Kultklub vom Kiez

FC St. Pauli stürmt mit einem Film in die Kinos

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Julien Wolff

Foto: gam_gr_li / pa/dpa

Im August läuft der Film "Sankt Pauli! Rausgehen, Warmmachen, Weghauen" in deutschen Kinos an. Es ist der erste Kinofilm über einen deutschen Fußballverein überhaupt. Das Filmprojekt beweist einmal mehr, zu welch wertvoller Marke sich der FC St. Pauli entwickelt hat.

Vor einem der wichtigsten Spiele in der Vereinsgeschichte stiftete Holger Stanislawski seine Spieler dazu an, die Ehen Fußball-begeisterter Hamburger zu brechen. „Wenn ihr heute einen Punkt holt oder gewinnt, kommen einige Fans drei Tage nicht nach Hause. In dieser Zeit werden Ehen geschieden“, sagte der Trainer des FC St. Pauli in seiner Ansprache vor der Partie gegen Dynamo Dresden in der Regionalligasaison 2006/2007.

Seine Spieler sahen Stanislawski im Besprechungsraum bei Kaffee und Kuchen voller Vorfreude auf die Siegesfeier an und setzten seine Vorgaben wenig später um: St. Pauli spielte 2:2 und machte mit dem Punktgewinn am vorletzten Spieltag den Aufstieg in die zweite Bundesliga perfekt.


Diese und andere Szenen aus der Aufstiegssaison können Fans des Hamburger Zweitligaklubs bald im Kino erleben. Am 7. August läuft der Film „Sankt Pauli! Rausgehen, Warmmachen, Weghauen“ in den deutschen Lichtspielhäusern an. Es ist der erste Kinofilm über einen deutschen Fußballverein.


Das Filmprojekt beweist einmal mehr, zu welch wertvoller Marke sich der FC St. Pauli entwickelt hat. Obwohl oder gerade weil der Verein über einen deutlich geringeren Etat als die Bundesligavereine verfügt, hat er seine Vermarktung perfektioniert. „Neben den Einnahmen, wie zum Beispiel Sponsoringverträge oder Merchandising, hat auch der Sympathiewert Einfluss auf den Wert der Marke“, sagt Markus Pfründer, Marketingexperte von der internationalen Managementberatung BBDO.

"Es muss schon ein Kultverein sein"

Für das Unternehmen ermittelte er im vergangenen Jahr die Markenwerte zahlreicher internationaler Vereine. „Dem FC St. Pauli gelingt es immer wieder, intelligent zu provozieren und sich positiv von anderen Vereinen abzuheben. So ein Film funktioniert nicht mit vielen deutschen Vereinen. Außer dem FC Bayern München und dem FC Schalke 04 kommt kaum ein Klub in Frage, denn es muss schon ein Kultverein sein“, sagt Pfründer.

Dass Fußball und Kino eine funktionierende Mischung sein können, hat vor zwei Jahren der Film „Deutschland. Ein Sommermärchen“ bewiesen. Dass der St. Pauli-Film nicht auf vier Millionen Zuschauern kommen wird, ist den Machern jedoch bewusst. Bei den Dreharbeiten gab es aber Parallelen: Wie Wortmann gewöhnte auch Bornemann die Hamburger Spieler und Trainer nach und nach an die Kamera. Trainer Stanislawski zeigte sich dabei keineswegs scheu. Spieler nennt er gern mal „Dicker“, und als er vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln den Bus des von Christoph Daum trainierten Teams sah, sagte er: „Allein der Daum verdient mehr als unseren gesamten Etat.“

Noch bevor der Film am 7. August anläuft, untermauert der FC St. Pauli seinen Ruf als Klub, der neue Wege geht. Am Freitag empfangen die Hamburger zur Eröffnung ihrer neuen Südtribüne als erster westlicher Verein die Nationalmannschaft Kubas.