Alba Berlin

Franz Wagner im Zwiespalt der Gefühle

Franz Wagner will bald verkünden, ob er bei Alba Berlin bleibt oder ans College wechselt. Warum vieles für die Berliner spricht.

Talent gegen alter Hase: Franz Wagner (l.) hat vor nichts Angst, auch nicht vor einem Zweikampf mit dem Routinier Stefan Jovic aus München.

Talent gegen alter Hase: Franz Wagner (l.) hat vor nichts Angst, auch nicht vor einem Zweikampf mit dem Routinier Stefan Jovic aus München.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Immer diese nervige Frage: „Wie groß sind Sie jetzt eigentlich?“ Franz Wagner lächelt leicht gequält. „Ich glaube, so zwei Meter vier.“ Na bitte, wieder ein Zentimeter mehr seit Ende März. Vom Saisonbeginn in der Basketball-Bundesliga im vergangenen September ganz zu schweigen, da war er noch mit 2,01 Meter gelistet. Das Wachstum des 17-Jährigen ist also auch in kleinen Maßeinheiten zu belegen. Aber bei Weitem nicht nur. Alle, die sich für den deutschen Basketball interessieren, fragen sich inzwischen, welche Höhen dieser Franz Wagner einmal erreichen wird.

Welcher Weg führt in die NBA?

Vor allem: wo? Bleibt er bei Alba Berlin, dem Verein, in dem er groß geworden ist? Oder wechselt er im Sommer aufs College? Einigkeit besteht bei den meisten, dass sein Weg sehr wahrscheinlich in die NBA führt, die beste Liga der Welt. Uneinigkeit jedoch, wie er am besten dahin kommt. Er selbst, sagt er, weiß es auch noch nicht, will es aber schon sehr bald verkünden, „vielleicht auch während der Serie noch. Die geht ja hoffentlich noch bis Freitag“.

Gemeint ist die Finalserie um die deutsche Meisterschaft gegen Bayern München. 2:0 führt der Titelverteidiger von der Isar und kann an diesem Sonntag (18 Uhr, Sport1 und Magentasport) in eigener Halle die Saison mit einem weiteren Sieg beenden. Wagner ist also ein sehr zuversichtlicher junger Mensch, einer, der nicht lange zurückschaut. Dabei lohnt sich der Rückblick auf das zweite Endspiel durchaus. Nicht zuletzt seinetwegen.

Sein bestes Spiel ausgerechnet im Finale

Da zeigte Franz Wagner mehr denn je, was in ihm steckt. Trainer Aito Reneses gab ihm einen Platz in der Startformation. Der junge Mann nutzte seine Chance vor gut 14.000 Fans in der Mercedes-Benz Arena, als wäre so ein Finale in solch einer Atmosphäre das Normalste auf der Welt. „Ja, das Spiel war mein bestes in der Saison, würde ich sagen“, analysiert er sachlich. Sechs Würfe, teilweise aus sehr schwierigen Situationen, sechs Treffer, 14 Punkte, kein Ballverlust.

Sein letztes Highlight lieferte er 13 Sekunden vor Schluss zum 77:78 ab, der Münchner NBA-Star Derrick Williams reckte sich ihm vergeblich entgegen. Wagner verwandelte den Dreier trotzdem eiskalt. „Ich hatte gar nicht so ein gutes Gefühl beim Wurf, aber wir brauchten ja die Punkte, da hab ich es halt probiert“, sagt er dazu. Dass die Berliner schließlich 77:82 verloren, lag jedenfalls nicht an ihm.

Das große Talent Wagner arbeitet auch sehr hart

Dazu verteidigte der Youngster hervorragend gegen die Euroleague-Routiniers Nihad Djedovic, Petteri Koponen, sogar Williams. „Das ist eine Riesenaufgabe, aber sie macht extrem Spaß“, sagt er. Jeder Fehler werde sofort bestraft, aber „so soll es sein. So wird man besser.“ Das will er, dafür arbeitet er seit seinem Abitur vor einem Jahr hart. Vor dem Training, im Training, auch nach dem Training. „Franz ist nicht nur ein großes, großes Talent. Er ist sehr fleißig. Man sieht, wie viel ihm das bringt“, lobt sein Mitspieler Rokas Giedraitis, „er geht immer vorwärts, hat keine Zweifel. Und er ist erst 17.“

Alba versucht alles, Wagner vom Bleiben zu überzeugen. Coach Reneses hat ihm viel Einsatzzeit und Vertrauen gegeben, auch im Eurocup, wo er im Halbfinale in Andorra in der Anfangsformation stand. Insgesamt hat Wagner in dieser Saison schon fast 60 Spiele bestritten, war elf Mal Starter. Weil die Berliner ihn immer als wichtigen Bestandteil der Mannschaft gesehen haben, als ein Juwel, dem man Gelegenheit zum Lernen und zum Glänzen geben muss. „Er hat hier Dinge, die er anderswo nicht hat“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, „und er hat schon eine Rolle.“

Ojeda: „Franz gehört auf dieses Level“

„Wir sind sehr glücklich über seine Entwicklung“, sagt Sportdirektor Himar Ojeda. „Er gehört auf dieses Level und sollte nicht gegen Junioren in den USA spielen. Er sollte sich auch nicht in eine unsichere Situation begeben. Hier weiß er, was er hat und erlebt, wozu er in der Lage ist.“ Und ein Gefühl, was noch daraus werden kann. Ein wichtiges Argument ist Reneses, der schon etliche Spieler in die NBA geführt hat, den Spanier Pau Gasol, den Letten Kristaps Porzingis und einige mehr. Ohne College. Ojeda verweist darauf, dass nur wenige Europäer über die Universitätsteams den Sprung in die NBA geschafft haben.

Allerdings war einer der wenigen Moritz Wagner, der vier Jahre ältere Bruder von Franz. Gemeinsam mit ihren Eltern haben sie Mitte Mai dem College in Ann Arbor nahe Detroit einen mehrtägigen Besuch abgestattet, wo Moritz zum Star der Michigan Wolverines wurde. Er bekam anschließend einen Millionenvertrag bei den Los Angeles Lakers. Nur ist inzwischen sein großer Förderer John Beilein nicht mehr Coach der Wolverines, er wechselte zu den Cleveland Cavaliers in die NBA. Ein Argument pro Berlin.

Alba hat ihm ein Angebot gemacht

Alba hat ihm ein Vertragsangebot gemacht, doch will er jetzt wirklich schon Profi werden und dann vielleicht 20 Jahre ausschließlich Basketball spielen? Oder gönnt er sich die Zeit in den USA, lernt den Campus, eine andere Kultur kennen? Der 17 Jahre junge Franz Wagner steckt genau in diesem Zwiespalt. Als wolle er dies betonen, gibt er noch eine zweite Antwort auf die Frage nach seiner Größe. „Six-nine“, sagt er. Sechs Fuß, neun Inches, das sind auch 2,04 Meter. So sprechen die Amerikaner.