Basketball

Eine Lokomotive für Albas Nachwuchs

Die Kooperation des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin mit dem Drittligisten Lok Bernau eröffnet beiden Klubs neue Perspektiven.

Ferdinand Zylka (r.) ist erst 18 Jahre alt, kann sich in der dritten Liga schon ganz gut durchsetzen

Ferdinand Zylka (r.) ist erst 18 Jahre alt, kann sich in der dritten Liga schon ganz gut durchsetzen

Foto: Ricardo Steinicke

Bernau.  Es ist ein schöner Abend für Ferdinand Zylka. 21 Punkte, fast jeder Wurf ein Treffer, dazu je vier Rebounds und Vorlagen, zwei Ballgewinne. Heute ist er der beste Mann auf dem Feld. So stellt sich der 18-Jährige seine Karriere als Basketballprofi vor. Ungefähr so.

Mit Doppellizenz Praxis sammeln

Auf der Tribüne der ausverkauften Erich-Wünsch-Halle applaudieren gut 5oo Fans. Am Spielfeldrand stehen Werbebanden vom Restaurant Waldkater, Malermeister Manke, Bestatter Düring. Unternehmen aus Bernau, wo diese Partie der Pro B stattfindet, der dritthöchsten deutschen Liga. Lok Bernau besiegt den MTV Wolfenbüttel 94:77, zieht als Tabellenerster ins Play-off ein, an dessen Ende der Aufstieg in die Pro A stehen soll, in die zweithöchste Liga. "Das wäre super", sagt Zylka, "es wäre noch mal ein großer Schritt. Dann könnten wir uns wieder weiterentwickeln."

Wir, das sind vor allem er, Tim Schneider (19), Jannes Hundt (20) und Robert Glöckner (20), die bei Alba Berlin unter Vertrag stehen, aber mit einer Doppellizenz beim Kooperationspartner Praxis sammeln. In der Bundesliga bekommen sie die kaum. Talente treffen auf physisch stärkere, abgebrühte Gegner. Machen Fehler, verlieren, lernen, werden besser, gewinnen. Sind bereit für die Bundesliga. So ist der Plan.

Ohne Einsatz-Garantien für die Jung-Stars

Als Himar Ojeda Anfang 2016 Alba-Sportdirektor wurde, war er es, der dieses Projekt forcierte. Es funktioniert besser, als beide Seiten es sich vorgestellt hatten. Cheftrainer ist der Bernauer René Schilling, als Assistent steht ihm Sebastian Trzcionka von Alba Berlin zur Seite. Aber es gibt keine Bevormundung vom großen Partner, keine Einsatzgarantien für Jung-Stars. "Wir waren skeptisch, aber es läuft hervorragend", sagt Lok-Präsident Jörg Düring, der erwähnte Bestattungsunternehmer. Auch Ojeda schwärmt: "Großartig."

So großartig, dass der Aufsteiger aus der vierten Liga gleich zum Durchmarsch in die zweite ansetzt. Erster Höhepunkt in diesem Bestreben ist für den Klub aus der Kleinstadt im Nordosten Berlins mit ihren 36.000 Einwohnern der Auftritt am Sonnabend (15 Uhr) in der Mercedes-Benz Arena gegen die zweite Mannschaft der Frankfurt Skyliners im Play-off-Achtelfinale. Anschließend (18 Uhr) tritt Alba gegen Würzburg zum Bundesliga-Duell an. "Darauf", sagt Düring, "sind wir stolz."

Etat müsste im Aufstiegsfall verdoppelt werden

Vielleicht ist es ein Vorgeschmack. Was passiert, wenn die Lokomotive für Albas Nachwuchs wirklich Dampf macht und aufsteigt? Sportlich müsste sie dafür zunächst das Finale erreichen. Und dann einige Bedingungen erfüllen, die von der Pro A gefordert werden. Vor allem müsste die Kapazität in der Erich-Wünsch-Halle auf 1500 Zuschauerplätze erhöht werden. Gespräche mit der Stadt laufen. Zudem müsste der Etat laut Düring "verdoppelt" werden, ohne verraten zu wollen, wie hoch er jetzt ist. In der zweiten Liga dürften 300.000 Euro das Minimum sein. Um wirklich wettbewerbsfähig zu sein, wären wohl eher 500.000 nötig.

"Wir geben kein Geld", stellt Ojeda klar, dass sich die Bernauer zuerst selbst helfen müssen. Alba bezahlt immerhin einen Teil der Spieler, stellt Bus oder Minivans für Reisen zur Verfügung. "Wir würden ihnen auch helfen, das Budget zu bilden", sagt Ojeda. Indem etwa ein Sponsor überzeugt werden könnte, für diese besondere Form der Nachwuchsförderung mehr Geld zu geben als bisher.

Die Konkurrenz hat mehr zu bieten als Alba

Es ist ja nicht reine Nächstenliebe, die Alba zur Kooperation bewog. Der Klub war kaum noch attraktiv für auswärtige Talente. Training mit dem Bundesligateam – gut und schön. Aber spielen in der viertklassigen Regionalliga in Albas zweiter Mannschaft? Da hat die Konkurrenz in Ulm, Oldenburg, Bamberg, Frankfurt Besseres zu bieten. Ein Aufstieg in die Pro A könnte ein großer Schritt sein. Nicht nur für Zylka.

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