Es waren nur noch Sekunden auf der Uhr, aber Alba Berlin schob sich Zähler zum Zähler heran. Sterling Brown hatte plötzlich sogar den Wurf auf der Hand, der den Sieg hätte bringen können. Doch der Ball sprang von der Kante des Korbs wieder ins Feld. Die große Chance, das Finale der Basketball-Bundesliga (BBL) in ein fünftes und letztes Spiel zu führen, war dahin. Stattdessen mussten die Berliner den Spielern von Bayern München in der Uber Arena kurz darauf zum Gewinn der Meisterschaft gratulieren.

Als die Konfettikanonen losgingen, war der Blick der Berliner leer. Keiner schaffte es kurz zuvor bei der Übergabe der Medaillen für den zweiten Platz, ein Lächeln aufzusetzen. Dabei hatte das Team begeistert im Play-off, weit mehr erreicht, als realistisch erschien unter den gegebenen Umständen. Doch das 82:88 (46:44) in Spiel vier besiegelte das 1:3 in der „Best of five“-Serie und beendete eine Saison, die für Alba letztlich ein Fortschritt war. Obwohl es sich in diesem Moment wohl nicht so anfühlte.

Der Kapitän ist stolz auf das Alba-Team

Mit Tränen in den Augen stand Malte Delow vor der Kabine. „Meist sind kleine Sachen der Unterschied, ob man hinterher dort steht und feiert oder ratlos ist“, sagte Albas Aushilfsspielmacher. Kapitän Johannes Thiemann war stolz auf sein Team: „Wir hätten es beinahe geschafft.“ Einmal mehr demonstrierte Alba unfassbaren Kampfgeist. „Ich weiß nicht, wo sie die Kraft dafür hergenommen haben“, so Trainer Israel Gonzalez.

Die Bilanz im Play-off gegen die Bayern vermittelte vor diesem Finale nicht unbedingt Hoffnung. Nur zwei Mal bei acht Serien gelang es Alba, sich gegen die Süddeutschen durchzusetzen. Im Verbund mit der aktuellen Ausgangslage sanken die Chancen noch einmal deutlich: viele Verletzte, keine Point Guards, eine harte Halbfinal-Serie in den Knochen. Kaum jemand hätte vermutet, dass die Berliner überhaupt einen Sieg gegen die Bayern landen könnten.

Alba verliert vierte Serie daheim gegen Bayern

Doch die Moral des Teams, die Zähigkeit und die taktische Finesse von Trainer Gonzalez ermöglichten es dem Außenseiter, in diesem Duell ein mehr als ebenbürtiger Gegner zu sein. Immer wieder stellte die Mannschaft die Münchner vor große Probleme, ließ die Stars der Bayern nicht recht zur Entfaltung kommen. Genau das hatte sich das Team auch für dieses vierte Spiel vorgenommen. Denn zum vierten Mal nach 2014, 2015 und 2017 sollten die Bayern die Saison der Berliner nicht ihrer eigenen Arena beenden.

Die Bayern-Profis Nick Weiler-Babb (r.) und Leandro Bolmaro mit dem Meisterpokal der BBL.
Die Bayern-Profis Nick Weiler-Babb (r.) und Leandro Bolmaro mit dem Meisterpokal der BBL.© DPA Images | Andreas Gora

Die Partie ähnelte schließlich den anderen zuvor, beide Mannschaften brillierten mit ihrer Abwehr, lagen in vielen Kategorien eng beieinander. In Spiel drei allerdings haderte Alba nach dem knappen 63:67 mit seinen Rebounds, konnte keine Punkte nach zweiten Chancen verbuchen, setzte zu viele Dreier daneben, weil zu viele Würfe aus der Bedrängnis abgefeuert werden mussten. Genug Dinge also, die sich korrigieren ließen, wenn noch genügend Energie ausfindig gemacht werden konnte. Dafür überwand der Kapitän seine Knieschmerzen, die ihn im Finale stark einschränkten, lief diesmal sogar von Beginn an auf. Gerade unter dem Korb war seine Präsenz für Alba wichtig.

Die Startphase verlief für beide Kontrahenten schwierig. Die Berliner brauchten eine Weile für ihre ersten Punkte aus dem Feld, auch die Bayern ließen viel liegen. Doch mit etwas mehr Tempo gelangten die Hauptstädter schließlich immer besser in die Zone. Sie kontrollierten den Ball gut, waren sehr aufmerksam und zwangen die Bayern zu einigen Ballverlusten. Im zweiten Viertel setzte sich Alba sogar mit zehn Punkten ab (34:24/14.). Doch die Qualität des Gegners zeigte sich umgehend, denn die Bayern glichen bald aus und drehten die Partie wieder.

Alba Berlin wieder mit großer Aufholjagd

Alles lief also erneut darauf hinaus, wer letztlich die besseren Nerven haben würde, bei wem sich in der entscheidenden Phase weniger Fehler einschleichen würden. Dass die Dreier bei den Berlinern erneut nicht sonderlich gut fielen, war dabei ein zusätzliches Handicap vor den 9668 Zuschauern. Die sahen Alba kurz vor Ende des dritten Viertels unter großem Druck, weil die Bayern aus der Distanz immer sicherer wurden und beim Team von Gonzalez auch unter dem Korb zu wenig glückte (52:65/29.).

Es wirkte, als würde Alba nach all den aufreibenden Partien im Play-off jetzt Kraft und Konzentration fehlen, noch einmal dagegenzuhalten. Doch der Eindruck täuschte, Alba drehte wieder auf. „Sie sind ein Team mit so viel Herz“, würdigte Bayern-Trainer Pablo Laso die Berliner, die nicht aufgaben, aber letztlich zuschauen mussten, wie die Bayern die Trophäe entgegennahmen.