Neben emotionalen Argumenten für und gegen eine neue Fußballarena und für und gegen den Verbleib im Olympiastadion gibt es faktische Grundlagen, die bedacht werden müssen. So beträgt die Zeit, in der ein Stadion genutzt und auch abgeschrieben ist, rund 35 Jahre. Deshalb wurden in vielen Städten, die zur WM 1974 gebaut hatten, für die WM 2006 neue Spielstätten errichtet – siehe München, Frankfurt, Köln, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover.

Berlin ist in einer Sondersituation. Deutschlandweit spielt kein anderer Profiklub in einem Stadion, das mehr als 70 Jahre alt ist. Das Olympiastadion wurde 1936 eingeweiht. Von 2000 bis 2004 wurde es generalüberholt. Der Mietvertrag von Hertha – Jahresmiete 4,5 Millionen Euro – läuft 2017 aus. Dann ist knapp die Hälfte jener Nutzungszeit verstrichen, die das Olympiastadion haben wird.

Dass der Klub mit Blick auf dieses Datum jetzt beginnt, den Bau einer Hightech-Arena zu prüfen, liegt auf der Hand. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer: „Es kann keine Denkverbote geben. Die Geschäftsführung um Dieter Hoeneß hat nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, sich damit zu beschäftigen.“ Aber auch das Land Berlin als Besitzer des Olympiastadions denkt nach: Hertha spielt rund 80 Prozent der Einnahmen im Olympiastadion ein. Was soll von 2017 bis 2030 dort stattfinden, damit es keine Millionen-Subventions-Grabstätte wird?

Hertha befindet sich in der Liga im Wettbewerb. Alle Konkurrenten bieten ihren Kunden reine Fußball-Stadien. Nur Berlin und Stuttgart haben noch Laufbahnen. Deshalb wird in Stuttgart zur kommenden Saison das Feld abgesenkt, damit die Laufbahn verschwinden kann.

ub