Basketball

Svetislav Pesic wird 70 und ist immer noch erfolgreich

Pesic ist ein Basketballtrainer, der polarisiert. Seine Erfolge sind so groß, dass seine Qualitäten außer Frage stehen. Auch mit 70.

Mann der Gesten und Grimassen: Svetislav Pesic ist schon viel ruhiger geworden, doch noch immer versucht er von der Außenlinie Einfluss auf die Schiedsrichter zu nehmen.

Mann der Gesten und Grimassen: Svetislav Pesic ist schon viel ruhiger geworden, doch noch immer versucht er von der Außenlinie Einfluss auf die Schiedsrichter zu nehmen.

Foto: Coolmedia / picture alliance / NurPhoto

Köln. Svetislav Pesic wird hinschauen. Ganz genau, so wie immer. Und er wird sich kritisch zu Wort melden, wenn ihm etwas nicht gefällt, so wie immer. Pesic kann nicht anders. Natürlich interessiert den Erfolgscoach die Weltmeisterschaft in China, besonders die deutsche Mannschaft. Basketball ist sein Leben, auch das hat sich nicht geändert. Dass auch noch einer seiner 93er-Europameister die Zügel in der Hand hat, gibt dem Turnier einen besonderen Reiz.

Seit fast 40 Jahren Trainer

Bevor Pesic seinem früheren Schützling Henrik Rödl und dem Nationalteam auf die Finger schaut, steht er selbst im Mittelpunkt. Er wird an diesem Mittwoch 70. Ein stattliches Alter, zumindest für jemanden, dessen Platz an der Seitenlinie ist. Pesic hat von seinem Sport noch immer nicht genug - nach 15 Jahren als Spieler und fast 40 Jahren als Trainer.

Vor gut eineinhalb Jahren startete der gebürtige Jugoslawe noch einmal ein neues Abenteuer. Pesic kehrte zum ruhmreichen FC Barcelona zurück, zu dem Klub, den er 2003 zum Triple geführt hatte. „Der Präsident hat angerufen, und wenn der Präsident anruft und dich fragt, kannst du nicht nein sagen“, erzählte der Serbe im „Münchner Merkur“.

Euroleague-Champion mit dem FC Barcelona

Selbstverständlich ist Pesic wieder mit den Katalanen erfolgreich. Pesic ist überall erfolgreich. Kurz nach seinem Amtsantritt holte Barcelona den Königspokal, in diesem Jahr erneut. Nur mit der Meisterschaft wollte es nicht klappen, Erzrivale Real Madrid hatte jedesmal etwas dagegen. Ein großes Ziel bleibt ihm noch.

Wenn es wieder misslingt, dann misslingt es. Pesic ist nicht in Spanien, um etwas zu beweisen. Das muss er nicht, zu groß ist seine Titelsammlung. Als Profi und Trainer räumte er mit Bosna Sarajevo ab, später dominierte er als Coach mit Alba Berlin die Bundesliga, 2014 holte er mit Bayern München den ersten Meistertitel nach dem Aufstieg des Klubs, bei dem Sohn Marko Geschäftsführer ist. Dazu kommen reihenweise Pokalsiege, etwa im Korac Cup mit Alba (1995), bis heute der einzige internationale Triumph der Berliner, oder in der Euroleague mit Barcelona.

100.000 Jugoslawen begrüßten den Weltmeister

Überstrahlt wird das alles von seinen Leistungen als Nationaltrainer. 2002 wurde Pesic Weltmeister mit Jugoslawien, 100.000 Menschen empfingen ihn und die Mannschaft damals bei der Rückkehr in Belgrad. Und dem Deutschen Basketball Bund (DBB) schenkte er den bislang größten Moment der Geschichte. 1993 wurde das Nationalteam unter Pesic in München völlig überraschend Europameister, es ist nach wie vor der einzige Titel.

Am Wochenende legen seine Erben in Shenzhen los. Rödl, beim EM-Coup 24, hat jetzt das Sagen. Pesic ist guter Dinge. „Es ist eine Generation, die gut zusammenpasst. Ich glaube, dass Deutschland zu den Medaillenfavoriten zählt“, sagte der Trainerfuchs, auch wenn sein Team damals „mehr Kontinuität“ gehabt habe.

Er will seinen Job mit Erfolg beenden

Er selbst muss sich schon mit der neuen Saison in Spanien befassen. Sein Vertrag läuft bis 2021, wie lange er im Palau Blaugrana weitermacht, ist offen. „Bis jetzt sind es zwei Jahre – mehr weiß ich noch nicht. Der Präsident will sein Mandat mit Erfolg beenden – das will ich auch.“