Pokal

Bayern wieder zu stark für Alba

Berlins Basketballer verlieren das Pokal-Halbfinale, bieten den Münchnern lange Zeit aber einen großen Kampf

Peyton Siva (Alba 7) im Kampf gegen Maximilian Kleber (Bayern 42) und Nick Johnson (Bayern 13)

Peyton Siva (Alba 7) im Kampf gegen Maximilian Kleber (Bayern 42) und Nick Johnson (Bayern 13)

Foto: imago sportfotodienst / imago/Sebastian Wells

Berlin.  Dennis Schröder schien das Gebotene nicht besonders spannend zu finden. Der deutsche Star der Atlanta Hawks saß in der Mercedes-Benz Arena direkt hinter der Bank von Alba Berlin. Doch er hatte fast nur Augen für sein Smartphone oder seine fünfköpfige Entourage. Die meisten anderen unter den 10.433 Zuschauern dagegen genossen das erste Halbfinale um den deutschen Basketball-Pokal zwischen Cupverteidiger Alba und dem FC Bayern München in vollen Zügen. Unter ihnen auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der nach dem Fußball-Bundesligaspiel der Münchner gegen Hertha BSC (1:1) aus dem Olympiastadion herübergeeilt war.

Es wurde so lautstark mitgefiebert wie lange nicht. Denn die Sensation lag auch hier – ähnlich wie bei Hertha – in der Luft. Die Berliner waren drauf und dran, dem Favoriten ein Schnippchen zu schlagen. Die Chance war da, aber die Bayern zogen doch durch ein 78:70 (42:38) ins Endspiel ein (Sonntag, 15 Uhr, ProSieben Maxx). Alba muss sich um 12 Uhr mit dem unattraktiven Spiel um Platz drei begnügen.

"Wir wussten, es würde ein ganz anderes Spiel werden", sagte Aleksandar Djordjevic. Münchens Trainer nahm Bezug auf das Bundesliga-Duell sechs Tage zuvor, das sein Team 80:56 gewonnen hatte, ohne ernsthaft gefordert worden zu sein. Diesmal stand ein anderer Gegner auf dem Parkett, obwohl die Mannschaft sich fast aus denselben Spielern zusammensetzte. Die Einstellung war komplett anders, der Alba-Slogan "Mit Leib und Seele" passte endlich. "Das war guter Team-Basketball", lobte Ahmet Caki seine Spieler. Der Alba-Coach ergänzte: "Wir haben bis zum letzten Moment das Maximum aus uns herausgeholt." So, wie die Fans das erwarten.

Das Manko ist wiederdie schlechte Trefferquote

Schon war ein Sieg möglich. Und Bayern von Beginn an beeindruckt. "Albas Energie war unglaublich von Anfang an", erkannte Djordjevic, "ich bin glücklich, dass wir es ins Finale geschafft haben." Die Gastgeber verteidigten fast wie in besten Alba-Zeiten, eroberten Bälle, leisteten sich wenige Ballverluste, hatten sogar über weite Strecken ein Übergewicht beim Rebound. Erstes Resultat war eine frühe 16:12-Führung. Das große Manko jedoch war einmal mehr die schlechte Trefferquote: Alba hatte 42 Prozent, die Bayern 54 Prozent. Man kann das kurz mit dem Begriff Qualität zusammenfassen. Aber den Münchnern gelang es auch besser, ihre Angriffe auszuspielen und einen Schützen in gute Position zu bringen.

Währenddessen erkannte Caki: "Wir haben zu viele Dreier geworfen." Zumal nur fünf von 27 Versuchen ihr Ziel fanden. Bei Bayern waren es auch fünf – bei zwölf Anläufen. Der Trainer: "Uns fehlte es an Kreativität in der Offense." Obwohl Peyton Siva nach kaum überstandener Adduktorenverletzung zu ein paar Einsatzminuten kam. Aber natürlich ist der Amerikaner noch nicht der Alte und konnte dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken. "Ich habe gegen den Schmerz angespielt, weil ich dem Team helfen wollte", sagte er, "wir haben alles gegeben." Um so bitterer schmeckte die Niederlage. "Wir haben uns sehr viel vorgenommen, und alle waren voll da. Die Enttäuschung ist riesengroß", gab Nationalspieler Niels Giffey zu.

Eine Halbzeit agierten die Kontrahenten komplett auf Augenhöhe, abgesehen von den mangelnden Wurfleistungen Albas. Aber im Vergleich zur Bundesligapartie waren die Berliner nicht wiederzuerkennen, so engagiert und konzentriert gingen sie zu Werke. Was fehlte: Es ist oft beschworen worden, dass es in Spielen wie diesen besonderes auf das Momentum ankommt. Wenn die Chance kommt, muss man zupacken. Das gelang nicht. Immer wenn Alba nah dran war, auszugleichen oder in Führung zu gehen, ging irgendetwas daneben. Fehlwurf, Fehlpass, Fehlentscheidung. Chance vorbei.

Am meisten sichtbar wurde das im letzten Viertel. Die Bayern schienen in der 32. Minute uneinholbar mit 65:51 vorn zu liegen. "Da haben sie ihren Stolz gezeigt. Sie wollten unbedingt zurückkommen", lobte Djordjevic den aufopferungsvoll kämpfenden Gegner. Tony Gaffney gelangen drei Blocks in wenigen Minuten, Giffey, Ismet Akpinar und der Kapitän Dragan Milosavljevic (17 Punkte) trafen nun auch, und nach zwei verwandelten Freiwürfen des insgesamt enttäuschenden Elmedin Kikanovic (sechs Punkte) war beim Stand von 68:71 aus Alba-Sicht zweieinhalb Minuten vor dem Ende alles wieder offen. Allein: Akpinar zielte daneben statt auszugleichen. Kikanovic vergab zwei Dreier – ohnehin nicht seine Stärke.

Die Bayern ließen sich nicht zweimal bitten und verwandelten ihre letzten sechs Freiwürfe durch die herausragenden Nick Johnson (19 Punkte) und den Ex-Berliner Reggie Redding (17) im Stile einer Klassemannschaft. "Bayern hat am Ende sehr gut verteidigt, wir mussten die Würfe teilweise erzwingen", sagte Akpinar tieftraurig. "Am Ende hing es an Kleinigkeiten, daran, ob ein Dreier reingeht oder nicht. So hat es leider nicht für uns gereicht." Für München war es der 14. Sieg in Serie, für Alba die sechste Niederlage. Keine angenehme Situation. Doch mit Leistungen wie in diesem Pokal-Halbfinale wird sie schon bald enden.

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