Basketball

Watsch’n aus Berlin vor Spitzenspiel in München

Das Spiel Bayern München gegen Alba Berlin ist ohnehin brisant. Nun attackierte Alba-Chef Schweitzer auch noch Bayern-Präsident Hoeneß.

Foto: Oliver Mehlis / pa/ZB

Eigentlich wollte Marko Pesic gar keinen Kommentar abgeben. Aber dann antwortete der Sportdirektor des Basketball-Bundesligisten Bayern München und langjährige Spieler von Alba Berlin doch und versuchte sich in Diplomatie: „Ich kenne den Axel schon so lange. Ich glaube nicht, dass er das so gesagt hat.“

Der Axel ist Axel Schweitzer und Aufsichtsratschef von Alba Berlin. Als solcher hatte er drei Tage vor dem Bundesliga-Spitzenspiel am Sonntag (13.15 Uhr, Kabel1 live) zwischen München und Berlin via „Bild“ ordentlich Öl ins Feuer gegossen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sei „anmaßend“ und „diffamierend“, schimpfte er. Hoeneß hatte sich zuvor süffisant über einen möglichen Wechsel von Dirk Nowitzki in die Bundesliga geäußert und gesagt: „Dirk Nowitzki wird erst in der NBA aufhören, wenn er kaum noch laufen kann. Dann hilft’s uns auch nichts. Wir sind – ohne Nowitzki zu nahe zu treten – kein Altersheim für Basketballer.“

Achtungszeichen bei heimstarken Bambergern

Das ging Schweitzer zu weit, zumal er selbst wiederholt zum Besten gegeben hat, dass der Superstar in Berlin immer mit offenen Armen empfangen werden würde. Prompt stellte er die Bedeutung der Aussagen von Hoeneß grundsätzlich in Frage: „Wer weiß, ob sich der FC Bayern nach Nowitzkis Vertragsende in Dallas überhaupt noch im Profi-Basketball engagiert.“ Damit bekommt das Spiel zwischen Bayern München und Alba Berlin noch mehr Pfeffer, als es ohnehin schon hat.

Die Bayern machen ihrerseits derzeit durchaus den Eindruck, als hätten sie reichlich Freude an ihrem Basketball-Projekt. So gewann der Tabellendritte der Bundesliga am Donnerstag bei Meister und Pokalsieger Brose Baskets Bamberg mit 77:69 und und verbaute den Franken damit den Weg zum Pokal-Final-Four in Berlin. Mit einer Leistung, die der Mannschaft vor Kurzem noch kaum jemand zugetraut hätte (die Bamberger wohl auch nicht). Zwischenzeitlich lagen die Gäste in der „Frankenhölle“ sogar mit 25 Punkten vorn. Einige Brose-Fans waren so erbost, dass sie nach dem Spiel die Schiedsrichter attackierten. Dem Verein droht nun eine empfindliche Strafe.

Bayern haben Alba noch nie geschlagen

„Es ist schon außergewöhnlich, was die Mannschaft in den letzten Spielen auf die Beine gestellt hat“, beschreibt Marko Pesic die Entwicklung. Und gibt das Lob gleich an seinen Vater Svetislav Pesic weiter. Der Erfolgstrainer hatte Anfang Dezember ein desolates Team vom überforderten Griechen Yannis Christopoulus übernommen. Das erste Spiel am 2. Dezember ging in Berlin noch eindeutig 70:82 verloren. Danach aber folgten in zehn Partien neun Siege, der Sprung von Tabellenplatz zwölf auf drei und als vorläufiger Höhepunkt der Pokal-Coup in Bamberg. „Mein Vater hat es geschafft, einen Weg zu finden, dass die Spieler ihre beste Leistung abrufen. Das ist der große Fortschritt“, so Pesic junior.

Diese Vorwärtsbewegung soll auch am Sonntag nicht ins Stocken geraten, in einem „Spiel auf Augenhöhe“, wie Pesic die Partie gegen den aktuell nur Tabellenfünften aus Berlin charakterisiert. Alba ist allerdings der einzige Bundesliga-Kontrahent, gegen den die Münchner noch nie gewonnen haben, in allen drei Vergleichen gingen die Punkte an den achtmaligen Deutschen Meister aus der Hauptstadt.

Schwere Aufgaben in Ulm, Bonn, Bamberg

Derzeit spricht vieles dafür, dass diese kurze Serie endet. Zum einen findet Alba nicht zu einer stabilen Form, rettete sich zuletzt beim 71:69 gegen Tübingen nur knapp vor einer Blamage. Unerwartet klare Niederlagen in Würzburg, Bayreuth und Oldenburg haben Spuren hinterlassen. 15 Spieltage vor Ende der Bundesliga-Punkterunde sieht es nicht danach aus, als sollten die Berliner bis zum Play-off noch einen der vordersten Plätze ergattern, denn es warten noch sehr schwere Aufgaben in Bamberg, Ulm, Bonn, bei den Artland Dragons. Und morgen in München.

Es sei denn, ihnen gelingt wieder einmal ein überraschender Auswärtssieg, wie jetzt bei den Bayern. „Das wäre natürlich sehr wichtig für uns, würde unserem Selbstvertrauen sehr gut tun“, sagt Center Yassin Idbihi. Vom Spiel in Bamberg hat er sich die zweite Hälfte angeschaut. Unter dem Trainer Pesic, findet er, sei das eine komplett andere Münchner Mannschaft geworden: „Aggressiver, schneller!“ Sein Teamkollege Heiko Schaffartzik, der häufig Kontakt mit den Bayern-Nationalspielern Jan-Henrik Jagla und Robin Benzing hat, berichtet von sehr guter Laune an der Isar: „Da herrscht großer Teamgeist, jeder spielt für jeden. Jeder hat seine Aufgabe, und das ist auch für jeden erkennbar.“

„Bamberg auch nicht mehr dasselbe Team“

Alba-Trainer Sasa Obradovic, im Hinspiel noch gerührt über den ersten Sieg gegen seinen Lehrmeister Pesic, ist die Entwicklung in München natürlich ebenfalls nicht entgangen. Auch er saß Donnerstag vor dem Fernseher. „Sie sind besser jetzt, viel aggressiver in der Defense, und machen 40 Minuten lang Druck.“ München sei nicht mehr dasselbe Team wie zu Saisonbeginn, „aber“, macht er sich Mut, „Bamberg auch nicht“. Soll wohl heißen: So gut sind die Bayern auch wieder nicht. Wenn den Worten jetzt Taten folgen, würde das Hoeneß sicher mehr ärgern als die Kritik Schweitzers, der gestern eine Geschäftsreise nach Asien antrat.