemi zuletzt jeweils vor seinem Landsmann Pascal Bodmer, am Samstag vor Tobias Bogner. „So gute Resultate“, schwärmte Schuster, „hatten wir dort seit zehn Jahren nicht mehr. Es geht aufwärts.“

Nun geht es darum, den Trend am kommenden Wochenende beim Weltcup in Engelberg/Schweiz und vor allem dann nach Weihnachten bei der Vierschanzentournee zu bestätigen. Auch, um zu beweisen, dass die Widrigkeiten des Wochenendes von Pragelato keine zufälligen Ergebnisse bedingt haben. Schließlich herrschte Samstag so dichter Nebel, dass die Trainer ihren Springern den Start mit Zurufen zu signalisieren hatten, weil sie vom Balken nicht zu sehen waren.

Romören hielt sich im letzten Augenblick fest

Und am Sonntag schneite es so hartnäckig, dass 20 Helfer regelmäßig damit beschäftigt waren, die Spur zu säubern. Zwischenzeitlich hatte der Norweger Björn Einar Romören einen Schreck zu verkraften, als hinter ihm ein Helfer trotz Steigeisen aus- und unter der Werbebande hinter dem Balken durchrutschte, so dass Romören auf dem Balken beinahe mit heruntergerissen worden wäre, hätte er sich nicht im letzten Augenblick festgehalten.

Mit seinen 118 Metern war Martin Schmitt angesichts der Umstände zufrieden, obwohl sie nur zu Platz neun reichten: „Der Sprung war super für die Verhältnisse“, sagte er, „die Pause war recht lang vom Auswischen der Spur bis ich losfahren durfte, so dass ich relativ langsam war.“