Basierend auf der Bücherreihe „Ein Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin, geht es in der Serie um den Kampf um den Thron von Westeros, das ein mittelalterliches Reich voller Gefahren und Mysterien ist. Der Fokus liegt auf drei Adelshäusern: Den Lennisters, einer mächtigen, königlichen Familie, die für ihren Machterhalt über Leichen gehen würde, den Starks, einem ehrenhaften Adelshaus aus dem Norden, das von Schicksalsschlägen auseinandergerissen wird, und Daenerys Targaryen. Sie ist die letzte aus ihrem Haus und bereitet sich in ihrem Exil auf die Rückeroberung des Throns vor.
Realistische Figuren
Was genau macht diese, ab 16 Jahren freigegebene Serie so erfolgreich? Zunächst könnten wir ein paar allgemein wichtige Faktoren für eine gute Serie nennen: Talentierte Schauspieler, exzellentes Drehbuch und Dialoge, eine komplexe Handlung und natürlich Sex, Gewalt und Fantasy. Doch Lesern, die sich nicht mit der Serie auskennen, sei gesagt, dass „Game of Thrones“ nicht nur daraus besteht. Vor allem geht es hier um Politik, Kriege und Ehre.
Und doch bin ich persönlich aus anderen Gründen sehr fasziniert von der Serie. Es ist die realistische Darstellung von menschlichen Verhältnissen und Persönlichkeiten, die mich anspricht. Zu oft bestehen Serien, Filme und Bücher aus stereotypen, unrealistischen Charakteren. Die Hauptfiguren sind immer heldenhaft und folgen ihren moralischen Werten, die meist auch denen der Zuschauer entsprechen. Und die Antagonisten, die sind böse und nichts anderes. Seien wir mal ehrlich, solche Menschen existieren im echten Leben nicht, es gibt nicht nur gut und böse. Das ist es, was Martin und die Produzenten der Serie richtig erkannt haben, und sie bauen dieses Element, für Fantasy eher untypisch, mit in die Serie ein.
Ein Beispiel: Anfangs hasste ich Jaime Lennister wegen seiner Arroganz, jetzt weiß ich, dass er sein Herz am rechten Fleck hat. Auch Arya Stark habe ich falsch eingeschätzt. Zunächst hielt ich sie für eine nervige Nebenfigur, doch sie wuchs zu einer wahren Kämpferin heran. Wie im echten Leben auch verändern sich die Figuren. Selbst „Gute“ machen Fehler und fast alle „Bösen“ haben auch gewisse Moralvorstellungen. Diese realistische Darstellung der Handelnden ist nicht nur erfrischend anders – dem Zuschauer wachsen die Charaktere so auch ans Herz.
Unberechenbarkeit zeigt sich nicht nur in den verschiedenen Menschen, sondern auch in der Handlung. Wer eine Serie erwartet, bei der man sich zurücklehnen und entspannen kann, weil die Hauptcharaktere eh’ überleben, wie etwa in ‚Herr der Ringe’, muss sich auf einen gewaltigen Schock einstellen. Denn niemand ist sicher, nicht einmal die Hauptfiguren. Martin selbst sagte: „Ich will, dass meine Leser und die Zuschauer Angst haben, wenn meine Charaktere in Gefahr sind. Ich will, dass sie sich davor fürchten umzublättern, weil der nächste Charakter nicht überleben könnte.“ Auch hier wird der Krieg, in dem jeder sterben kann, unabhängig von Persönlichkeit, Abstammung oder Reichtum realistisch dargestellt. Das liegt sicher auch daran, dass „Game of Thrones“ eine Erzählung ist, die von wahren geschichtlichen Ereignissen inspiriert wurde. Die britische Zeitung The Guardian erkannte die Ähnlichkeit zwischen dem Handlungspfad von „Game of Thrones“ und dem sogenannten „Rosenkrieg“ in England im 15. Jahrhundert, in dem die Adelshäuser um den Thron gekämpft haben (weitere Ähnlichkeiten: Westeros erinnert an England, die Rose des Hauses „Tyrell“ sieht aus wie die des Hauses „York“ im Rosenkrieg).
Was Martin und die Serienerfinder David Benioff und D. B. Weiss erschaffen haben, ist ein komplexes Spiegelbild menschlicher Konflikte – politischer und innerer. Setze ich mich für das ein, was ich für richtig halte, oder beschütze ich mich und meine Geliebten? Es ist die erschütternde Darstellung eines Machtkrieges, der alles in seinem Umfeld zerstört und in dem jeder sterben kann. Es geht um „das menschliche Herz im Konflikt mit sich selbst“, so Martin.



