Christian Schwarzer soll es noch einmal richten. Handball-Bundestrainer Heiner Brand hat den 38 Jahre alten Kreisläufer in seinen Olympiakader berufen und holt den Weltmeister damit zum zweiten Mal nach der Heim-WM 2007 aus dem internationalen Ruhestand in die Nationalmannschaft zurück.

„Ich habe mich entschlossen, Christian Schwarzer als Kreisläufer für Peking zu nominieren“, sagte Brand und sorgte damit zu Beginn des ersten Olympia-Vorbereitungslehrgangs in Köln für eine Überraschung. Derzeit trainiert Brand noch mit einem 22-köpfigen Kader, nur 14 Spieler dürfen dann zunächst für Peking nominiert werden. Schwarzer soll am 9. Juli zum Lehrgang in Meran/Südtirol zur Mannschaft stoßen und dürfte damit sein Peking-Ticket in der Tasche haben, da ein reines „Trainings-Comeback“ kaum vorstellbar ist.

Zusage nach einer Woche Bedenkzeit

Eine Woche Bedenkzeit benötigte Schwarzer, dann gab er Brand die Olympia-Zusage. „Das war äußerst schwierig“, sagt Schwarzer, der zunächst Bedenken hatte, einem jüngeren Spieler den Platz wegzunehmen: „Auf der anderen Seite will ich natürlich der Mannschaft helfen und Heiner nicht im Stich lassen. Ich habe gesagt, dass ich bereit bin, wenn Not am Mann ist. Jetzt werde ich zu meinem Wort stehen.“ Neben Schwarzer stehen derzeit noch die Kreisläufer Andrej Klimovets und Sebastian Preiß im Kader, Jens Tiedtke und Christoph Theuerkauf wurden gestrichen.

Fast 20 Jahre nach seinem ersten Länderspiel, damals noch mit der B-Nationalmannschaft gegen die DDR, läuft Schwarzer in Peking zum vierten Mal bei Olympia auf. Nach der Silbermedaille in Athen mit der „Goldenen Generation“ um Stefan Kretzschmar, Daniel Stephan und Volker Zerbe hatte er seine Karriere in der Nationalmannschaft ursprünglich bereits für beendet erklärt. Während der WM im eigenen Land 2007 kehrte er dann nochmal zurück und hatte entscheidenden Anteil am Titelgewinn der Gastgeber. Danach hatte er erneut sein Karrierende in der Nationalmannschaft erklärt.

Veränderte Situation nach Baurs Rückzug

Brand setzt aber nach wie vor auf die Klasse des Bundesliga-Spielers von den Rhein-Neckar Löwen. Vor rund zwei Wochen stellte er Schwarzer dann die Olympia-Frage. „Blacky zählte in der abgelaufenen Saison zu den besten Kreisläufern der Liga. Zudem entstand dadurch, dass Markus Baur seinen Olympia-Verzicht erklären musste, eine veränderte Situation in der Führungsstruktur unserer Mannschaft“, erklärte Brand. Schon bei der Heim-WM habe sich Schwarzer als „wichtiger Leader“ erwiesen, „der entscheidende Impulse zu setzen vermochte“.

Schwarzer warf in 310 Länderspielen 949 Tore und liegt damit in der ewigen Torschützenliste des Deutschen Handball-Bundes (DHB) an zweiter Position hinter Frank-Michael Wahl (1412 Tore). Er nahm an sechs Welt- und fünf Europameisterschaften teil.

sid/jr