Basketball

Festspiele für Franz Wagner

Zurzeit fühlt sich Wagner in seiner Rolle bei Alba und Lok Bernau sehr wohl. Vor dem 17-Jährigen liegt aber eine schwere Entscheidung.

An die Höhenflüge von Franz Wagner (l.) wird man sich gewöhnen müssen. Das Alba-Talent spielt in seiner ersten Bundesligasaison eine erstaunliche Rolle.

An die Höhenflüge von Franz Wagner (l.) wird man sich gewöhnen müssen. Das Alba-Talent spielt in seiner ersten Bundesligasaison eine erstaunliche Rolle.

Foto: Bild-Pressehaus, picture alliance / picture alliance / bild pressehaus

Berlin. Die Kollegen von Alba Berlin verabschiedeten sich am vergangenen Sonnabend nach dem Sieg in Andorra am Flughafen Tegel in ein entspanntes Wochenende und genossen, jeder auf seine Weise, den Einzug ins Finale des Eurocups. Nur einer hatte noch nicht genug vom Basketball. Franz Wagner eilte nach Hause. Eine Kleinigkeit gegessen, ein kurzes Nickerchen gemacht, dann war die Sporttasche wieder gepackt. Eben noch in internationalen Höhen unterwegs, ging es nun nach Bernau, wo Wagner in der dritten deutschen Liga, der Pro B, ein Aufstiegsspiel gegen die Frankfurt Skyliners bestritt. Er war müde, geschafft von der strapaziösen Reise. Aber: „Ich wollte unbedingt spielen.“

Große Verantwortung bei Lok Bernau

Der junge Mann wandert momentan zwischen sehr verschiedenen Basketball-Welten hin und her. In Andorra stand er zehn Minuten auf dem Feld, in Bernau tags darauf fast 25, kam auf zehn Punkte und sieben Rebounds. Die Situation ist wie für ihn geschaffen. Bei Albas Kooperationspartner Lok Bernau kann er lange spielen, trägt viel Verantwortung.

Wagner trainiert allerdings fast immer bei den Alba-Profis mit und ist auch dort voll anerkanntes Mitglied des Teams. Er kam 38 Mal in dieser Saison zum Einsatz, durchschnittlich zehn Minuten. Zehn Mal sogar in der Startformation. Er hat keine überragende Rolle, trotzdem punktet er manchmal wie ein Großer. Etwa im Pokal-Halbfinale gegen Frankfurts erste Mannschaft, als er auf zwölf Zähler kam. Das klingt wie nichts Herausragendes. Aber Franz Wagner ist erst 17.

Schnelle Fortschritte mit dem Individualtrainer

„Der Übergang von der Jugend“, sagt er, „ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen. Es ist etwas extrem Besonderes, dass alles so schnell auf einmal ging.“ Nicht von allein. Wagner hat gerade eine Stunde Individualtraining mit Carlos Frade hinter sich, er macht das immer vor dem regulären Training. Er will in der Athletik zulegen, er muss auch sonst noch viel lernen. Darin ist er sehr fix. Manchmal, schwärmt Geschäftsführer Marco Baldi, wenn er im Spiel eine neue Bewegung zum Korb bei Wagner gesehen hat, fragt er Frade: „Wo hat er denn das wieder her?“ Und der Spanier antwortet grinsend: „Haben wir diese Woche geübt.“

Wagner genießt seine Situation. „Sie ist perfekt für junge Spieler, die an der Schwelle zum Profi-Basketball stehen“, meint er. Das trifft genauso auf Jonas Mattisseck (19) und Bennet Hundt (20) zu, ebenfalls Doppel-Lizenzler. „In Bernau sind wir die, die 30 Minuten spielen. Da müssen wir liefern.“ So wie er jüngst im dritten Viertelfinale gegen die Orange Academy Ulm, als er die Schwaben mit 37 Punkten fast allein aus der Halle schoss. Die Hoffnungen, dass Bernau in die Pro A aufsteigt, ruhen nicht zuletzt auf den Schultern der drei Youngster.

Das Thema College schiebt er noch vor sich her

Heute Bernau, morgen Alba, das Leben ist schön. Nur bei der Frage nach dem Übermorgen wird Franz Wagner ein wenig unruhig. Sie liegt auf der Hand, doch sie nervt. Geht er also den gleichen Weg wie sein vier Jahre älterer Bruder Moritz Wagner, der Alba mit 18 verließ, aufs College wechselte und mittlerweile bei den Los Angeles Lakers seinen Traum von der NBA lebt?

„Ich habe gesehen, wenn ich weiter arbeite wie jetzt, kann ich hier ganz gut mitspielen“, sagt Franz Wagner ausweichend, „ich versuche noch, mich in der ersten Liga zu etablieren.“ Die individuelle Ausbildung, das weiß er, könnte kaum besser sein. „Alba ist in Europa eine der besten Situationen, die man als 17- oder 18-Jähriger haben kann. Hier ist der perfekte Coach (Aito Reneses Garcia, d.Red.), ich bin zu Hause und kenne alle Leute.“ Doch er macht sich auch über etwas anderes Gedanken: „Wenn ich im Sommer einen Vertrag unterschreibe, mache ich das wahrscheinlich die nächsten 20 Jahre, Basketball spielen.“

Alba will sein Talent unbedingt halten

Am College dagegen, das wäre eine weitere Basketball-Welt. Aber nicht nur das: „Man lernt eine neue Kultur kennen, andere Leute, etwas komplett anderes.“ Warum soll sich nicht eines der größten deutschen Basketball-Talente die gleichen Gedanken machen wie andere junge Leute? Die Vorstellung, nicht nur wegen seiner 2,03 Meter Größe auf dem Campus von allen erkannt und von manchen sogar verehrt zu werden, dürfte auch nicht die übelste Vorstellung sein.

Es gebe noch keinen Trend, beharrt Wagner, doch „es ist nicht einfach auf jeden Fall“. Und tröstet sich mit dem Gedanken: „Ich glaube, dass ich keine schlechte Entscheidung treffen kann.“ Natürlich kämpfen sie bei Alba darum, dass er in Berlin bleibt. „Unter Basketball-Aspekten“, sagt Manager Baldi, „ist College der falsche Weg.“ In der NBA, so hat Sportdirektor Himar Ojeda herausgefunden, gebe es nur zwei Europäer, die über das College den Sprung in die beste Liga der Welt geschafft haben.

Sonnabend Frankfurt, Sonntag Bamberg?

Noch hat Franz Wagner Zeit mit seiner Entscheidung. Zum Glück gibt es zunächst einiges zu gewinnen mit dem Verein, dem er seit zehn Jahren angehört. Und bei Lok Bernau. Gut möglich, dass ihm wieder ein herrlich stressiges Wochenende bevorsteht. Der Drittligist tritt am Sonnabend in Frankfurt an, Alba will sich am Sonntag (18 Uhr, Magentasport) bei Brose Bamberg für die Niederlage im Pokalfinale revanchieren. Macht er das volle Programm mit? „Der Coach hat noch nichts gesagt“, antwortet Wagner, doch wenn’s nach ihm geht: „Von Frankfurt nach Bamberg – das könnte passen.“