Basketball

Zach Morley wird aus dem Nichts zum Liebling der Alba-Fans

Gemeinsam mit Trainer Obradovic kam Zach Morley aus der Ukraine zu den Albatrossen – ein Wechsel, der sich gelohnt hat.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Inzwischen besingen die Fans von Alba Berlin ihn sogar schon. Der Refrain lautet: „Ein Spieler mit ohne Haare, das ist Zach Morley…“ Die Treuesten der Treuen haben ein gutes Gespür dafür, wen sie besonders mögen. Das kann, muss aber nicht derjenige Basketballprofi sein, der verlässlich die meisten Körbe erzielt. Oder derjenige, der die spektakulärsten Flugeinlagen in Richtung Korb vollführt.

Der Kahlkopf Zach Morley, 29 Jahre alt, geboren in Springfield (US-Bundesstaat Montana), ist eher der Typ des unspektakulären Arbeiters. „Er macht auch viele kleine Dinge, die dann in keiner Statistik auftauchen“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi über ihn. Statistiken sind für Morley nicht so wichtig. „Die Mannschaft ist das Wichtigste.“ Aber eine Statistik kann viel aussagen. So liegt Morley in der sogenannten Plus-Minus-Wertung in der Bundesliga auf Rang zwei. Hier wird gemessen, wie die Punkteausbeute einer Mannschaft ist, wenn ein Spieler auf dem Feld steht oder nicht. Ergebnis: Ist Morley im Spiel, läuft"s bei Alba.

Morley ist zurückhaltend. Albas Sportdirektor Mithat Demirel erzählt: „Anfangs haben wir immer das Gefühl gehabt, wir müssen ihn zu mehr Egoismus zwingen.“ Selbst in guter Position habe Morley lieber weitergepasst. „Jetzt sieht man immer mehr seine Korbgefährlichkeit.“

Kaum jemand kannte ihn vorher

Am Sonntag wurde der 29-Jährige zum „Mann des Spiels“ gekürt, nachdem er beim 91:65 gegen Frankfurt 16 Punkte, fünf Rebounds und zwei Assists abgeliefert hatte. Das hat Cheftrainer Sasa Obradovic gefallen, überrascht hat es ihn nicht. Morley, der unermüdliche Kämpfer, kam fast aus dem Nichts zu Alba, kaum jemand kannte ihn vorher. Mit Ausnahme von Obradovic. „Ich kenne ihn sehr gut aus der Ukraine und wollte ihn unbedingt nach Berlin holen.“ Die beiden funken auf einer Welle. Dass sie auch dieselbe pflegeleichte Frisur haben, ist eher ein Zufall. In der Ukraine standen sie zwei Jahre lang auf unterschiedlichen Seiten. Morley spielte zwischen 2010 und 2012 bei Budiwelnyk Kiew (Meister 2011), Obradovic coachte BC Donezk (Meister 2012). 16 Mal, hat Morley nachgerechnet, standen sich die Teams in dieser Zeit gegenüber. „Er ist ein großartiger Trainer. Wo er war, hat er Erfolg gehabt“, sagt der Flügelspieler. Der Trainer lobt die Beweglichkeit und die Spielintelligenz Morleys. „Wenn er auf dem Feld ist, fühle ich mich sicher.“

Für Morley ist Berlin der bisherige Höhepunkt seiner Karriere. Nach der Collegezeit kam er nach Europa, begann 2005 in Spaniens zweiter Liga (LEB Gold) in Gandia, 60 Kilometer südlich von Valencia an der Costa del Azahar gelegen. Dort spielte er insgesamt drei Jahre, wechselte jeweils für ein Jahr zu den LEB-Klubs Breogan und Burgos. „Ich habe die Zeit in Spanien genossen“, erzählt er. Morley gibt aber auch zu, dass er gern mal zu einem Erstligaklub in die Eliteliga ACB gewechselt wäre. „Es hat sich einfach nicht ergeben.“ Es folgte die Zeit in Kiew, gegenüber dem Leben am Mittelmeer eher gewöhnungsbedürftig.

Gut in Berlin eingewöhnt

Nun hat er sich sehr gut eingelebt in Berlin, auch wenn seine Ehefrau zurzeit in den USA studiert. Er ist froh, bei Alba auf einem sehr hohen, für ihn bisher nicht bekannten Level zu spielen. „Unser Team wird immer besser“, stellt er fest. „Jetzt müssen wir nur noch auch in der Europaliga gewinnen.“ Am besten gleich am Donnerstagabend in Chalon, wo Alba mit einem Sieg dem Erreichen des Top 16 ein Stück näher kommen kann.

Nicht nur Trainer, Mitspieler und Fans finden Morley gut. Nach dem Vorbereitungsspiel gegen die Dallas Mavericks sagte Superstar Dirk Nowitzki, „der Typ mit der Glatze“ habe ihm sehr gut gefallen. Morley hat die Aussage gefreut. „Wenn so einer dich bemerkt, ist das etwas Besonderes, was deine Arbeit auszeichnet.“