Kein Wunder, dass die deutschen Fußballfans schon wieder Flagge zeigen. Nicht weil die schwarz-rot-goldenen Fähnchen im Supermarkt zu Superpreisen feilgeboten werden, sondern weil die Anhänger der Nationalmannschaft glauben, dass es nur besser werden kann. Denn der letzte Sieg der DFB-Elf in einer EM-Endrunde datiert aus dem vorangegangenen Jahrtausend ebenso wie das letzte von einem deutschen Angreifer erzielte Tor. Sie erinnern sich?

Bis 1996 galt in etwa Gary Linekers meistzitierter Satz, demnach Fußball ein Spiel mit 22 Mann ist und am Ende Deutschland gewinnt. So häufig wie Deutschland wurde keine andere Nation Europameister, keine andere stand so oft im Endspiel. Im Schnelldurchlauf der Schlagworte liest sich das so: Ramba-Zamba, Belgrader Nachthimmel, Kopfball-Ungeheuer Hrubesch, Danish Dynamite, Bierhoffs Golden Goal.

So lässig war Rummenigge

Große Geschichten stecken dahinter und kleine Anekdoten. So wie die, dass Karl-Heinz Rummenigge im Finale 1980 in Rom vor seinem Eckball in der 89. Minute den umstehenden Fotografen ankündigte, jetzt werde das Siegtor gegen Belgien fallen. So lässig war Rummenigge damals. Zurecht wurde er in dem Jahr zum besten Fußballer Europas gewählt. Bei der EM in Italien startete übrigens ein gewisser Lothar Matthäus seine große internationale Karriere (bei seinem Kurzeinsatz gegen Holland verursachte er einen Foulelfmeter), die leider erst 20 Jahre (!) später mit der Blamage bei den Titelkämpfen in Belgien und den Niederlanden ihr Ende fand.

Auch Deutschlands Scheitern hat viele Namen. Antonio Maceda ist so einer. Der spanische Abwehrspieler von Sporting Gijon köpfte den amtierenden Europameister 1984 in letzter Minute des letzten Vorrundenspiels aus dem Turnier, was weitreichende Folgen hatte: Bundestrainer Jupp Derwall musste gehen, Franz Beckenbauer wurde DFB-Teamchef, und irgendwie wurde alles gut. Sagt man heute, obwohl von der Heim-EM 1988 das Bild des grinsenden Niederländers Ronald Koeman in Erinnerung geblieben ist, der sich mit dem deutschen Trikot das Hinterteil feudelt.

Siegen, sonst kommt Matthäus

Später übernahmen Beckenbauers Weltmeister Rudi Völler und Jürgen Klinsmann das höchste Amt Fußball-Deutschlands, weil die Nationalmannschaft Linekers Grundsatz mittlerweile schwer vernachlässigte.

Für die EM 2008 heißt es nun Daumendrücken und Fähnchenschwenken. Denn scheitert die deutsche Elf gegen Polen, Kroatien und Co-Gastgeber Österreich zum dritten Mal in Folge bereits in der Gruppenphase, sind die Tage Joachim Löws als Bundestrainer gezählt. Für die Nachfolge steht dann einer in Israel mit Sicherheit schon Gewehr bei Fuß: Lothar Matthäus.

Also, deutsche Fußballfreunde, aufgepasst: Schlimmer geht's immer.