Alba Berlin

Ein Leben für den Korb: Albas große Vorarbeiterin tritt ab

Mehr als 40 Jahre lang brachte Marina Zöllner Kindern in Lichterfelde das Basketballspielen bei. Viele wurden Profis, manche Nationalspieler.

Ihr Engagement verschaffte Alba so manchen Nationalspieler: Marina Zöllner.

Ihr Engagement verschaffte Alba so manchen Nationalspieler: Marina Zöllner.

Foto: rtn, patrick becher / picture alliance

Berlin.  Es soll Leute geben, die das Basketball-Geschehen in der Stadt interessiert verfolgen, Marina Zöllner zwar nicht kennen, aber mühelos Berliner Nationalspieler aufzählen können. Wie Ademola Okulaja, Mithat Demirel, Sven Schultze, Nino Garris, Teoman Öztürk, Marko Pesic, Jörg Lütcke, Heiko Schaffartzik, Stipo Papic oder Joshiko Saibou. Nicht alle der Genannten haben beim TuS Lichterfelde den ersten Korb ihres Lebens getroffen, aber für sie und viele andere war der „TusLi“ das wichtigste Sprungbrett zur Profi-Karriere. Denn der Klub war und ist für ambitionierte und talentierte Jugendliche eine der ersten Berliner Adressen. Und das ist zu einem großen Teil der Verdienst von Frau Zöllner.

Ihr Ehemann Holger errechnete, dass sie „seit 42 Jahren die männlichen Minis des Klubs betreut“. Wobei „betreute“ korrekter wäre, denn an diesem Sonntag nimmt die Basketball-Trainerin beim Sommerfest des Vereins in der Lichterfelder Goethe-Oberschule (ab 14 Uhr) Abschied vom Gewusel der Sechs- bis Achtjährigen. Wenn es Albas Trainingsplan erlaubt, wird sich Saibou, der im vergangenen Jahr sein erstes A-Länderspiel bestritt, persönlich von der Frau zu verabschieden, „die in mir nicht nur das Feuer entfacht hat, sondern mir auch den Spaß mit auf den Weg gegeben hat, mit dem ich heute spiele“, sagt er.

Saibou gehört wie Bennet Hundt zur letzten Generation der Zöllner- Zwerge, die später das Alba-Trikot tragen. Einer, der diesen Weg vor rund 30 Jahren beschritt, ist Jörg Lütcke. Er wurde erst mit TusLi als Jugendlicher vier Mal, dann mit Alba sieben Mal deutscher Meister.

Enkel Carl versüßt den Abschied aus der Halle

Heute ist Lütcke 42 Jahre jung, Arzt und Vater von vier Kindern. „Die Erinnerungen an meine Zeit als Mini sind natürlich verblasst“, erzählt der 91-fache Nationalspieler. „Aber meine drei Söhne wurden jetzt von Marina Zöllner trainiert. Ich habe oft zugesehen und war beeindruckt, wie spielerisch sie den Kids die Grundlagen vermittelt.“ Für die Knirpse sei es anfangs ja nicht gerade sehr einfach, den Ball im Korb unterzubringen.

„Bei Marina bleibt aber immer der Spaß im Vordergrund. Sie versteht es, gleichzeitig zu fördern und zu fordern.“ Glücklicherweise gibt es keine schlechten Nachrichten, die Zöllner zum Aufhören zwingen würden. Vielmehr sei seine Frau „ein Mensch mit einer festen Einstellung“, erzählt Ehemann Holger. Der nächste Geburtstag sei der 60., und dass sie „dann nicht mehr in Sportzeug in der Halle stehen wird, steht schon länger fest“. Dass jetzt mit Enkel Carl der eigene Nachwuchs im Mittelpunkt stehen wird, käme „lediglich versüßend hinzu“. Lütcke hingegen, der seit diesem Sommer als Sportvorstand seinem Klub etwas zurückgeben will, wird versuchen, das Unmögliche möglich zu machen, nämlich die Lücke zu schließen, die seine ehemalige Trainerin hinterlässt. Dazu kann man nur viel Glück wünschen, Marina Zöllner für ihr Leben ohne Minis sowieso.

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