Leichtathletik

Berliner Vereine bilden das Herz der EM

Rund um die Titelkämpfe sind etliche Helfer im Einsatz, die meisten davon kommen aus den Leichtathletikklubs der Hauptstadt.

Denise Heidinger ist eine vielen Helfern bei der EM in Berlin.  Die 18-Jährige stellt im Olympiastadion die Hürden auf die blaue Laufbahn

Denise Heidinger ist eine vielen Helfern bei der EM in Berlin. Die 18-Jährige stellt im Olympiastadion die Hürden auf die blaue Laufbahn

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Schwer zu sagen, wer aufgeregter sein wird: Cindy Roleder und Pamela Dutkiewicz, die beiden deutschen Medaillenkandidaten über die 100 Meter Hürden, die an diesem Mittwoch erstmals in das Geschehen eingreifen. Oder doch Denise Heidinger, die mit ihrer Mannschaft dafür sorgt, dass die Hürdenläuferinnen überhaupt antreten können. „Mein Herz wird bestimmt ziemlich klopfen“, sagt die 18-Jährige. Schließlich könnten die Hürden klemmen oder sich verhaken – oder noch schlimmer: Sie könnten im falschen Abstand stehen. „Das wäre der Super-GAU“, meint Heidinger.

Eigentlich ist sie Sprinterin, ihre Strecke sind eher die 100 Meter ohne Hürden. Doch weil ihr Verein, die LG Süd, bei den Europameisterschaften für den Aufbau der Hindernisse verantwortlich ist, hat sie sich nun auch mit den Hürden angefreundet. Genau wie 2009, als in Berlin die Leichtathletik-Weltmeisterschaften stattfanden, sind auch dieses Mal wieder zahlreiche Vereine aus der Stadt in die Organisation des Großereignisses eingebunden. So versorgt der SV Preußen unter anderem die Journalisten auf der Pressetribüne mit den aktuellen Start- und Ergebnislisten; Helfer vom TSV Spandau 1860 begleiten die Athleten vom Aufwärmplatz zum Stadion; eine Gruppe vom TSV Tempelhof-Mariendorf und des SSV Lichtenrade bestreitet den Kleiderdienst bei den Titelkämpfen.

Bei der EM Helfer nur über 18 Jahre zugelassen

Im Unterschied zu 2009, als der Berliner Leichtathletik-Verband (BLV) und die Vereine der Hauptstadt die Akquise der Volunteers übernommen hatten, lief die Anmeldung dieses Mal über eine Firma aus Österreich. Helfer, die es verpasst hatten, sich dort zentral zu registrieren, konnten später durch die Klubs nicht mehr nachgemeldet werden. Zudem sind bei der EM dieses Mal nur Helfer über 18 Jahren zugelassen. Dadurch seien sicherlich einige herausgefallen, die eigentlich Interesse gehabt hätten, heißt es aus dem EM-Organisationskomitee.

Helfer sein, ist ein Vollzeitjob. Für Karen Schulze vom VfV Spandau, die mit ihren Kollegen in den beiden Trainingsstadien im Olympiapark nach dem Rechten schaut, beginnt der Einsatz oft schon um 8 Uhr morgens und endet meist nicht vor 23 Uhr. Als Lohn gibt es nur die Helferkleidung und Verpflegung. Trotzdem hat Karen Schulze keine Sekunde lang gezögert, als ihr Verein die Anfrage erhielt, ob der VfV Spandau wieder dabei sein möchte. „Wir sind alle mit ganzem Herzen Leichtathleten. Für uns war es selbstverständlich, dass wir ein solches Event in unserer Stadt unterstützen.“

Die meisten Vereine waren schon 2009 in gleicher Funktion tätig. Die Trikots, die sie damals als kleines Dankeschön von den Verbänden aus Kanada und den USA bekam, hat Karen Schulze bis heute aufbewahrt. „Die Sportler freuen sich, dass wir da sind“, sagt sie. Sehen kann sie die Wettkämpfe zwar höchstens im Fernsehen. Doch die Stimmung aus dem Olympiastadion ist auch auf den Nebenplätzen noch gut zu hören. „Wir kriegen das schon mit, wenn drüben etwas Großes passiert“ meint Schulze.

BLV-Präsident Gerhard Janetzky freut sich, dass sich die Berliner Vereine derart tatkräftig engagieren. Er weiß natürlich, dass eine gelungene EM die beste Werbung für seine Sportart ist. Schon 2009 gab es nach der WM einen kleinen Mitgliederboom, der bald darauf aber wieder im Sande verlief. „Dieses Mal hoffen wir auf mehr Nachhaltigkeit“, sagt Janetzky.

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