Morgenpost Online: Herr Scolari, Ihren 60. Geburtstag werden Sie in London feiern und nicht mehr als Nationaltrainer Portugals. Warum?

Luiz Felipe Scolari: Ich habe mich für den FC Chelsea entschieden, weil ich nicht bis 70 arbeiten will.

Morgenpost Online: Sondern?

Luiz Felipe Scolari: Vielleicht noch vier, fünf Jahre.

Morgenpost Online: Also keinesfalls so lange wie mancher Ihrer Kollegen bei dieser Europameisterschaft?
Luiz Felipe Scolari: Nein. 70, hören Sie mal! Bis dahin will ich längst Zeit für meine Familie haben und wissen, dass es ihr gut geht.
WELT ONLINE: Und dafür war Chelsea, der Klub des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch, ideal?
Luiz Felipe Scolari: Manchmal geht ein Fenster auf, und dann muss man springen oder es lassen. Ich bin gesprungen.

Morgenpost Online: Demnach waren in erster Linie finanzielle Gesichtspunkte (Scolari soll bis 2011 in London sechs Millionen pro Jahr verdienen – d.R.) ausschlaggebend für Ihren Wechsel?

Luiz Felipe Scolari: Ja. Neben der Tatsache, dass die fünfeinhalb Jahre in Portugal für mich ein Rekord sind.

Morgenpost Online: Fällt der Umgang mit dem Typus des modernen Profis ab einem gewissen Lebensalter schwerer?

Luiz Felipe Scolari: Ich persönlich kann das nicht feststellen. Aber wie Sie sagen, gehöre ich noch zu den Jüngeren im Kollegenkreis (lacht). Ich denke, die Ergebnisse meiner Arbeit sprechen eine deutliche Sprache. Und das, obwohl es eine Schwäche sein mag, dass ich nicht jeden Aspekt des Fußballs bis ins letzte Detail ausleuchte.

Morgenpost Online: Sie meinen so, wie es die Generation Klinsmann betreibt. Zu ihr gehört auch der Brasilianer Zico, der 45 Jahre alt ist und nach seinem Rücktritt bei Fenerbahce Istanbul als Ihr Nachfolger gehandelt wird.

Luiz Felipe Scolari: Ich weiß nicht, für wen sich der portugiesische Verband entscheiden wird und ob die Suche bereits läuft. Wenn Zico ein Kandidat für meine Nachfolge ist – er ist ein großartiger Trainer.