Er hatte zwar drei Treffer kassiert und damit als Torhüter nicht unbedingt den besten Einstand gegeben, aber das störte an diesem Abend niemanden in Stuttgart. Schon gar nicht Jens Lehmann, der bei seinem ersten Auftritt für den VfB Stuttgart an Arsenal Londons Toren beim 1:3 (0:0) im Test schuldlos war.

Lehmann wirkte zufrieden, wenn nicht sogar richtig glücklich. Denn er war lange nicht mehr so frenetisch und herzlich gefeiert worden war wie von den rund 50.000 Zuschauern, die zu seinem ersten Einsatz für den VfB gegen den früheren Arbeitgeber gekommen waren.

„Es war eine schöne Atmosphäre, und es war schön, die Sympathie zu spüren“, sagte der aufgeräumt wirkende Lehmann, der nach der VfB-Führung durch Yildiray Bastürk (52. Minuten) bei den Treffern durch Carlos Vela (58.), Nicklas Bendtner (65.) und Jack Wilshere (74.) machtlos war. Obwohl er von seiner Abwehr dabei im Stich gelassen worden war, und auch sonst beim VfB noch einiges im Argen liegt, mache sein neues Team „einen sehr, sehr guten Eindruck“ auf ihn.

Beeindruckt zeigten sich nach der Partie seine neuen Mitspieler. „Mit Jens Lehmann haben wir einen Volltreffer gelandet“, sagte Mario Gomez. Kapitän Thomas Hitzlsperger sprach von einem „enorm wichtigen Rückhalt für uns“, Zugang Khalid Boulahrouz stellte Lehmanns Erfahrung und Siegermentalität heraus. Selbst von Arsenal-Trainer Arsene Wenger, der ihn im August 2007 zur Nummer zwei in London degradiert hatte, gab es Lob. „Jens hat sehr gut gehalten“, sagte Wenger, „in der ersten Halbzeit war er Spitzenklasse.“

Stuttgarter Hoffnungen ruhen auf Lehmann

Nun aber ruhen in Stuttgart die Hoffnungen auf Lehmann, der offensichtlich noch nicht ganz angekommen ist. Zumindest gab es diesen Eindruck, als am Mittwochabend der Schlusspfiff ertönte. Denn da war der 61-malige Nationaltorhüter erst einmal zu seinen ehemaligen Mitspielern gegangen, bevor er auch seine neuen Kollegen abklatschte. „Es ist alles noch etwas fremd hier“, sagte Lehmann später fast ein wenig entschuldigend.

Er wird sich schnell einleben. Eine Wohnung in Stuttgart hat er schon, zudem ein Haus in München. Zwischen beiden Städten wird er pendeln. Dass dem 38-Jährigen einige Sonderrechte beim VfB eingeräumt wurden, ist bislang noch kein Thema in Stuttgart – schon gar nicht für Manager Horst Heldt: „Jens wird seine Freiheiten bekommen, genauso wie andere ältere Spieler auch.“ Früher hätte es doch auch niemanden interessiert, wenn etwa „ein Zvonimir Soldo oder auch ich“ ein paar Tage frei bekommen hätten.

Sonntags hat Lehmann frei

Unter anderen wurde Lehmann zugesichert, bei einem Samstag-Samstag-Rhythmus am Sonntag frei zu haben. Dies sei Bedingung gewesen, erklärte Lehmann. Wenn er die Familie nicht mehr sehen könne, „dann kann der Spaß schnell vergehen“. Noch haben alle Spaß. Wie lange, wird sich zeigen.

Offen ist weiterhin auch Lehmanns Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft. Der Torhüter hat zwar eine Entscheidung getroffen, will diese aber erst nach einem Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw öffentlich machen: „Ich weiß, was ich machen werde. Ich werde dies aber erst Joachim Löw mitteilen.“ Das Gespräch soll frühestens in der kommenden Woche stattfinden, da Löw bis Sonntag noch Urlaub hat.

Ähnlich positiv wie für Jens Lehmann verlief der Abend übrigens auch für den umstrittenen Stürmer Danijel Ljuboja. Der Serbe, als Abzocker verschrien, nutzte die Chance, öffentlich Buße zu tun. Bei der Präsentation der Spieler ergriff der Mann, der am Sonntag beim UI-Cup-Spiel gegen Ramenskoje noch gnadenlos ausgepfiffen worden war, das Mikrofon und sagte: „Liebe VfB-Fans. Ich habe vor zwei Jahren einen großen Fehler gemacht und möchte mich dafür entschuldigen.“ Die wenigen Pfiffe, die es dennoch gab, gingen im Beifall unter.

AP/KS