Ob Bremer Umland oder Bretagne, Parallelen gibt es reichlich. Eine frische Brise vom Meer her, abwechselnd Regenschauer und Schäfchenwolken am Himmel, satte grüne Weiden allerorten. „Herrlich“, fand Martin Mischel den Auftakt der Tour de France, „sogar Kühe waren am Straßenrand zu sehen.“
Mischel ist vom Fach, als Vorstandsmitglied der Nordmilch AG begleitete er bis Mitte der ersten Rennwoche das von seinem Unternehmen gesponserte Team Milram erstmalig beim wichtigsten Etappenrennen der Welt. Bei den Bremern ist er für Vertrieb und Marketing zuständig, da schadet es nicht, vor Ort abzuklopfen, wie gut mehr als zehn Millionen Euro jährlich investiert sind. Glaubt man Mischel, lohnt sich das vor zwei Jahren begonnene Engagement im Radsport – trotz anhaltender Querelen und Ärgernisse wie der positiven Dopingprobe des spanischen Fahrers Manuel Beltran.
„Unsere Erwartungen an die Medienwerte wurden erfüllt“, sagt Martin Mischel, gibt aber auch zu: „Die Dopingdiskussionen der vergangenen beiden Jahre haben ein Mehr an Erfolg verhindert.“ Gleichwohl gilt die Faustformel: Um den gleichen Werbeeffekt wie mit dem Radteam durch konventionelle Werbemaßnahmen zu erzielen, wären pro Jahr etwa 60 Millionen Euro notwendig, rechnet der Marketingfachmann vor.
"Entscheidend wird sein, was in der Dopingfrage passiert"
Bis Ende 2009 läuft der Vertrag mit Teambetreiber Gerry van Gerwen. Dass die Nordmilch AG ihre Option auf ein Jahr Verlängerung zieht, gilt als sicher. Mischel sagt: „Entscheidend wird sein, was in der Dopingfrage passiert.“ Also ob allgemein Besserung in der Szene in Sicht ist und ob neuerliche Affären ausbleiben. Auch im eigenen Team, das nach Erik Zabels nachträglicher Dopingbeichte 2007 in diesem Jahr Starsprinter Alessandro Petacchi wegen einer positiven Dopingprobe suspendierte.
Zum jetzigen Zeitpunkt, das gesteht Martin Mischel frank und frei, würde sein Unternehmen nicht als Hauptsponsor eines Profiteams in den Radsport einsteigen. „Uns war das Ausmaß der Probleme anfangs nicht bewusst.“ Nun jedoch nehme der Konzern „die Verantwortung an“, heißt es vom Bremer Sponsor, der auf einen Umbruch innerhalb der Mannschaft drängt. Weg von einer kunterbunt gemischten Sprintermannschaft, die vor allem seit Petacchis Rauswurf sportliche Erfolge oft vermissen lässt, hin zu einem Team, das mit deutschen Profis auch bei Rundfahrten mitmischen kann.
Kommen Ciolek und Gerdemann?
Zudem kommt dem Team in absehbarer Zeit sein prominentester Fahrer abhanden, wenn Zabel (38) seine Karriere beendet. „Und ein Zabel“, sagt Mischel, „ist nicht zu ersetzen.“ Doch neue Stars stehen schon parat: Linus Gerdemann (25) etwa, der einen Wechsel vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia zu Milram forciert. Allein: Im Gegensatz zum ebenfalls umworbenen Gerald Ciolek (21) hat Gerdemann dort noch einen Vertrag über das Ende der Saison hinaus. Und ob Columbia-Manager Bob Stapleton den jungen Deutschen („Ein deutsches Team interessiert mich“) ziehen lässt, ist fraglich.
Sollte Branchenführer Team Gerolsteiner nach dem Ausstieg seines Sponsors 2009 nicht mehr existieren, würde Milram zur ersten – und einzigen – Adresse für Erstliga-Profiradsport in Deutschland avancieren. Dann wäre das Team unverhofft erste Sahne und dort, wo es hin will: „Champions League.“





