Natürlich sind bei Alba Trauer und Enttäuschung groß. Spieler, Trainer, Funktionäre, Fans: Alle fühlen sich leer, ausgelaugt nach 71 Spielen, die die Mannschaft in dieser Saison zu absolvieren hatte. Es war sehr stark, was das Team seit September 2014 geleistet hat: Platz zwei nach der Hauptrunde, Einzug ins Top 16 der Europaliga.

Nach Siegen gegen Barcelona, Panathinaikos Athen und Titelverteidiger Maccabi Tel Aviv verpasste die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic nur knapp das Viertelfinale in Europas Eliteliga. Noch nie war die Stimmung in der O2 World so euphorisch und emotional wie in dieser Spielzeit. Der Funke sprang vom Feld auf die Tribünen über.

Doch bleibt ein bitterer Nachgeschmack, weil dem Team um Kapitän Alex King die Krönung mit dem Meistertitel nicht gelang, das Potenzial dafür hätte die Mannschaft trotz der starken Konkurrenz aus Bamberg und München gehabt. Ob die Chance, den neunten Meistertitel zu holen, so schnell wiederkommen wird, ist fraglich. Denn bei Alba steht ein Umbruch an – und viele Fragen sind offen.

Verträge für sechs Ausländer laufen aus

Bleibt Sasa Obradovic, der emotionale Coach, der in den vergangenen drei Jahren außergewöhnliche Arbeit geleistet hat? Die Verträge mit fünf der sechs ausländischen Spieler laufen aus; bei Jamel McLean hält der Klub zwar eine Option, doch der wertvollste Bundesliga-Spieler der Saison (MVP) wird nicht zu halten sein.

Allerdings haben zumindest alle deutschen Profis (bis auf Jannik Freese) bestehende Verträge. Zuletzt hatte Alba bei Spielerverpflichtungen zwar ein sehr gutes Händchen, doch die Verantwortlichen um Geschäftsführer Marco Baldi wissen, wie viele, auch unwägbare Faktoren dabei immer mitspielen.

Hoffnung auf erneute Wildcard

Die Auftritt in der Europaliga sorgte nicht nur für ein sattes Zuschauerplus, er hat auch Begehrlichkeiten und Erwartungen geweckt. Das Berliner Publikum goutiert vor allem das Beste vom Besten. Für Alba bleibt nun nur die Hoffnung auf eine erneute Wildcard für Europas Beletage, die ein zweites deutsches Team neben dem Meister bekommen wird.

Eigentlich müssen die Berliner jetzt den Bayern die Daumen drücken. Denn bei einem Titelgewinn der Münchner dürfte es leichter sein, sich im Rennen um die Wildcard – gegen Bamberg – durchzusetzen. Im anderen Fall könnte es eine erneute schmerzvolle Niederlage gegen den Erzrivalen aus München geben.