Morgenpost Online: Herr Becker, haben Sie erwartet, dass sich Rainer Schüttler in Wimbledon noch einmal so zurückmeldet?

Boris Becker (40): Nein. Und ich glaube, dass kaum jemand diesen Sensationscoup erwartet hat – am wenigsten wahrscheinlich Rainer Schüttler selbst. Im zarten Alter von 32 Jahren in Wimbledon so aufzutrumpfen, verdient großen Respekt. Auch wenn er in den ersten Runden keinen Rafael Nadal oder Roger Federer als Gegner hatte. Vor allem im Match in der zweiten Runde gegen James Blake hat Schüttler eine starke Leistung gezeigt.

Morgenpost Online: Was sehen Sie als Gründe für seinen Erfolg?


Becker: In Wimbledon kann man mit Erfahrung viel wettmachen, was man nicht mehr in den Beinen hat. Und das macht er. Außerdem ist Schüttler immer noch sehr fit. Sein neuer Trainer scheint einen guten Einfluss auf ihn zu haben.


WELT ONLINE: Inwiefern kann Schüttler dem deutschen Nachwuchs als Vorbild dienen?


Becker: Schüttler ist ein sehr gutes Vorbild. Seine Leistungsbereitschaft und seine Fitness sind beeindruckend. Ich kenne wenig Spieler, die soviel für sich und ihren Körper tun. In Sachen Disziplin und Trainingsfleiß macht ihm keiner etwas vor. Er führt in jeder Hinsicht ein professionelles Leben. Das ist die Grundlage, um im Tennis Erfolg zu haben.

Morgenpost Online: Sind die anderen deutschen Spieler auch so diszipliniert?

Becker: Mein Eindruck ist, dass einigen Spielern die professionelle Einstellung fehlt, die Schüttler so stark macht.

Morgenpost Online: Wie zufrieden sind Sie mit dem Abschneiden der anderen deutschen Spieler in Wimbledon?

Becker: Für die Deutschen war es bislang ein gutes Turnier. Viele unserer Spieler haben gut gespielt und schwere Matches gewonnen. Vor allem Mischa Zverev, Nicolas Kiefer und auch Philipp Petzschner haben ihre Qualität bewiesen.

Morgenpost Online: Wie bewerten Sie insgesamt bislang das Turnier in Wimbledon?


Becker: Es wurde lange nicht mehr ein so hochklassiges Tennis in Wimbledon gespielt. Roger Federer hat bislang sehr gut gespielt, und wir haben einen Rafael Nadal gesehen, der noch nie so gut war.