Jürgen Klopp hatte wenig geschlafen. Aber als er am Freitagmorgen in der Schalterhalle des Flughafens Triest schon wieder die ersten Interviews geben musste, war er trotzdem gut in Form. Es sei etwas schade, dass er und die Spieler von Borussia Dortmund die schönen neuen Ausgehanzüge in dieser Saison nicht mehr im europäischen Ausland präsentieren könnten, sagte er: „Aber vielleicht können wir ja für jeden Mittwoch ein internationales Freundschaftsspiel abschließen.“

Es war wenig Bitterkeit zu spüren in den Aussagen des Trainers; das Ausscheiden in der ersten Runde des Uefa-Pokals wurde tapfer weggelächelt. Für Klopp überwogen die positiven Eindrücke, trotz des 3:4 im Elfmeterschießen – nach 90 Minuten, Nachspielzeit und Verlängerung hatten die Dortmunder 2:0 geführt und damit die Niederlage aus dem Hinspiel egalisiert. „Wir haben einem Gegner, der nach dem Hinspiel sehr arrogant über uns gesprochen hat, ganz gehörig die Leviten gelesen“, sagte Jürgen Klopp beim Verlassen des Stadio Friuli: „Doch ich bin sehr stolz auf das, war wir hier abgeliefert haben.“


Das kann er auch – das Ergebnis spricht dennoch eine andere Sprache. Bei der ersten Dortmunder Europapokalteilnahme seit fünf Jahren schaffte der BVB als einziges deutsches Team nicht den Einzug in die Gruppenphase, die dem Verein vier weitere Europapokalspiele garantiert hätte. Dass Klopps Mannschaft dabei den stärksten Gegner der deutschen Klubs erwischt hatte, kann das Ausscheiden kaum schönen.

Bemerkenswerter Kraftakt

Für Klopp schien der bemerkenswerte Kraftakt seiner Mannschaft trotzdem eine persönliche Genugtuung zu sein. Schließlich waren die Dortmunder nach dem Hinspiel in der italienischen Presse verhöhnt worden. „Hilflos wie ein gestrandeter Wal“ hätte sich der BVB vor zwei Wochen präsentiert, hatte die „Gazzetta dellt Sport“ geschrieben. Auf diese beißenden Kritiken hätte der BVB die passende Antwort gegeben. Dies sei viel höher zu bewerten als das Ausscheiden, so Klopp: „Ich kann da keine Tragik erkennen. Wir haben viele Sympathien gewonnen. Viel besser kann man nicht spielen.“

In diesem Punkt denkt er allerdings zu kurz. Schließlich besteht die erste Uefa-Cup-Runde aus Hin- und Rückspiel – und in der ersten Partie hatte Dortmund sich hilflos präsentiert. Die Summe beider Spiele ist also negativ, auch wenn laut Kapitän Sebastian Kehl eine „klare Entwicklung zu erkennen“ war: „Die Erfahrungen, die wir in beiden Spielen gegen Udinese gesammelt haben, wird dazu beitragen werden, dass dieser Prozess beschleunigt wird. Gerade aus dem Hinspiel haben wir viel gelernt.“ Im Rückspiel hätte das Team schließlich bewiesen, auch gegen einen „ausgebuffte italienischen Gegner“ bestehen zu können, so Kehl: „Nur schade, dass wir das in dieser Saison nicht mehr zeigen können.“ Aber deswegen, so Jürgen Klopp, müsse niemand hadern.


Eine Sichtweise, die auch von Hans-Joachim Watzke nur allzu gern übernommen wurde. „Wir haben in dieser Saison von zehn Pflichtspielen nur zwei verloren“, sagte der Geschäftsführer, „jetzt dürfte in Dortmund auch der Letzte gemerkt haben, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Er und Sportdirektor Michael Zorc, die die Mannschaft weitgehend zusammengestellt haben, waren schon immer davon überzeugt, dass in dem Kader Qualität steckt. Nur wurde es ihnen bislang nicht geglaubt.

Klopps Art kommt an

Doch die Skepsis seitens der Fans und der Medien hat sich größtenteils verflüchtigt, seit Klopp für die Außendarstellung des Vereins weitgehend allein zuständig ist. Der frühere Nationalmannschaftsexperte des ZDF versteht es auf geschickte Art und Weise, eine positive Stimmung zu verbreiten.

Nach Rückschlägen wirbt er um Verständnis. Und mit seiner offenen Art gelingt es ihm, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Seine kommunikativen Fähigkeiten tragen auch dazu bei, dass wenig über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Verpassens der Gruppenphase geredet wird. Im Zweifelsfall ist Klopps Auftreten spektakulärer.

Als es am Donnerstag nach Spielende zu Auseinandersetzungen zwischen deutschen Journalisten und italienischen Ordnern kam, versuchte Klopp persönlich dafür zu sorgen, dass die Berichterstatter ihre Interviews führen konnten. Dafür nahm er sogar in Kauf, sich beleidigen zu lassen. „Cazzo“ wurde er von einem Steward genannt – was soviel wie „Schwanz“ bedeutet. „Aber das ist nicht so schlimm“, sagte Klopp und grinste: „Ich verstehe Italienisch ja nicht.“

sid/dpa/jr