Basketball

Alba hat jetzt einen Mini-Nowitzki

Alba-Talent Hendrik Drescher hat eine bemerkenswerte Rekordmarke gesetzt – und steht symbolisch für den neuen Berliner Jugendstil.

Trägt wie sein Vorbild Dirk Nowitzki die 41: Hendrik Drescher

Trägt wie sein Vorbild Dirk Nowitzki die 41: Hendrik Drescher

Foto: Mathias Renner / City-Press GbR

Berlin.  Selbst Marco Baldi war überrascht. „Ich habe im ersten Moment gar nicht erkannt, dass er es war“, gab Albas Geschäftsführer zu, als er auf den Coup des Hendrik Drescher angesprochen wurde. Stolz war er natürlich trotzdem auf den erst 17 Jahre alten Nachwuchsmann, der seit Freitagabend Albas jüngster Bundesligaspieler aller Zeiten ist.

Im Schlussviertel gegen Tübingen ergriff der Power Forward nach seiner Einwechslung couragiert seine Chance, nahm ganz im Stile seines Vorbilds Dirk Nowitzki den erstbesten Dreier und versenkte den Ball im Korb. Was für ein Einstand! Eben noch Nobody, jetzt in den Geschichtsbüchern des Basketballs.

Wer dieser Typ ist, der mit seinen 2,04 Metern und dichtem Bart deutlich älter aussieht, als er ist? Selbst im Alba-Kosmos noch ein junges Gesicht, denn in der Jugend spielte Drescher beim TuS Lichterfelde. Dort ragte er allein schon wegen seiner Größe heraus, aber auch wegen seines Talents und seines Arbeitsethos.

Eigengewächs Schneider spielt 20 Minuten im Schnitt

Schon bald klopften Scouts aus Bremerhaven und Frankfurt bei ihm an, doch Drescher blieb in Berlin, wechselte im Sommer 2016 zu Alba – „vielleicht einen Tick zu spät“, wie Baldi meint. Von verschleppter Förderung kann seit dem 99:63 gegen Tübingen jedoch keine Rede mehr sein. Seit Freitagabend hat Dreschers Karriere endgültig Fahrt aufgenommen.

Verantwortlich dafür ist Albas neuer Trainer Aito Reneses (70), der als einer der erfolgreichsten Talentförderer seines Sports gilt. Ein Ruf, dem er auch in Berlin treu bleibt, siehe Drescher. „Hendrik ist ein Symbol“, sagt Baldi, der hofft, dass „in diesem Jahr sichtbar wird, wofür wir in der Vergangenheit die Weichen gestellt haben“. Seit vielen Jahren schon sät Alba mit einer umfangreichen Nachwuchsarbeit Hoffnung auf Berliner Basketballer mit Bundesligaformat. Nun soll endlich geerntet werden.

Dass Coach Reneses dabei eine zentrale Rolle spielt, zeigt ein weiteres Beispiel. Tim Schneider (20), schon seit 2011 bei Alba, hat vom Spanier eine feste Rolle bei den Profis bekommen. Der 2,08 Meter große Power Forward steht bislang gut 20 Minuten pro Partie auf dem Feld – unter früheren Alba-Trainern undenkbar. „Er macht einen richtig guten Job“, lobt Kapitän Niels Giffey, „und der Coach lässt ihn auch.“ Heute (15 Uhr) beim Mitteldeutschen BC soll Schneider erneut viel spielen.

Trainer Reneses hat schon die nächsten Talente im Visier

Reneses gibt der Jugend eine Chance, und sowohl Schneider als auch Drescher merkt man den Rückhalt an, den sie bekommen. Von Angst vor Fehlern ist jedenfalls nichts zu spüren, beide trauen sich viel zu, genauso wie ihr Trainer.

„Das Alter von Spielern schreckt ihn überhaupt nicht“, sagt Baldi und verweist auf das Beispiel Ricky Rubio. Der heutige NBA-Star erhielt seine ersten Profiminuten in der spanischen ACB unter Reneses in Badalona – mit 14 Jahren und elf Monaten.

Dass auch Alba nun ein derartiges Wunderkind hervorbringt, darf man deshalb natürlich nicht erwarten. Aber seine Fühler hat Reneses längst ausgestreckt. Den jüngeren Bruder von College-Spieler Moritz Wagner, Franz, hat er bereits im Auge, heißt es. Der Shooting Guard ist gerade 16 geworden.

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