Verletzte Polizisten, blutende Fußballfans: Seit Monaten sorgen Randalierer in Leipzig und Dresden bundesweit für einen desaströsen Ruf des Fußballstandortes Sachsen. Jetzt plant die Dresdner Staatsregierung eine Großoffensive gegen die heftigen Ausschreitungen. Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) kündigte gestern unter anderem den Einsatz von fliegenden Kameras sowie von szenekundigen Zivilbeamten gegen die Hooligans an. Damit will die Polizei gewaltbereiten Fans ausreichend habhaft werden und Stadionverbote durchsetzen. „Ich möchte ein deutliches Signal setzen, dass wir nicht bereit sind, Gewalt beim Fußball hinzunehmen“, betonte Buttolo.

Bisher seien die Einsatzkräfte im Freistaat vor allem damit beschäftigt, die Lage unter Kontrolle zu halten, sagte Buttolo. Die Bürger hätten jedoch kein Verständnis dafür, dass teilweise mehr als tausend Polizeibeamte ein einziges Fußballspiel in Sachsen absichern müssten. Dies sei auch ein verheerendes Signal nach außen. „Wenn wir die Ausschreitungen nicht in den Griff kriegen, befürchte ich einen weiteren Imageverlust“, warnte Buttolo. Zudem drohten Leipzig und Dresden bei der Vergabe internationaler Spiele wie zur Frauenfußball-WM 2011 nicht berücksichtigt zu werden.

Freistaat steuert nötige Gelder bei

Bilder von Fußballrandalierern will Sachsens Polizei künftig auch mit einer ferngesteuerten Drohne machen, um ihre Identität feststellen zu können. Für die Anschaffung neuer Videotechnik und die Unterstützung von Fanprojekten stellt der Freistaat nach längerem Drängen 300.000 Euro bereit. Weitere 600.000 Euro sollen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und bei den Kommunen eingeworben werden. Zweiter Schwerpunkt des mit dem Sächsischen Fußballverband (SFV) abgestimmten Konzeptes sei die konsequente Umsetzung von Stadionverboten bis hin zu öffentlichen Aushängen von nicht identifizierten Gewalttätern sowie Meldeauflagen und Aufenthaltsverbote für bekannte Randalierer.

Als Kern des Sicherheitskonzepts gilt ein engerer Schulterschluss zwischen den Clubs und der Polizei, nachdem es in der Vergangenheit häufiger gegenseitige Schuldzuweisungen gab. Nun sollen aktuelle Sicherheitsberatungen den Informationsaustausch verbessern. Landesweit rechnet die Polizei mit 450 gewalttätigen Fans, die meisten davon in Leipzig und Dresden. Erst am Wochenende hatten Dresdner Hooligans nach einem Hallenturnier in Oschatz sechs Bundespolizisten auf einem Bahnhof mit abgeschlagenen Bierflaschen und Schottersteinen verletzt. Auch im vorigen Jahr war es immer wieder zu verheerenden Ausschreitungen gekommen.

Zunehmende Randale

So waren bei Krawallen am Rande des Spiels von „Lok Leipzig“ gegen „Erzgebirge Aue II“ im Februar 39 Polizisten verletzt worden. Im Juni stürmten Anhänger von Dynamo Dresden beim Landespokalfinale den Fußballplatz in Aue. Nach einem Derby in der Landesliga Ende Oktober zwischen Dynamo Dresden II und dem FC „Lok Leipzig“ wurden zehn Menschen verletzt, als rund 600 Dresdner die Leipziger mit Steinen, Flaschen, Leuchtraketen und Knallkörpern attackierten.

Im Dezember hatten zudem Anhänger des Viertligisten „Lok Leipzig“ zweimal Weihnachtsfeiern von Fans des Ortsrivalen, des Fußball-Oberligisten „FC Sachsen Leipzig“, mit Schreckschusswaffen und Baseballschlägern überfallen. Ein Opfer musste mit einem Schädel-Hirn-Trauma in eine Klinik gebracht werden.

"Ermittlungsgruppe Hooligans"

Fußballverbandspräsident Klaus Reichenbach kündigte an, Stadionverbote landesweit durchsetzen zu wollen. „Diese Ausschreitungen schaden nicht nur dem Fußball, sondern ganzen Regionen“, sagte Reichenbach. „Das wird von bestimmten Fangruppen fast wie ein Kriegsspiel organisiert.“ Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, hatte sich in der Vergangenheit über die Häufung von Ausschreitungen beunruhigt gezeigt. „Die Gewalt in den Stadien nimmt eindeutig zu“, betonte er. Dies sei seit längerer Zeit erkennbar, vor allem in der zweiten Bundesliga, in den Regionalligen, „und hier insbesondere bei den Vereinen aus dem Osten“.

Dabei machen nicht nur Fans in Leipzig und Dresden immer wieder Furore, sondern auch in Berlin, Rostock, Augsburg und andernorts. In manchen Städten wie Berlin hat die Polizei schon vor Jahren mit der „Ermittlungsgruppe Hooligans" reagiert. In der Hauptstadt machte die Polizei ähnliche Erfahrungen wie ihre Kollegen. „Bei Spielen in der ersten Liga müssen wir nicht den gleichen Aufwand wie in den unteren Ligen betreiben“, sagte ein Polizeisprecher.