Welche deutsche Stadt sich bewerben darf, entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Dessen Präsidium wird sich am 24. Juli in Frankfurt am Main zusammenfinden und über diese Frage beraten. Allerdings scheint jetzt schon Einigkeit pro München zu herrschen. „Die Tür für Spiele in den Alpen steht nun ein Stück weiter offen“, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach. Und Generalsekretär Michael Vesper ist sicher: „Durch die Entscheidung gegen Salzburg ist die Chance, Winterspiele nach 2014 wieder in die Alpen zu holen, auf jeden Fall gestiegen.“

Für München sprechen das Flair der Großstadt und eine gewachsene Infrastruktur.

Die Hallensportarten könnten in München direkt ausgetragen werden, andere Wettbewerbe in die Wintersportzentren der Umgebung ausgelagert werden. So könnten in Königssee, das auch Teil der Salzburger Bewerbung für 2014 war, Bob, Rodeln und Skeleton stattfinden. Ruhpolding oder Reit im Winkl wären für Langlauf und Biathlon geeignet. Die Alpinen würden im WM-Ort von 2011, Garmisch-Partenkirchen, um Medaillen kämpfen. Die Befürworter Münchens nutzten gestern die Gunst der Stunde und betrieben massiv Werbung in eigener Sache. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nannte es „eine großartige Sache“, als erste Stadt Sommer- und Winterspiele abzuhalten. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der gerade auf eigene Faust einen Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOC) geschrieben hatte, sagte: „Das ist alles nicht ganz einfach. Ich habe aber gesagt: ‚Bayern steht bereit’.“

Das sagte Klaus Wowereit (SPD) gestern auch. Der Regierende Bürgermeister will sich mit Berlin genau wie Hamburg um die Sommerspiele 2020 bewerben. Einen Brief habe er aber nicht an das IOC beschrieben, er bevorzuge den korrekten Weg über den DOSB. Helfen dürfte es ihm wenig. Auch wegen des Bewerbungsdesasters Leipzigs für die Sommerspiele 2012 rechnet sich der Verband größere Chancen im Winter aus.

Berlins Pläne für 2016 sind damit passé

„Von den deutschen Bewerberstädten hat München in den nächsten Jahren die besten Aussichten.

Daher spricht einiges dafür, dass wir uns zu München durchringen“, sagt DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch. Ob es dann sinnvoll wäre, eine zusätzliche Bewerbung für die Sommerspiele 2020 zu wagen, müsse überprüft werden. Dieses Szenario hält aber sogar Wowereit „für wenig sinnvoll“. Und Eberhard Gienger, ebenfalls DOSB-Vize und für die CDU im Bundestag, sagt: „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Berlins und Hamburgs Chancen auf eine Bewerbung nicht mehr sehr groß würden, sollte München für die Bewerbung 2018 nominiert werden.“

Zumindest Berlins Pläne, bei der Vergabe 2016 schon einmal einen Versuchsballon zu starten, um dann 2020 zuzuschlagen, dürften jetzt schon passé sein. Die Zuschläge für London 2012 und Sotschi 2014 haben bewiesen, dass es nicht mehrerer Bewerbungen bedarf, um an die Spiele zu kommen.

Vielmehr geht es neben viel Geld um Wucht der Präsentation, Einigkeit im Austragungsland und unbedingten politischen Willen. „Wir müssen die Erfolgsaussichten genauestens prüfen und abwägen“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Zeit genug bleibt, eine Bewerbung beim IOC müssten der DOSB und München erst bis Herbst 2009 abgeben.