Dem größten Helden des Klubs haben sie direkt am Stadion ein Denkmal gesetzt. Gleich neben dem Nord-West-Eingang der Arena steht der übergroße Bronze-Fuß von Uwe Seeler, und demnächst schon könnte neben ihm vielleicht eine Nachbildung der Hand von Dietmar Beiersdorfer enthüllt werden. Einige Fans des Hamburger SV jedenfalls wünschen sich das sehr, nachdem der Sportdirektor mit der Unterzeichnung spektakulärer Transfers den Wunsch nach Titeln genährt hat. „Wir sollten für Didi eine Statue direkt neben Uwe Seelers Fuß am Stadion aufbauen“, schreibt einer im Fanforum.

Genau genommen hat der Sportdirektor des HSV allerdings nicht anderes gemacht als angekündigt. Er hat die Einahmen für den zu Real Madrid transferierten Rafael van der Vaart (15 Millionen Euro) und den vergangene Woche an Manchester City verkauften Vincent Kompany (8,5 Millionen) reinvestiert. Nur fallen die gewählten Zugänge derart gla?mourös aus, dass sie inzwischen in Hamburg glauben, trotz des schmerzlichen van-der-Vaart-Abgangs nicht schwächer besetzt zu sein als in der Vorsaison.


Aus München kommt für acht Millionen Euro Linksverteidiger Marcell Jansen. Dazu machte Beiersdorfer in Brasilien die Transfers von Abwehrspieler Alex Silva (6,5 Millionen Euro für 50 Prozent der Rechte) und Spielgestalter Thiago Neves (acht Millionen für 80 Prozent der Rechte) perfekt. „Ich hatte praktisch eine Standleitung zu Dietmar Beiersdorfer nach Sao Paulo“, sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann. „Am Donnerstagabend konnten wir dem Aufsichtsrat die finanziellen Rahmendaten vorstellen. Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, in die sportliche Substanz des Kaders zu investieren.“


Keine Einigung mit Klinsmann

Als Erster des namhaften Trios wurde Jansenam Donnerstag in Hamburg vorgestellt. Bereits bei seiner Landung am Flughafen erwartete ihn ein halbes Dutzend Fotografen und Kamerateams. Als zunächst aber Heino die Gepäckausgabe verließ, war das Schlagerfossil doch recht überrascht über das mediale Aufkommen – nach einer Weile verstand er, dass das jähe Interesse nicht ihm galt, sondern dem neuen Kicker, der gemeinsam mit Freundin Julia Goedicke in die Hansestadt gekommen war. „Ich bin froh, dass alles mit dem HSV so kurzfristig geklappt hat“, sagte Jansen. „Einer der Gründe für den Wechsel war ein Gespräch mit Jürgen Klinsmann, in dem wir uns über meine Perspektiven und meinen Stellenwert beim FC Bayern nicht einigen konnten.“

Vor zwei Jahren bereits hatte sich der HSV intensiv um Jansen bemüht. „Damals sind wir mit unseren Wunsch bei Rolf Königs, dem Präsidenten von Borussia Mönchengladbach, leider abgeblitzt. Und im vergangenen Jahr hatten wir aus finanzieller Sicht nicht die Kraft, mit dem FC Bayern mitzuhalten“, sagte Hoffmann. „Jetzt sind wir sehr froh, mit Jansen einen weiteren deutschen Nationalspieler nach Hamburg geholt zu haben. Wir sind davon überzeugt, eine wichtige Position im Kader damit auf Jahre hervorragend besetzt zu haben.“

Kontinuität erhoffen sie sich auch durch die beiden anderen Zugänge. Innenverteidiger Alex Silva kommt vom FC Sao Paulo und ist der Ersatz für Kompany, wobei die 6,5 Millionen Euro Ablöse dem HSV zunächst 50 Prozent der Rechte an dem Bronzemedaillengewinner von Peking sichern. Silva hat aber nicht nur Fußball im Sinn. Gestern heiratete er in Sao Paulo und kommt erst nach zwei Länderspielen am 12. September nach Hamburg.

Neves hatte auch ein Angebot vom FC Barcelona

Ebenso spektakulär wie Silvas Kommen ist die Verpflichtung von Thiago Neves (Fluminense Rio de Janeiro), dem auch Angebote vom FC Barcelona und Manchester City vorgelegen haben sollen. Der 23-jährige Spielgestalter ist beim HSV als van-der-Vaart-Ersatz eingeplant, ähnelt dem Niederländer nicht nur wegen des starken linken Fußes, sondern auch in Sachen Spielübersicht. „Thiago Neves ist ein kreativer Spieler mit Tordrang, von dem wir uns in Zukunft viel versprechen. Viele Klubs hatten Interesse, der Spieler wollte aber nur zum HSV“, berichtete Hoffmann stolz über den gleichsam in Peking aktiven Brasilianer. „Er wurde in der vergangenen Saison zum Spieler des Jahres in Brasilien gewählt, hat sich in Peking neben Diego und Ronaldinho bewegt – das ist kein Zufall.“

Allerdings ist die sportliche Runderneuerung auch ein Wagnis. Inklusive Stürmer Mladen Petric, der für fünf Millionen Euro von Borussia Dortmund kam (plus Verrechnung mit Mohamed Zidan) und Dennis Aogo hat der HSV 28,8 Millionen Euro für Zugänge ausgegeben. Niemals zuvor investierte der Klub derart in neues Personal. „Wenn man bedenkt, dass wir erst nach den Verkäufen von van der Vaart und Kompany wirtschaftlich handlungsfähig waren, dann ist das Ergebnis unserer Einkaufstour innerhalb der vergangenen zwei Wochen sehr bemerkenswert“, sagte Hoffmann. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir die Transfererlöse nicht auf die Bank bringen, sondern in den Kader investieren. Das waren sehr gute Tage für den HSV.“