Seit fünf Jahren jagt die Münchner Staatsanwaltschaft „Oliver Shanti“. Der Sektenführer und Komponist von Entspannungsmusik mit dem bürgerlichen Namen Ulrich Schulz wird wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 116 Fällen gesucht.

2002 tauchte der selbsternannte Guru unter, jetzt haben die Strafverfolgungsbehörden endlich eine heiße Spur. „Shanti“ Schulz soll sich in Galicien im Nordwesten Spaniens aufhalten. Sollte der Mann in Spanien gefasst werden, wolle man seine Auslieferung beantragen, kündigte der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Wochenende an.

Mit der Gründung des Musikverlags Sattva in München, mit dem Schulz sphärische New-Age-Klänge vermarktete, hatte in den 80er Jahren seine Karriere als Guru begonnen. Im oberbayerischen Fischbachau und im Norden Portugals sammelte Schulz Jünger aus dem bundesdeutschen Alternativen-Milieu um sich. Schulz soll sich über Jahre an den Kindern der Sektenmitglieder vergangen haben. Nach Zeugenaussagen besteht dringender Tatverdacht wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 116 Fällen, fünf davon in einem besonders schweren Fall. In den Akten der Staatsanwaltschaft finden sich im Zusammenhang mit der Sekte sogar über 1000 Fälle des sexuellen Missbrauchs.

Als 2002 die Ermittlungen gegen Schulz bekannt wurden, tauchte der zuletzt in München gemeldete Musikproduzent unter. Jetzt berichtet die spanische Zeitung „El Pais“, der Flüchtige sei in den galizischen Provinzen Pontevedra und Vigo gesehen worden. Augenzeugen wollen ihn an einem Strand bei dem Versuch beobachtet haben, neue Anhänger zu werben. Es gebe zudem Informationen, der 58-Jährige lebe auf einem Boot und pendle auf dem Fluss Miño zwischen Spanien und Portugal. Auch in Szene-Lokalen der Ferieninsel Ibiza soll Schulz in der jüngeren Vergangenheit gesehen worden sein.