Britta Steffen und Franziska van Almsick teilen so einiges: Sie sind beide hervorragende Schwimmerinnen, sie sind beide erfolgreich und hatten beide häufig mit ihren Nerven zu kämpfen. So war es auch Franzi, zu der Britta Steffen eilte, nachdem sie ihre Goldmedaille gewonnen hatte. "Ich bin dir so dankbar. Danke", stammelte sie während ihr die Freudentränen herunterliefen.

Tatsächlich hat die 24 Jahre alte Britta Steffen Franziska van Almsick viel zu verdanken: Van Almsick holte sie 2002 aus Schwerin nach Berlin, tranierte mit ihr und brachte ihr bei, dass sie sich nicht in jedem Trainingslauf völlig auspowern muss. Britta Steffens größte Gegnerin war lange Zeit sie selbst. Wie Franzi van Almsick plagten sie Selbstzweifel und Versagensängste.

Geholfen, diese zu überwinden, hat ihr dann auch Franziska van Almsick. Zumindest indirekt. Nachdem Britta Steffen in Athen 2004 gescheitert war und sogar aufhören wollte, suchte sie sich Ende des Jahres auf Anraten ihres Trainers Norbert Warnatzsch Hilfe bei der Sportpsychologin Friederike Janofske. Sie hatte ebenfalls vorher Franziska van Almsick betreut und half der Schwimmerin zu einer neuen Einstellung. "Ich habe begriffen, dass ich kein schlechterer Mensch bin, wenn ich mal nicht so gut schwimme", sagte Britta Steffen 2006.

Nach der Rückkehr aus Peking zieht sie mit ihrem Freund Oliver zusammen

Dafür, dass die Schwimmerin nicht zu viel Stress hat, sorgt mittlerweile auch jemand aus Franziska van Almsicks früherem Stab. Managerin Regine Eichhorn vermarktete zuvor schon Franzi und kümmert sich seit der Europameisterschaft 2006 um Britta Steffen.

Auch privat bekommt die Schwimmerin jedoch viel Rückhalt: In einem Interview nach ihrem Sieg sagte Britta Steffen noch einmal, dass sie allen Menschen, die ihr geholfen haben wahnsinnig dankbar sei. Einer von ihnen ist ihr Freund Oliver Wenzel: Der 27 Jahre alte Ex-Schwimmer kennt das Leben als Leistungssportler und sagte vor dem Olympiasieg: "Britta ist härter als viele denken". Damit hat er wohl recht behalten. Nach den Olympischen Spielen wollen die beiden zusammenziehen.

Vielleicht hat ihr aber auch ein Ritual zu Gold und olympischem Rekord verholfen: Vor jedem Wettkampf dreht sie nämlich einen Ring, den sie um den Finger trägt. Das gleiche tun ihre beiden Brüder Maik (21) und Sven (31) mit den Glücksringen an ihren Fingern, in die die drei Namen der Geschwister eingraviert sind. „Ich habe mit meinen Brüdern telefoniert, sie versprachen, das auch zu tun. Wir sind dann in Gedanken beieinander“, sagte Britta Steffen. Vielleicht hat das Ritual ihr Gold gebracht, vielleicht auch nur der Glaube daran. Ganz sicher aber ist auf jeden Fall, dass Britta Steffen endlich das geschafft hat, worauf sie seit Jahren hingearbeitet hat: Sie ist Olympiasiegerin – auch weil so viele Menschen sie unterstützen.