Sophia: Wo sind Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Martin Kotthaus: Ich lese sehr gerne und da ich lange in französischsprachigen Ländern gelebt habe, außer den „normalen“ Büchern auch „bandes dessinées“, also Comics wie Asterix, Gaston Lagaffe oder Spirou und ich bin so oft es geht in Klassik-Konzerten. Außerdem sind meine Frau und ich gerne draußen mit unseren Kindern. Wenn wir die Zeit finden, gehen wir ins Kino oder Theater. In Berlin besuchen wir natürlich auch die großartigen Museen. Und wir treffen uns häufig mit Freunden. Am besten ist die Freizeit aber immer dann, wenn ich sie mit meiner Frau und den beiden Töchtern verbringen kann.
Was haben Sie studiert bzw. welchen Beruf haben Sie gelernt, um Pressesprecher im Finanzministerium zu werden?
Ich bin Volljurist, das heißt, ich könnte auch als Richter oder Rechtsanwalt arbeiten und habe einen Master in internationaler Politik in den USA gemacht. Mein Arbeitsleben habe ich im Europareferat der Staatskanzlei des Landes Brandenburg begonnen. Meine nächste Station war das Auswärtige Amt. Ich war nach der einjährigen Ausbildung in Bonn als Diplomat für Deutschland in Luanda, Angola und in Washington, USA. Dann war ich einige Jahre Kommunikationschef beim Verlag Gruner + Jahr in Hamburg, die zum Beispiel den STERN, GEO, CAPITAL oder BRIGITTE herausbringen, bevor ich wieder ins Auswärtige Amt wechselte. 2005 sind meine Frau und ich nach Brüssel gezogen. Dort war ich fast sechs Jahre als Sprecher der deutschen Botschaft bei der Europäischen Union, der sogenannten Ständigen Vertretung tätig. Seit April 2011 bin ich Kommunikationschef und Sprecher von Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble.
Welche Aufgaben hat eigentlich ein Pressesprecher?
Ein Pressesprecher muss versuchen, den Journalisten, also denen, die Fernsehen oder Radio machen oder für die Zeitungen, Zeitschriften oder das Internet schreiben, zu erklären, was das Ministerium tut und warum es das tut. Oder warum der Minister bestimmte Entwicklungen gut findet und andere schlecht, welche er unterstützen und welche er lieber verhindern möchte. Ich organisiere Interviews, wie dieses hier oder Pressekonferenzen und Konferenzen oder auch Konzerte, sitze ein paar Mal in der Woche in der Bundespressekonferenz und immer geht es darum zu erklären und verständlich zu machen, was das Finanzministerium und der Minister tun, denken, wollen. Als Pressesprecher ist man in der Mitte zwischen dem Minister und den Beamten im Haus, die die Politik formulieren und umsetzen und den Journalisten, die darüber für ihre Leser und Zuschauer und Zuhörer berichten. Man ist im gewissen Sinne ein Vermittler und Erklärer zwischen diesen beiden Welten.
Wie wird man Pressesprecher?
Da können viele Wege hinführen. Viele Pressesprecher waren früher Journalisten. Oder haben Journalismus studiert. Mittlerweile kann man auch Pressesprecher studieren oder aber eine dementsprechende Ausbildung machen. Und manchmal ergibt sich so ein Berufsweg einfach. Das erste Mal durfte ich in Angola als stellvertretender Botschafter mitten in einem Bürgerkrieg Pressearbeit machen. Da ging es dann darum zu erklären, wie Deutschland den Angolanern hilft und wieviel Geld wir wofür spenden. Oder man half deutschen Journalisten, die über Angola berichten wollten. Und einmal musste ich im angolanischen Radio eine lange Interviewsendung zu der deutschen Rockgruppe Scorpions machen, denn die Angolaner fanden diese Band damals sehr gut. Das war sehr lustig, denn da trafen dann doch zwei Welten aufeinander. Danach bin ich in die USA gegangen, habe dort einen Master an der Fletcher School of Law and Diplomacy in Boston machen dürfen und dann gab es an der deutschen Botschaft in Washington eine freie Stelle in der Pressestelle. Und die habe ich dann bekommen. Seitdem bin ich irgendwie immer in verschiedenen Funktionen dabei geblieben, bis heute. Und es macht bis heute große Freude.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Man trifft sehr viele spannende und interessante Leute und man ist immer an interessanten Geschehnissen dran und kann diese auch zum Teil mit beeinflussen. Man muss immer versuchen, komplexe Dinge verständlich zu machen, zu erklären. Man muss dafür werben, man muss Sachen verteidigen, man muss versuchen, Ordnung in einen riesigen Haufen von Unübersichtlichkeit zu bringen. Als Pressesprecher musst du theoretisch über alles Bescheid wissen. Das kannst du aber gar nicht. Aber das ist nicht schlimm, denn wenn ich mit einer Frage konfrontiert bin, die ich nicht beantworten kann, habe ich ganz viele Kolleginnen und Kollegen im Ministerium, die mir dann helfen können. Es macht viel Spaß, mit so vielen unterschiedlichen Leuten zu arbeiten, mit ihnen zu sprechen und so viele verschiedene Dinge zu begleiten, zu erklären und manchmal auch voran zu treiben.
Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Bei der Morgenlage um 8:45 Uhr sitzen alle zusammen, die im Leitungsbereich sind und direkt mit dem Minister zusammenarbeiten. Dort wird besprochen, was an dem Tag anliegt: Was passiert heute, was macht der Minister, an welchen Veranstaltungen wird er teilnehmen, gibt es Sachen, die man bedenken muss, was berichtet die Presse? Drei Mal in der Woche gibt es die Regierungspressekonferenz. Da sitzen alle Sprecher von den Bundesministerien in einer langen Reihe. Gegenüber sitzen die Journalisten und können uns Fragen stellen. Alles, was sie wollen, solange sie wollen. Auch dieser Termin muss vorbereitet sein. Ich treffe mich mit Journalisten, telefoniere mit ihnen, der Minister gibt Interviews, bei denen ich dabei bin, oder ich gebe selber welche. Ansonsten gibt es Pressemitteilungen durchzusehen, Besprechungen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, Broschüren und Internetauftritte oder Konferenzen vorzubereiten und ich besuche gemeinsam mit dem Minister Veranstaltungen. Dazu zählen auch Reisen mit dem Minister, etwa nach Brüssel oder Washington. Mein Arbeitstag dauert nicht selten von 8.30 bis 22:00/23:00 Uhr.
Wozu brauchen wir eigentlich ein Bundesfinanzministerium?
Wenn man es ganz stark vereinfacht, könnte man sagen, dass das Bundesfinanzministerium das Haus in der Bundesregierung ist, das sehen muss, dass genügend Geld da ist, um die Ausgaben, die der Bundestag als Gesetzgeber beschlossen hat, zu finanzieren, bzw. aufpassen muss, dass nicht mehr ausgegeben wird, als da ist. Das Bundesfinanzministerium muss darauf achten, dass der Staat genug Geld hat, um seine Aufgaben zu erfüllen aber gleichzeitig den Bürgern nicht mehr Steuern auferlegt werden, als notwendig ist. Außerdem ist es auch zuständig für den Zoll und für die Fragen der Aufsicht der Banken und der Versicherungen, wie auch die internationalen Finanzfragen wie die der Eurozone und des Internationalen Währungsfonds oder die Treffen und Vereinbarungen der 20 größten Wirtschaften der Erde, der G20. Der Bundesfinanzminister ist wohl derjenige im Kabinett, der am häufigsten „nein“ sagen muss, weil man immer ganz viele Wünsche hat, aber niemals unendlich viel Geld. Ich vermute mal, du hast zu Weihnachten immer einen riesigen Wunschzettel?
Ja!
Siehst Du und deine Mama sagt dann: „Hm, ich glaube nicht, dass alles darauf passt“, richtig?
Hmm, ja!
Und genau so geht es dem Finanzminister, der sitzt in seinem Kabinett mit seinen Kollegen aus den Fachministerien und die haben alle einen riesigen Wunschzettel. Dann wird er sagen: Also, wir haben so und so viel Geld zur Verfügung und damit können wir das und das machen. Danach haben wir kein Geld mehr. Dann muss das Bundeskabinett gemeinsam überlegen, wie man diesen Riesen-Wunschzettel kleiner machen kann. Die wichtigen Sachen zuerst machen und die anderen Sachen vielleicht erst später. Und dann muss dem Ganzen auch noch der Bundestag zustimmen. Kurz gesagt, muss der Bundesfinanzminister dafür sorgen, dass für die Politik, die für ganz Deutschland gemacht wird, immer genug Geld zur Verfügung steht und nicht mehr Geld ausgegeben wird, als er hat. Außerdem ist das Finanzministerium auch zuständig für Briefmarken und Gedenkmünzen.
Wie ist es, mit dem Minister zusammenzuarbeiten und was ist der Minister für ein Mensch?
Wolfgang Schäuble ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder, ist 71 Jahre alt und schon seit ganz vielen Jahren in der Politik. Seit 42 Jahren. Ursprünglich wollte er nicht in die Politik, aber er hat immer Politik als Hobby gemacht. Was sind denn deine Hobbys?
Handball spielen, manchmal spiele ich Fußball, bin ganz gerne am PC und treffe mich mit meinen Freunden.
Siehst Du und Herr Schäuble, der hat früher auch viel Fußball gespielt und er hat als Hobby auch Politik gemacht. Und auf einmal ergab sich 1972 eine Möglichkeit, weil ein junger Kandidat der CDU für den Deutschen Bundestag gesucht wurde. Tja, obwohl er erst dachte, das würde sowieso nichts, saß er ein paar Monate später im Bundestag. Und seitdem ist er Mitglied des Bundestages. Er ist dadurch jemand, der unheimlich viel Erfahrungen hat. Er war schon Chef des Kanzleramtes bei Bundeskanzler Helmut Kohl und war auch schon mehrfach Minister. Er war Parteivorsitzender und Fraktionssitzender – er hat fast alle Positionen inne gehabt, die man in der Politik in Deutschland innehaben kann. Und das hilft ungemein beim Bewältigen der jetzigen Aufgaben. Er sitzt seit 23 Jahren im Rollstuhl, weil ihn ein geistig verwirrter Mann angeschossen hat. Als Sport kann er daher nicht mehr wie früher Fußball oder Tennis spielen, aber er hat ein Hand-Bike, damit fährt man Fahrrad mit den Händen. Damit ist er ganz schnell unterwegs. Außerdem trifft man ihn oft im Konzert oder Theater. Oder sogar im Kino. Und was das Zusammenarbeiten betrifft, so kann ich nur sagen, dass das sehr spannend ist und sehr viel Freude macht – auch wenn wir manchmal die Nächte durcharbeiten müssen – vor allem in Brüssel.
Was würden Sie Schülern ganz allgemein raten?
Seid neugierig! Seid so neugierig, wie es geht! Denn nur so könnt ihr die Welt entdecken und verstehen. Man sollte sich niemals mit der Antwort „das ist so, weil es so ist“ zufrieden geben. Und seht die Schule als Gewinn und beste Grundlage für die Zukunft an. Ich profitiere bis heute ganz viel von Dingen, die ich in der Schule gelernt habe.
Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Geschichte war immer mein Lieblingsfach. Und Biologie, Biologie fand ich auch toll, was daran lag, dass ich einen sehr, sehr engagierten Lehrer hatte. Mir haben aber auch die Fächer Deutsch, Englisch und Französisch Freude bereitet.
Was wäre Ihr allergrößter Wunsch?
Der bezieht sich auf meine Frau und meine Kinder: Es soll ihnen gut gehen, sie sollen viele Freunde und Spaß haben und gesund sein. Das ist das Wichtigste!
Sophia Klosig, Klasse 6b, Anna-Seghers-Gemeinschaftsschule, Treptow-Köpenick


