Auf dem Weg nach Peking macht Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen, 20, seit Freitag eine Woche Zwischenstation in Japan. In Tokio bereitet sich die deutsche Gold-Hoffnung auf die Olympischen Spiele vor, inklusive Zeitumstellung und Klimawechsel.
Morgenpost Online: Das ist schon Ihr dritter Trainingsaufenthalt bei den japanischen Turnkollegen. Wie kam es zu dieser Beziehung?
Fabian Hambüchen: Über meinen Vater Wolfgang. Er hat eineinhalb Jahre in Japan trainiert und studiert, spricht auch japanisch. Cheftrainer Koji Gushiken ist sein Freund. Er ist Olympiasieger und hat früher einmal zwei Jahre an der Uni Tübingen die Methodik des Turnens studiert.
Morgenpost Online:
Was macht für Sie die Besonderheit eines Trainingslagers in Japan aus?
Hambüchen:
Das Trainingsklima ist optimal, die Bedingungen perfekt. Die Japaner haben eine andere Mentalität als wir. Sie sind höflich, ruhig, absolut professionell und achten mehr auf Qualität. Für sie ist Turnen schon fast Meditation.
Morgenpost Online:
Wie wirkt sich das in der Praxis aus?
Hambüchen:
Es wird bis zu sieben Stunden täglich trainiert. Da feuert man sich nicht an, jeder turnt in Ruhe und bekommt nachher ein paar Worte von der Gruppe gesagt. Nach getaner Arbeit säubern die japanischen Athleten ihre Halle und kehren sie selber aus.
Morgenpost Online: Wie können Sie von den Japanern profitieren?
Hambüchen: Ich habe mich technisch weiterentwickelt. Ich habe gelernt, weniger über große Umfänge, dafür möglichst perfekt zu trainieren, denn ständige Wiederholungen hält man auf Dauer körperlich nicht durch. Perfektion ist entscheidend beim Turnen.
Morgenpost Online: Könnte Ihnen ein Japaner in Peking gefährlich werden?
Hambüchen: Hiroyuki Tomita ist ein starker Mann. Aber ich muss erst mal selber meine Suppe machen, bevor sie mir jemand versalzen kann. Bereits am 9. August, einen Tag nach der Eröffnungsfeier, muss beim Mehrkampf alles stimmen. Wenn ich da durchkomme, sieht es ganz gut aus.
Morgenpost Online: Haben Sie auch eine Medaille im Mehrkampf im Hinterkopf?
Hambüchen: Es sind alle Gedanken vorhanden, auch an einem anderen Gerät oder mit der Mannschaft. Wenn ich mich nur aufs Reck konzentrieren würde, wäre die mentale Belastung zu groß. Um aber Erfolg zu haben, muss alles perfekt sein. So, wie ich es bei den Japanern kennengelernt habe.
Morgenpost Online: Im Mehrkampf ist das Pauschenpferd Ihr Zittergerät. In Dessau konnten Sie die Übung nicht durchturnen. Wie sehr ärgert Sie das?
Hambüchen: Es nervt einfach, dass ich nach meinen vier Krachergeräten am Pferd nicht mehr die Körner habe. Aber ich arbeite daran. Ich habe im Training den Ablauf bewusst verändert, turne das Pferd als sechste und letzte Übung, damit ich auch im ausgepowerten Zustand noch eine vernünftige Übung zustande bringe. Es wird besser.
Morgenpost Online: Ihr Vater ist auch Ihr Trainer. Ist er in Peking dabei?
Hambüchen: Ja, er wird mich wie gewohnt betreuen. Das ist sehr wichtig für mich. Auch Onkel Bruno, mein Mentaltrainer, und mein Manager Klaus Kärcher begleiten mich. Mutti und Freundin drücken zu Hause die Daumen.
Morgenpost Online:
Was planen Sie nach Olympia?
Hambüchen:
Zwei Wochen Urlaub. Dann wird weitertrainiert. Mein Traum ist es, an vier Olympischen Spielen teilzunehmen. 2004 in Athen war ich mit 16 der Jüngste, vielleicht bin ich 2016 der Älteste.





