Diese Chinesen wenden alle Tricks an, sie schicken sogar turnende Kinder ins Feld, die sich wie in der Jugenddisco unbedingt älter machen. Ständig halten sie Gold in der Hand, da bleibt kein Platz mehr für die Konkurrenz. Überall wird nun gestöhnt: Wie gemein! Wie langweilig! Irgendwie unheimlich und zum Fürchten. Die sollen auch mal verlieren, am besten als Favoriten so richtig untergehen, vielleicht kann der Hürdenstar Liu Xiang stolpern...
Ich finde die Turner-Kinderarbeit empörend, doch die Unkenrufe über die chinesische Dominanz ist seltsam. Wir ärgern uns über die unbekannten Athleten, die jeder für sich in ihren Disziplinen siegen, und unterstellen unlautere Motive sowie staatliche Eingriffe.
Hinter dem Alphatier hinterher
Zugleich freuen wir uns über jede Medaille, die ein Einzelner unbedrängt sammelt, nennen wir ihn Phelps. Er kann gar nicht genug gewinnen. Fünf, sechs, sieben Mal, wir rufen begeistert die Superlative. Im Grunde ist es das gleiche Schema wie bei der China-Phobie, nur mit anderen Vorzeichen.
Die Routine des Superstars Michael Phelps finden wir gar nicht unheimlich, sondern toll. Als treue Herde zuckeln wir dem Alphatier hinterher und schmähen lieber die Nachbarherde. Auch auf die Gefahr hin, hier ganz viel Porzellan zu zerschlagen: Mir wäre es lieb, wenn Michael Phelps einmal beim Schwimmen verlöre, und ich rede hier nicht von Silber oder Bronze, sondern vom richtig Danebengreifen. Er wäre so deutlich weniger chinesisch.




