Schade, dass fast Samstag ist. Denn dann verabschiedet sich Oliver Kahn aus der Fußball-Bundesliga. Ein trauriger Tag. Denn Typen wie ihn gibt es nicht mehr. Typen, die vor der Kamera „scheißegal“ sagen. Typen, denen jedes Mittel recht ist, den Gegner zu bezwingen. Wie damals beim Heimspiel seiner Bayern gegen Hansa Rostock, als er mit nach vorne ging, den Ball ins gegnerische Tor faustete, Gelb-Rot kassierte. Wie damals in Dortmund, als er erst mit einem Kung-Fu-Kick auf Stephane Chapuisat zusprang, um später Heiko Herrlich in den Hals zu beißen. „Eier, wie brauchen Eier“, fauchte er einst ins Mikrofon.
Welcher andere Fußballprofi sagt so etwas heute noch? Der brave Philipp Lahm sicher nicht. Die meisten Jungprofis geben aalglatte Interviews. Bloß nicht verplappern. Dem Boulevard bloß kein Futter liefern. Kahn war fast immer egal, was am nächsten Tag in der Zeitung stand. Kahn gab es immer unverdünnt, ungefiltert. Bei keinem anderen konnte man bei Misserfolgen so mitleiden. Wie er nach seinem Patzer im WM-Finale 2002 gegen Brasilien alleine am Torpfosten kauerte. Millionen Augen auf ihn gerichtet, und doch so alleine. Verlor er mit Bayern, stampfte er mit hochrotem Kopf vom Platz.
Es gab echte Kahn-Momente
Keiner jubelte so exzessiv wie er. Nach der legendären Meisterschaft 2001 in Hamburg wirbelte er wie ein Derwisch zur Eckfahne. Dann riss er sie aus dem Boden, warf sich mit ihr auf den Rücken und schüttelte sie brüllend. Sekunden zuvor hatte Bayern München Schalke in letzter Sekunde die Meisterschale entrissen. „Da ist das Ding“, schrie er Fußballdeutschland entgegen. Ein echter Kahn-Moment. Genau wie einige Tage später, als er mit drei gehaltenen Elfmetern im Champions-League-Finale gegen Valencia maßgeblich zum Titelgewinn beitrug. Wer soll diesen Perfektionisten nur beerben? Der stille Michael Rensing will es in München versuchen. Mehr als fraglich, ob er ein echter Titan wird. Denn bei all seinen Ecken und Kanten: Kahn war vor allem eines: Ein Weltklassetorwart, der durch seine Reflexe und Paraden begeisterte. Am Ende seiner Karriere wurde auch Kahn milder. Bayerns Uefa-Cup-Debakel gegen St. Petersburg nahm er ganz gelassen hin. Kein Wüten, kein Toben. Komisch, irgendwie. Ohne Zweifel: Oli Kahn, wir werden Dich vermissen.


