Mit einem lauten „Hallo“ betritt Marie-Louise Eta zur Wochenmitte den Pressekonferenzraum im Stadion An der Alten Försterei. Die 35-Jährige trainiert seit dieser Saison die Frauen von Union Berlin. Für das Team ist es die zweite Spielzeit in der Fußball-Bundesliga. Eta folgte auf Ailien Poese, die ihr Amt am Ende der vergangenen Saison niederlegte.

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Poese, die den rasanten Aufstieg der Köpenicker Fußballerinnen maßgeblich prägte, trainiert jetzt die Juniorinnen im Nachwuchsleistungszentrum des Vereins. Unter ihrer Führung schaffte der Klub 2024 den Sprung in die 2. Bundesliga. Ein Jahr später folgten die Meisterschaft und der Aufstieg in die Bundesliga. In der ersten Saison im Oberhaus wurde Union Neunter. Den nächsten Schritt soll die Mannschaft nun unter Eta machen.

Wir können es nicht erwarten, dass es jetzt um Punkte geht.

Marie-Louise Eta, Trainerin der Frauenmannschaft von Union Berlin

Das Interesse wächst mit: Zum Auftakt der 37. Bundesliga-Saison werden mehr als 15.000 Zuschauer erwartet. So viele Fans hatten die Union-Frauen noch nie. In der vergangenen Spielzeit kamen im Schnitt 8.202 Zuschauer, der Bestwert lag bei 13.978 gegen die TSG Hoffenheim.

Union Berlin trifft auf einen Meister ohne Niederlage

Die erste Aufgabe hat es in sich. Am Freitag (18.20 Uhr, DAZN, MagentaSport, ZDF) empfängt Union den FC Bayern München. Die Gäste sind deutscher Meister und Pokalsieger. In der vergangenen Bundesliga-Saison verloren sie kein einziges Spiel.

Auch das erste Pflichtspiel dieser Saison gewannen sie: Im Supercup schlugen sie am Samstag den VfL Wolfsburg mit 3:0 (2:0). Schon zur Pause führten die Münchnerinnen mit zwei Toren. Der Vizemeister kam über 90 Minuten kaum zu Chancen. Zum dritten Mal nacheinander holte Bayern diesen Titel – jedes Mal gegen Wolfsburg. Bis zum Aufstieg der Münchnerinnen hatten die Niedersachsen den deutschen Frauenfußball jahrelang angeführt.

FC Bayern München vs. VfL Wolfsburg, Fussball, Google Pixel Supercup der Frauen, , Saison 2026/2027, 14.08.2026
Die Spielerinnen des FC Bayern München feiern ihren Sieg im Supercup.© picture alliance / Eibner-Pressefoto | CHRISTIAN LANG

Von dieser Bilanz lässt sich Eta nicht schrecken. „Es ist eine schöne Auszeichnung, dass wir die Bundesliga-Saison zu Hause gegen Bayern München eröffnen dürfen“, sagt sie. Ihr Team habe intensiv trainiert und sei auf und neben dem Platz zusammengewachsen. „Wir können es nicht erwarten, dass es jetzt um Punkte geht.“

Eta fordert Mut gegen den Favoriten

Die Kräfteverhältnisse sind klar. Verstecken will sich Union trotzdem nicht. Die Berlinerinnen werden viel verteidigen müssen. Sie sollen aber auch angreifen: früh Druck auf den Ball machen und nach Ballgewinnen schnell umschalten.

„Wir wollen mutig sein“, sagt Eta. Auch mit dem Ball sollen ihre Spielerinnen die Räume nutzen, die sich bieten. „Es wird Momente im Spiel geben, in denen wir unser Spiel durchdrücken wollen.“ Ihr Ziel formuliert die Trainerin mit einem Lächeln: Union wolle die Bayern „ein Stück weit ärgern“.

Dass das gelingen kann, hat die Mannschaft schon einmal gezeigt. Im April verloren die Köpenickerinnen in der Alten Försterei nur knapp mit 2:3 gegen den späteren Meister. Aus diesem Spiel nimmt Eta viel mit. Rückschlüsse auf Freitag zieht sie daraus aber nicht. Beide Mannschaften hätten sich seitdem weiterentwickelt. „Es wird ein ganz anderes Spiel werden.“

Sechs Spielerinnen fehlen Union gegen Bayern

Personell muss Union auf sechs Spielerinnen verzichten. Verletzt sind Dina Orschmann, Tanja Pawollek, Mariann Noack, Hannah Eurlings, Korina Janez und Anna Aehling.

Testspiel 1. FC Union - Inter Mailand
Lisa Heiseler bleibt die Anführerin der Frauenmannschaft von Union Berlin.© picture alliance/dpa | Soeren Stache

Auch die Torhüterin steht noch nicht fest: Cara Bösl, Nadine Böhi und Nelly Smolarczyk kämpfen zu dritt um den Platz im Tor. Eta will nach dem Abschlusstraining entscheiden. Kapitänin bleibt Lisa Heiseler.

Union Berlin will ins obere Tabellendrittel

Zwar beginnt für Eta am Freitag die erste Saison als Cheftrainerin der Union-Frauen. Doch neu ist der Klub für sie nicht: Bei den Männer-Profis arbeitete sie zuletzt als Interimstrainerin und kennt viele Abläufe. Das erleichterte ihr den Einstieg. „Es hat sich nicht so angefühlt, als wäre alles komplett neu“, sagt sie.

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Mit der Aufgabe sind auch die Erwartungen gewachsen. Alexandra Popp, ehemalige Nationalspielerin und langjährige Wolfsburgerin, nennt Union eine mögliche Überraschungsmannschaft der Saison. In mehreren Saisonprognosen tauchen die Berlinerinnen sogar als Geheimfavorit auf. Eta freut sich über das Lob. Ablenken lassen will sie sich davon nicht.

„Schön, dass von außen positiv wahrgenommen wird, was hier passiert“, sagt die Trainerin. Entscheidend sei, kontinuierlich zu arbeiten – und sich weder von guten noch von schlechten Ergebnissen aus der Ruhe bringen zu lassen. Das Ziel bleibt klar: Union will sich weiterentwickeln, ins obere Tabellendrittel vorstoßen und „oben angreifen“. Gegen den FC Bayern zeigt sich gleich am ersten Spieltag, wie weit die Köpenickerinnen sind.