Der erste spektakuläre Transfer strapaziert die nur bedingt bundesligataugliche Infrastruktur des Vereins. Weil am Morgen durch eine undichte Stelle im Umfeld des Vertragspartners der Wechsel von Timo Hildebrand zur TSG 1899 Hoffenheim früher als geplant publik geworden ist, muss der forsche Aufsteiger nun eilends eine Pressekonferenz im Container am Trainingsplatz einberufen, wo der Rückkehrer um 16.30 Uhr vorgestellt werden soll.
Dabei ist die Verpflichtung weit mehr als nur eine namhafte Verstärkung für den Bundesliga-Tabellenführer. Sie könnte einen Paradigmenwechsel in Hoffenheim einläuten. Denn erstmals läuft nun ein fertiger Star, dessen Vertrag vor einer Woche beim höchstverschuldeten spanischen Spitzenverein FC Valencia aufgelöst wurde, für den Klub aus dem Kraichgau auf.
Hildebrand, siebenmaliger Nationaltorwart, 221 Bundesligaspiele und vor anderthalb Jahren Meister mit dem VfB Stuttgart, dürfte allerdings weit weniger als satter Routinier dort ab der Rückrunde den Kasten hüten – vielmehr gilt sein Wechsel für ihn persönlich als letzte Chance auf eine Rückkehr ins Nationalteam. Sollte er bei der TSG 1899 ähnlich stark halten wie zu seiner Stuttgarter Zeit, das räumte Bundestrainer Joachim Löw unlängst ein, könne er die Rückkehr in die deutsche Auswahl schaffen und René Adler, Manuel Neuer sowie Robert Enke den Kampf ansagen.
Für die Hoffenheimer, die bereits im vergangenen Jahr mit dem damaligen Zweitliga-Rekordtransfer von Carlos Eduardo (8,5 Millionen Euro) für Aufsehen sorgten, ist die Verpflichtung Hildebrands der nächste Schritt. Zwar schafften Talente wie Tobias Weis und Marvin Compper in dieser Hinserie den Sprung in den Kader der Nationalelf, aber nur mit unverbrauchten Jungstars geht es selbst beim „Projekt Hoffenheim“ (Manager Jan Schindelmeiser) nicht.
Weitere Größen dürften spätestens im Sommer folgen, zumal sie sich in Hoffenheim bereits intensiv mit einer möglichen Champions-League-Teilnahme in der kommenden Saison auseinandersetzen sollen. Insofern ist Hildebrand vermutlich nur der Anfang einer heftigen Transferoffensive.

























