Es war ein sonniger Freitag. Voller Vorfreude war ich auf dem Weg aus der Mitte Berlins ins Brandenburger Umland. Vorbei an den wohlbekannten Fassaden dieser Stadt, vorbei an hässlich verunstalteten Hausecken. Noch nie habe ich verstanden, was daran Kunst sein soll, wenn sich irgendwer mit einer Spraydose an einer Hauswand verwirklicht. Graffiti zaubert mir normalerweise alles andere als ein Lächeln ins Gesicht.
Fast liegt die Stadt hinter uns, als ich mich wundere – was war das eben? Da stand doch tatsächlich ein Pferd auf … nein, an der Straße. „Stopp“, rufe ich, greife meine Kamera und stürze aus dem Auto. An der Straße entdecke ich ein Trafohäuschen, das die umliegende Gegend mit Strom versorgt. Hinter diesen Mauern herrscht enorme Spannung. Doch hier verwandelt sich diese Spannung. Ich sehe etwas anderes. Dank der künstlerischen Leistung der Firma ART-EFX ist hier durch Graffiti Kunst im Alltag entstanden. Dieses Pferd betrachtet gelassen den an ihm vorbeirauschenden Verkehr und stimmt mich froh. Ich erkenne, dass Graffiti auch anders sein kann. Wieder im Auto, entschließe ich mich, nun etwas genauer hinzusehen, vielleicht gibt es ja noch mehr zu entdecken.
Unsere Fahrt nähert sich fast dem Ende und ich bin etwas eingeschlummert. Als ich die Augen öffne, sehe ich Rapunzel. Rapunzel? Und tatsächlich, am Ortseingang von Velten wohnt Rapunzel, in einem alten Turm der zur Stromversorgung der Stadt gehört. Auch hier hat die Firma für visuelle Spannung gesorgt, Graffiti wird im Alltag zur Überraschung.
So entdecke ich dann auch in direkter Nachbarschaft meiner Großeltern ein kleines verträumtes Häuschen, an dem sich eine Blütenpracht entlang rankt. Wieder ist es Graffiti. Ich bin sicher, dass ich auch in Berlin diese spannenden Momente der Verwandlung entdecken kann. Froh gestimmt sage ich, ganz leise und nur für mich: „Danke für diese tierische, märchenhafte und blühende Illusion.“
Friederike Mähl, Klasse 9.2, Tagore-Gymnasium, Marzahn


