Martin Hermannsson kam brandheiß aus der Kabine. Die Basketballer von Alba Berlin hatten einen komplizierten Sommer und eine noch viel kompliziertere Vorbereitung hinter sich, dazu ging der Saisonauftakt in Hamburg gründlich daneben (80:97). Für das erste Heimspiel des neuen Spieljahrs in der Bundesliga waren die Vorzeichen also denkbar schlecht, doch Hermannsson, dem neuen Kapitän der Berliner, war das völlig egal.
Der Isländer besorgte im Duell mit den EWE Baskets Oldenburg die ersten neun Alba-Punkte im Alleingang und ermöglichte so einen feurigen Frühstart der Hauptstädter (20:3, 7.), der vor 9085 Zuschauern in der Uber Arena zu einem überraschend deutlichen 105:70 (48:39) führte. „Ich bin stolz auf die Jungs und bin glücklich darüber, wie wir ins Spiel gestartet sind. Wir haben von Anfang an klar den Takt vorgegeben“, sagte Hermannsson.
Alba Berlin zum Saisonstart von Verletzungsproblemen geplagt
Nach den Abgängen von Johannes Thiemann und Sterling Brown fehlten der Berliner Mannschaft ja die beiden Schlüsselspieler der vergangenen Saison, zudem fielen wie schon in der Vorwoche in Hamburg gleich fünf Spieler verletzt aus: Ziga Samar (Reha nach Achillessehnenriss), Matt Thomas (Trainingsrückstand), Gabriele Procida (Knöchel), Timm Schneider (Augen-OP) und Malte Delow (Gehirnerschütterung).
Doch Hermannsson war eben „on fire“, legte ein Double-Double auf (20 Punkte, 11 Assists) und spielte über weite Strecken, als wolle er all die Ausfälle auf einmal vergessen machen. „Ich fühle mich deutlich besser als die letzten beiden Jahre“, sagte der Spielführer, der auch seine Teamkollegen besser machte: Im ersten Viertel bediente er Zugang Trevion Williams (von ratiopharm Ulm) mustergültig für dessen ersten Punkte auf heimischem Parkett.
Trevion Williams feiert gelungenen Heim-Einstand für Alba
Der Center (16 Punkte) machte einen guten Eindruck und scheint mit seinem beweglichen Auftreten und guter Passqualität schon früh seinen Platz im Berliner Offensivspiel gefunden zu haben. Aber auch rein körperlich ist Williams ein echtes Pfund (2,06 Meter/120 Kilogramm). Immer wieder hielt er den Ball in einer Hand am ausgestreckten Arm fest, während er mit dem anderen Arm seine Gegenspieler fernhielt. Diese Fähigkeit, gepaart mit seinen schnellen Beinen, lässt noch einiges vom US-Amerikaner erwarten.
So zeigten die Berliner, dass das Team auch ohne Thiemann und Brown gut in der Bundesliga funktionieren kann. Oldenburg war schließlich ein hoch eingeschätzter Gegner, doch abseits einer kleinen Schwächephase im zweiten Viertel kam Alba eigentlich nie wirklich in Bedrängnis.
Donnerstag EuroLeague-Auftakt für die Berliner
Nach diesem Sommer voller schlechter Nachrichten folgte jetzt also gerade rechtzeitig das erste Erfolgserlebnis. Ob sich das allerdings so schnell wiederholen lässt, ist eine andere Frage. Schon am Donnerstag wartet nämlich eine ungleich schwierigere Aufgabe auf die Berliner, Titelverteidiger Panathinaikos Athen kommt zum Euroleague-Auftakt in die Uber Arena (18.45 Uhr).
Doch Hermannsson schickte noch eine Kampfansage nach Europa: „Jeder redet schlecht über uns und zweifelt an uns. Aber wir werden nicht das Team sein, über das die Leute lachen werden!“



