Es ging hoch her auf den Basketballplätzen der Hauptstadt. Wenn sich Moritz und Franz Wagner, die Jungs aus Prenzlauer Berg, im Eins gegen Eins duellierten, flogen schon mal die Fetzen. „Weder Franz noch ich sind besonders gute Verlierer“, sagt Moritz Wagner, der ältere der beiden Brüder, und schmunzelt beim Gedanken an die gemeinsamen Anfänge: „Franz hat schon das eine oder andere Mal den Ball auf die Straße oder in den Busch geschossen.“ 

Das Interesse an der Basketball-Sozialisation der beiden Berliner, 24 und 20 Jahre alt, ist dieser Tage enorm  - auch in Florida. Denn die Wagners bilden das erste deutsche Brüderpaar, das ab der nun beginnenden Saison in der NBA gemeinsam auf Punktejagd geht. Am Donnerstagmorgen (2.30 Uhr) starten sie mit Orlando Magic bei den San Antonio Spurs.

Moritz Wagner: „Man muss schon großes Glück haben, damit es dazu kommt“

Die Chance, Seite an Seite in der besten Basketball-Liga der Welt zu spielen, ist außergewöhnlich. „Man muss schon großes Glück haben, damit es dazu kommt“, sagte Moritz Wagner bei einem der Pressetermine vor dem Saisonstart, den die Nummer 21 und die Nummer 22 gemeinsam absolvierten: „Man hat da kaum Einfluss drauf. Aber wir wollen nicht vergessen, dass das hier kein Märchen ist, sondern ein Job.“ 

Sein Bruder Franz sitzt daneben und nickt, aber es ist keinesfalls so, dass er als jüngerer der beiden Wagners in den Hintergrund rückt. Die Erwartungen an den vielseitigen Profi, der als kleiner Flügelspieler oder als Shooting Guard zum Einsatz kommen kann, sind groß. Schon als achter Athlet war er im Draft in diesem Sommer ausgewählt worden und damit einen Pick früher als Dirk Nowitzki 1998 und gleichauf mit Detlef Schrempf 1985.

Wagner-Brüder spielten auch bei Alba Berlin

„Ich muss mich noch an die größere Geschwindigkeit und Körperlichkeit gewöhnen“, sagte das große Talent, das wie sein Bruder über Alba Berlin und das College in Michigan den Sprung in die NBA schaffte, nach dem Ende der Vorbereitung: „In der Defense habe ich solide gespielt, ich hätte gerne noch etwas besser geworfen.“

Nicht nur Moritz Wagner ist davon überzeugt, dass sich sein Bruder an das Level gewöhnen wird - auch ohne ständige Ratschläge. „Er braucht den Ball nicht in den Händen zu halten, um supergut zu sein“, sagte der Big Man, der selbst bei seinem vierten NBA-Klub den endgültigen Durchbruch anpeilt: „Er hat ein super Raumgefühl auf dem Feld und bewegt sich super smart. Er macht wenig Fehler für sein junges Alter.“

Auch abseits des Courts harmonieren die Wagners und genießen das ungewohnte Gefühl, plötzlich wieder unter einem Dach zu wohnen. „Es ist eigentlich ganz lustig. Nach dem Training machen wir unseren Mittagsschlaf - in getrennten Zimmern“, berichtet Franz Wagner. Dann schauen beide mal eine Serie zusammen oder relaxen am Pool. „Es gibt diese Sache vom großen und kleinen Bruder nicht mehr. Wir sind beide erwachsen und haben ähnliche Interessen“, sagte Moritz Wagner im Podcast The Long Shot. Und sie spielen jetzt erstmals Seite an Seite in einem Team.

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Die Berliner Basketball-Brüder halten die Diskussion in den USA um Corona-Impfungen vor dem Saisonstart in der nordamerikanischen Profi-Liga NBA für kompliziert. "Ich finde, es ist generell schwierig, wie das Thema angegangen wird, weil es so politisch aufgezogen wird manchmal", sagte Franz Wagner am Montagabend in einer Online-Medienrunde. Sie kämen aus Deutschland und Europa, "wo wir anders aufgewachsen sind und anders solche Themen angehen als manche hier".

Man müsse jedem zuhören, betonte der NBA-Neuling. "Jeder hat eine andere Herkunft, andere Einstellung zu gewissen Sachen", meinte Franz Wagner weiter. "Für mich ist die Impfung eine gute Option, um mich und die Leute um mich herum zu schützen. Teamintern jemanden meine Meinung aufzudrücken? Nichts liegt mir ferner."

Der vier Jahre ältere Moritz sieht es ähnlich. "Ich tue mich schwer damit, jemand anderen etwas vorzuschreiben", sagte er. Die Diskussion sollte "nicht auf einer politischen Ebene" geführt werden. Ebenso wie sein Bruder ist auch Moritz Wagner gegen Corona geimpft.

Im Vorfeld der am Mittwoch (MESZ) startenden NBA-Saison sorgte vor allem der Fall von Kyrie Irving von den Brooklyn Nets für Aufsehen. Der 29 Jahre alte Aufbauspieler verzichtet bislang auf eine Impfung gegen das Coronavirus und wird deshalb von den Nets zunächst nicht mehr berücksichtigt. Moritz und Franz Wagner bestreiten ihr erstes Spiel mit den Orlando Magic am Donnerstag (2.30 Uhr MESZ) bei den San Antonio Spurs.

sid/dpa