Ohne Urteil endete der erste Verhandlungstag vor der Zivilkammer des Landgerichts Berlin. Das Land Berlin als alleiniger Gesellschafter der „Olympiastadion Berlin GmbH“ (OSB), vertreten durch den Aufsichtsrat, hat drei ehemalige Geschäftsführer verklagt wegen des Minus, dass bei der Eröffnungsveranstaltung des renovierten Olympiastadion am 31. Juli und 1. August 2004 aufgelaufen ist. Das Land will, dass Ingo Schiller, Finanzchef von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, Winfried Schwank, ehemals Geschäftsführer der OSB sowie Thomas Speck (ehemals Walter Bau) persönlich für zwei Millionen Euro haften.
Das ist pikant. So hatte die OSB zum fraglichen Zeitraum 2004 nicht nur drei, sondern vier Gesellschafter. Senat, Hertha und Walter-Bau hielten damals Anteile an der OSB. Für den Senat war 2004 Jürgen Kießling dabei. Er ist 2006 verstorben.
Dessen ungeachtet erhob die Anklage für das Land Berlin heftige Vorwürfe gegen Schiller, Schwank und Speck. Es habe für die Veranstaltung weder ein Gesamtbudget noch ein hinreichendes Controlling gegeben. Die Planung sei laienhaft, rechtwidrig und fehlerhaft gewesen, die Gesellschafter arglistig getäuscht worden. Die Veranstaltung hätte nie durchgeführt werden dürfen.
Zur Erinnerung: Es hatte zur Wiedereröffnung des Olympiastadions am 31. Juli 2004 eine Eröffnungsparty mit Popsängerinnen Nena und Pink gegeben. Einen Tag später hatte Hertha BSC gegen Besiktas Istanbul gespielt. Das Stadion war an beiden Tagen nicht ausverkauft. Unter dem Strich stand ein Minus von 2,9 Millionen Euro.
Die Verteidiger der Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück: Nach der langen Bauzeit sei es Ziel der Gesellschafter gewesen, das Olympiastadion mit einer spektakulären Veranstaltung als Austragungsstätte international zu platzieren. Dafür müsse man Geld investieren, um später Einnahmen erzielen zu können. Es sei niemand hintergangen worden, Schiller, Speck und Kießling waren jeweils im Auftrag ihres Gesellschafters einbezogen.
Da die Anklage zusätzlich den Antrag stellte, den Streitwert auf 2,77 Millionen zu erhöhen, setzte die Zivilkammer einen weiteren Termin für April 2009 an.
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