Es könnte der erhoffte Befreiungsschlag für den FC Barcelona sein. Nachdem noch vor wenigen Tagen Joan Laporta von den 40.000 Vereinsmitgliedern für seine Personalpolitik abgestraft worden war, durfte der Klubpräsident Mittwoch eine namhafte Verpflichtung melden: Alexander Hleb wird vom FC Arsenal zum spanischen Ex-Meister wechseln, wenn er den Medizincheck übersteht.

Was der Rechtsanwalt Laporta nur hoffen kann. Denn speziell die Transfers des einstigen Wunderteams der Primera Division in den vergangenen Wochen gelten als mangelhaft. Während der grandiose portugiesische Spielgestalter Deco künftig an der Seite von Michael Ballack beim FC Chelsea spielt, wechselt der zweimalige Weltfußballer Ronaldinho nach Italien. Der Brasilianer erhält einen Vertrag über drei Jahre beim AC Mailand. Beide Vereine, so hatte es der FC Barcelona in der Nacht zu Mittwoch gemeldet, hätten sich auf 25 Millionen Euro Ablöse geeinigt.

Damit verringert sich das Starpotenzial der Katalanen deutlich. Stattdessen setzt der neue Trainer Josep Guardiola bei den Verpflichtungen auf die fußballerische Klasse des Konkurrenten FC Sevilla. Von dort kommen für die neue Saison Seydou Keita (14 Mio. Euro), Martin Caceres (16,5 Mio. Euro) und Dani Alves (29,5 Mio. Euro), verstärkt von Gerard Pique (Manchester United, 5 Mio. Euro). Guardiola spielt entsprechend seiner eigenen Neueinstellung brav die Rolle des Günstlings: „Laporta ist mein Präsident, er kann von mir verlangen, was immer er will.“ Er glaube, „von unten“ dazu beitragen zu können, dass in der Klubführung Ruhe einkehrt und die Fans wieder mit dem Verein zufrieden sind.

Guardiola plant nicht mit Eto'o

Doch die Personalpolitik Laportas und zwei Jahre ohne Titel nach dem Sieg in der Champions League 2006 wollen den Vereinsmitgliedern nicht schmecken. Vor zehn Tagen überstand der Präsident nur knapp ein Misstrauensvotum, bei dem sich 60,6 Prozent für Neuwahlen aussprachen. Verfehlt wurde damit die nötige Zweidrittelmehrheit, nicht aber ein klares Signal. Dieses wurde noch verstärkt, als drei Tage später acht Führungsmitglieder zurücktraten. Von daher kommt die Verpflichtung des früheren Stuttgarters Hleb zum günstigsten Zeitpunkt.

Zumal dem Vereinspräsidenten schon Donnerstag wieder unangenehme Nachrichten drohen. Ist dem russischen Internetportal championat.ru Glauben zu schenken, wird am Vormittag, 10.30 Uhr, Samuel Eto’o in der usbekischen Hauptstadt Taschkent eintreffen und sein Engagement für den Klub Neftgazmontaj Kuruwtschi verkünden.

Der Verein ist Teilnehmer an der asiatischen Champions League und soll Barcelona für den kamerunischen Stürmer 40 Millionen Euro geboten haben. „Ich plane nicht mit Eto’o“, sagt denn auch Barcelonas Trainer Guardiola. „Dagegen erwarte ich viel von Thierry Henry – extrem viel.“ Dennoch wird sich Präsident Laporta in den kühnsten Träum wohl kaum ausgemalt haben, mal einen Weltstar nach Usbekistan abgeben zu müssen.

sid/tsch