Basketball

Albas Horrortrip endet mit Krimi-Sieg im Eurocup-Spiel

Rund 40 Stunden brauchten die Basketballer von Alba, um von Berlin nach Juschne zu kommen. Am frühen Morgen erreichten sie ihr Ziel, am Abend wurde gespielt. Die Berliner gewannen trotz der Strapazen.

Foto: Soeren Stache / dpa

Am Ende standen alle Spieler von Alba Berlin wie immer im Kreis auf dem Parkett. Wie immer in den vergangenen Wochen hatte die Basketball-Mannschaft aus der deutschen Hauptstadt gewonnen, zum insgesamt 14. Mal in Folge, womit sie einen Vereinsrekord aus dem Jahr 1999 einstellte, was ihr vor dieser Saison kaum jemand zugetraut hätte. Sie hatte bei Chimik Juschne, dem Tabellenführer der aufstrebenden ukrainischen Liga mit 68:65 (35:28, 59:59) nach Verlängerung die Oberhand behalten und sich damit für das Achtelfinale des Eurocups qualifiziert. Und trotz der Freude darüber war den Spielern auch ihre Erschöpfung anzusehen. Eine Erschöpfung, die wohl nie so verständlich war wie am Donnerstagabend.

Denn mag das Spiel spannend gewesen sein, es war nichts im Vergleich zum Vorspiel. Erst um 4.30 Uhr deutscher Zeit am Morgen der Partie hatte die Berliner Reisegruppe ihr geografisches Ziel erreicht. Nach einer wahren Odyssee, dauerndem Umsteigen und am Ende mit dem ungeliebten Transportmittel Bus war sie „nach acht Stunden Fahrt und minus 25 Grad Außentemperatur tatsächlich in Juschne angekommen“, wie Sportdirektor Mithat Demirel in die Heimat meldete.

Eis und Schneesturm sorgten für reichlich Probleme

Es war das vorläufige Ende eines zweitägigen Horrortrips. Am Dienstag ging es, noch planmäßig, von Berlin nach Kiew, nach abgebrochenem Anflug auf Odessa (wegen vereister Landebahn) und vereitelter Rückkehr nach Kiew (wegen Schneesturms) folgte ein ungewollter Abstecher nach Charkow, wo das Team wenigstens landen und übernachten konnte. Am Mittwoch der nächste Versuch, per Flug nach Odessa zu kommen, was diesmal wegen zu starken Windes misslang. Also hieß es, wieder zurück nach Kiew, wo die Mannschaft in den Bus stieg.

Das Spiel war jetzt bereits in hektischen Telefonaten von Mittwoch auf Donnerstag verlegt worden. Der 500 Kilometer lange letzte Teil der Reise war der beschwerlichste, wenn auch schließlich der zielführende gewesen. Unter abenteuerlichen Bedingungen: „Die Heizung im Bus funktionierte nicht so gut“, berichtete Demirel süffisant. Jedenfalls nicht vorn; während es die Spieler hinten halbwegs warm hatten, saßen der Sportdirektor und Trainer Sasa Obradovic mit Mütze, Handschuhen und Jacke in der ersten Reihe. Es hatte auch Warnungen gegeben, denn die Straße war vereist, und unterwegs hatte der Bus einige schlimme Unfälle passiert.

Nach der Ankunft in Juschne durften die Spieler ein paar Stunden schlafen, am Mittag gab es einen Brunch, und um 13.45 Uhr trainierte die Mannschaft im „Olymp-Sportkomplex“, letzter Versuch einer halbwegs sinnvollen Vorbereitung auf die Partie gegen ebenfalls inzwischen genervte Gastgeber.

Sie wollen einfach nicht verlieren

Sicher hat es auch an all diesen Umständen gelegen, dass die Partie in Juschne alles andere als ansehnlich war. Aber darum ging es nicht. Hatten die Berliner noch gut begonnen, gut getroffen, die gesamte Spielzeit über gut verteidigt und bis zu Beginn des vierten Viertels geführt, war irgendwann die Konzentration weg. Und damit auch die Führung. Alba traf den Korb nicht mehr, während die Ukrainer ihre Chance witterten und beim 58:51 zwei Minuten vor dem Ende schon wie der Sieger aussah.

Aber diese Alba-Mannschaft will einfach nicht verlieren, allen Widrigkeiten, aller Müdigkeit zum Trotz. Sie schleppte sich mit letzter Kraft in die Verlängerung, lag auch dort zurück und gab dennoch nicht auf. Bis sie endlich gewonnen hatte. Für die Statistikfreunde: Beste Schützen waren Reggie Redding (15 Punkte) und Levon Kendall (14). „Man kann viel über Charakter sprechen“, sagte Demirel schwer beeindruckt, „es hätte heute Hunderte Alibis gegeben. Nur: Diese Jungs haben wirklich einen Riesenwillen. Da muss man schon ein Kompliment machen.“

Alba hat schon einige schlimme Auswärtsfahrten erlebt, wie die 27-stündige Heimreise aus Vitoria im Baskenland nach dem verlorenen Eurocup-Finale gegen Valencia im April 2010. Oder ein halbes Jahr später nach einer Partie in Caserta/Italien, als die Reisegruppe auf dem Heimweg zwar bis München fliegen konnte, dort aber im Schneechaos versank und erst nach insgesamt 40 Stunden per Zug und Reisebus in Berlin eintraf. So lange hatte nun auch die Odyssee durch die Ukraine gedauert; wie der Pilot Demirel am Mittwoch belustigt erzählte, mit dem längsten Inlandflug (dreieinhalb Stunden), der jemals über ukrainischem Luftraum stattfand.

Damit immer noch nicht genug: Am Abend stand die nächste Busreise an: Es ging über Nacht zurück nach Kiew, um den Anschlussflug nach Berlin nicht zu verpassen. Die Wetterlage in Odessa war noch immer zu unübersichtlich. Und das Risiko, am Ende das Bundesligaspiel am Sonnabend (19 Uhr) gegen Bayreuth zu verpassen, zu groß...