Mit einem kniffligen Rätsel fängt in der Regel alles an. „Biete 2-Zi-Whg., HP, TLB, 520 € KM, Abst.“ steht da etwa in der Immobilienanzeige. Wie bitte? Wer glaubt, dass sich hinter „HP“ eine komfortable morgendliche und abendliche Essensversorgung wie im Hotel verbirgt, der irrt natürlich. „Hochparterre“ ist gemeint und mit „TLB“ – immerhin – keine ansteckende Krankheit, sondern ein Tageslichtbad. Bleiben die Kosten: KM wie Kaltmiete und Abst. wie Abstandszahlung. Aber wie hoch soll die denn sein? Für was wird sie fällig? Wo genau liegt die Wohnung überhaupt und wie ist sie geschnitten? Auch solche Chiffre muss man lesen können: „Verkehrsgünstig gelegen“ meint „vier- bis sechsspurige Straße vor der Tür“ und „für Individualisten“ bedeutet im Klartext „völlig verbaut“.

Wer einen Platz zum Leben sucht, der braucht gute Nerven und Humor – gerade in einer Großstadt wie Berlin, wo der Wohnraum knapp und der Bedarf groß ist. Vermieter nutzen die immense Nachfrage, um die Mieten in die Höhe zu treiben, und Wohnungssuchende greifen zum äußersten Mittel, um an die begehrte Immobilie zu kommen. Da werden Belohnungen ausgelobt, Schmiergelder gezahlt, Familienfotos gepostet oder – bei älteren Vermietern beliebt – zusätzlich zur pünktlichen Mietzahlung Fahr-, Hundesitter- oder Hausmeisterdienste angedient. Und trotzdem kommen Umzugswillige in den meisten Fällen nicht umhin, sich bei Massenbesichtigungen in die Schlange einzureihen, Unmengen persönlicher Daten in Selbstauskunftsbögen einzutragen – um dann doch leer auszugehen.

Nicht nur die Sozialverbände schlagen Alarm, auch die Politik und Unternehmer haben erkannt: Berlin braucht dringend mehr und vor allem günstigen Wohnraum. In den vergangenen vier Jahren verzeichnete die Hauptstadt einen Zuwachs von 160.000 Einwohnern. Dieser Trend wird Hochrechnungen zufolge anhalten und durch die Ankunft der vielen Flüchtlinge noch verstärkt. Das verschärft die Situation auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt.

Mietsteigerung um 46 Prozent

Zwar gilt das Wohnen in Berlin immer noch als günstig im Vergleich zu anderen Großstädten wie München oder Hamburg. Doch die Mieten steigen. Wer heute in Berlin einen neuen Mietvertrag unterschreibt, muss im Schnitt mit 8,55 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter im Monat rechnen. Das entspricht rund 770 Euro Warmmiete für eine 70-Quadratmeter-Wohnung. Vor sechs Jahren musste man noch 5,85 Euro zahlen. Die Mieten in Berlin sind in diesem Zeitraum also um 46 Prozent teurer geworden, geht aus den Zahlen der Wohnmarktreporte des Immobiliendienstleisters CBRE hervor. Vor allem in den Innenstadtbezirken ziehen die Preise an. Mitte verbucht ein Plus von 82 Prozent, Neukölln von 55 Prozent und Friedrichshain-Kreuzberg von 54 Prozent. Aber auch in den Randlagen wie Spandau (+30 Prozent), Reinickendorf (+29 Prozent) oder Marzahn-Hellersdorf (+24 Prozent) muss fürs Wohnen tiefer in die Tasche gegriffen werden.

Immerhin: In einigen Szenevierteln sind die Mieten inzwischen so teuer geworden, dass sich keine Mieter mehr finden und sogar Mietrückgänge verzeichnet werden. Außerdem steigen die Mieten in Berlin langsamer als in den Vorjahren. Nicht zuletzt sollen neue Gesetze zur Kostenkontrolle („Mietpreisbremse“) und zur Makler-Honorierung für mehr Gerechtigkeit auf dem Markt sorgen.

Und, wen es tröstet: Die Berliner stehen mit ihrem Problem nicht allein. Davon erzählt ein neues Buch über die Wohnungssuche, das allen genervten Mietern ein Lachen ins Gesicht zaubern will. In „Suche Wohnung für mich und meine Möpse“ hat Leonie Haug die wildesten, verrücktesten, frechsten, aber auch schönsten, lustigsten und romantischsten Wohnungssuch-Erlebnisse aus der ganzen Republik gesammelt. Lesen Sie im Interview mit der Autorin, wo Umzugswillige am schlimmsten dran sind und warum man sich bei einer Wohnungsbesichtigung möglichst auffällig kleiden sollte. Und haben Sie viel Spaß mit den ausgewählten Anekdoten!

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