Basketball

Albas Mutmacher gegen die Bayern

2016 entschied Dragan Milosavljevic das Pokalfinale zugunsten von Alba Berlin. Er glaubt auch diesmal an den großen Wurf.

Dragan Milosavljevic (l.) schreckt auch vor dicken Brocken nicht zurück. Hier bremst er im Pokalfinale 2016 Bayern-Center John Bryant

Dragan Milosavljevic (l.) schreckt auch vor dicken Brocken nicht zurück. Hier bremst er im Pokalfinale 2016 Bayern-Center John Bryant

Foto: imago sport / imago/Eibner

Berlin.  In allen Einzelheiten kann Dragan Milosavljevic sich nicht an seinen großen Wurf erinnern. Aber das Wesentliche hat er natürlich behalten: "Bryce Taylor hat versucht, mich zu verteidigen. Jemand kam ihm noch zu Hilfe, ich weiß nicht mehr, wer das war. Aber ich traf den letzten Schuss. Diesen Moment werde ich niemals vergessen." Alba Berlin gewann durch die Aktion des Serben 67:65 gegen Bayern München. Der Pokal der Basketball-Bundesliga wanderte zum neunten Mal in die Vitrine des Klubs aus der Hauptstadt, die Münchner waren in ihrer eigenen Halle, dem Audi Dome, am Boden zerstört über die verpasste Chance. "Das", sagt Milosavljevic voller Stolz, "war ein großer Sieg." Denn er war der gefeierte Held.

Für die Bayern spricht eine lange Siegessserie

An diesem Sonnabend stehen sich beide Teams wieder in einem solchen Spiel gegenüber, in dem es um alles oder nichts geht. Diesmal im Pokal-Halbfinale, diesmal in der Mercedes-Benz Arena (17 Uhr/ProSieben Maxx). Anschließend bestreiten Brose Bamberg und die Riesen Ludwigsburg das zweite Halbfinale. Diesmal ist Alba noch krasserer Außenseiter als vor fast genau einem Jahr in München, trotz des Heimvorteils.

Die Bayern haben 13 Partien in Folge gewonnen, und sie sind komplett. Alba hat fünf Mal in Folge verloren, und sie mussten zuletzt auf ihren verletzten Regisseur Peyton Siva verzichten. Den letzten Vergleich entschieden die Münchner vor sechs Tagen in Berlin mit 24 Punkten Vorsprung für sich. Sei's drum. "Dieser Pokal", sagt Milosavljevic, "ist die große Chance zu zeigen, was für ein Team wir wirklich sind."

Auch Milosavljevics Werte sind im Keller

Dem 27-Jährigen ist bewusst, wie schwer das wird. "Die Bayern spielen zurzeit ihren besten Basketball. Wir waren im Dezember und Januar großartig." Jetzt gerade kann man das nicht behaupten, aber solche Täler durchschreiten viele Mannschaften in einer Saison. Auch Spieler, auch Milosavljevic. Seine jüngsten statistischen Werte aus den verlorenen Spielen gegen Jena und Bayern in der Bundesliga, gegen Valencia im Eurocup: zwei Punkte, zwei Punkte, sechs Punkte. Nur zwei von 16 Feldwürfen verwandelt.

Das ist klar unter seinem Niveau, der Alba-Kapitän steuert üblicherweise zweistellige Punktausbeuten bei. "Dragan ist ein sehr wichtiger Spieler für uns", sagt Sportdirektor Himar Ojeda, "ein guter Verteidiger, ein guter Schütze, er ist kein Spezialist nur für eine Sache, sondern überall zu finden. Und niemand von den Spielern leidet mehr als er, wenn es bei ihm nicht so läuft."

Um den Einsatz von Siva wird ein Geheimnis gemacht

So wie jetzt gerade. Zu den Gründen dafür zählt, dass Peyton Siva fehlt. Nicht nur, dass Milosavljevic die kreativen Ideen des Amerikaners vermisst; häufig muss er auch selbst den Ball nach vorn bringen und büßt dabei viel von seinen Scorer-Qualitäten ein. Ob Siva gegen die Bayern zurückkehrt? "Ich weiß es nicht. Und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht sagen", kommt als ehrliche Antwort. Da ist er Vollprofi. Vielleicht gibt es eine kleine Überraschung für die Bayern.

Doch als Kapitän spricht er seinen Mannschaftskollegen auch Mut zu. "Die Bayern haben das bessere Team", sagt er zwar, "aber an einem guten Tag ist es für uns möglich, sie zu schlagen, an einem guten Tag ist alles möglich." Eine mutige Aussage, betrachtet man die letzten drei Resultate beider Kontrahenten in der Bundesliga: 80:56, 97:58, 96:65, jeweils für die Bayern.

Münchner Spieleretat ist vier Mal so hoch wie der von Alba

Außerdem hat der Alba-Geschäftsführer Marco Baldi jüngst im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, der Spieleretat der Münchner sei etwa vier Mal so hoch wie jener der Berliner. Das macht die Aufgabe nicht einfacher. Es müsste also schon ein sehr guter Tag werden. "Wir müssen eine Reaktion zeigen, besonders in der jetzigen Situation", fordert Milosavljevic. Der in Krusevac geborene und aufgewachsene Serbe wirkt nicht sonderlich aufgeregt vor der großen sportlichen Herausforderung.

"Ich kenne ja solche Situationen." Bevor er nach Berlin zu seiner ersten Auslandsstation kam, spielte er fünf Jahre für Partizan Belgrad. Ob in der heimischen Liga, im Pokal oder in der Adrialiga – "wir müssen großen mannschaftlichen Zusammenhalt und die richtige Mentalität für solche Do-or-die-Situationen aufs Feld bringen", sagt er, "mit Partizan habe ich oft um Trophäen gespielt und meistens gewonnen". Aber den entscheidenden Wurf, den hat auch er erst einmal getroffen. Übrigens im letzten Spiel, das Alba gegen die Bayern gewonnen hat.

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