Vor Ort zeigt sich ein anderes Bild. Die Wohnungen in den riesigen Hochhäusern sind in den vergangenen Jahren renoviert und auf die Bedürfnisse von Familien zugeschnitten worden. Für Kinder und Jugendliche gibt es viele Möglichkeiten, in der Freizeit aktiv zu sein. Wie zum Beispiel Fußball- oder Basketballplätze oder eine neue Skater-Anlage. Etwas Besonderes aber ist das „BoxGym“! Das ist eine offene Kinder- und Jugendeinrichtung, in der man unter anderem Tischtennis, Kicker oder Billard spielen kann. Außerdem gibt es hier eine Hausaufgabenhilfe. Das „BoxGym“ will auch beim Übergang von der Schule auf das Arbeitsleben helfen – deshalb erhalten Jugendliche hier Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen.

Besonders das gemeinsame Kochen, das in der Einrichtung an der Finsterwalder Straße 33 ebenfalls angeboten wird, ist sehr beliebt, wie Konrad Locher, einer der zwei Betreuer der Einrichtung erzählt. Außerdem bietet das „BoxGym“ über den Verein „Outreach“ viele Projekte an, an denen auch Jugendliche aus anderen Stadtteilen teilnehmen können. Beispielsweise gibt es einen kleinen Bus, der zu einem mobilen Tonstudio umgebaut wurde und jetzt durch die Straßen fährt, um mit den Jugendlichen Musik aufzunehmen. Wer sich für Streetdance interessiert, kann das Tanzen unter Anleitung von Jugendlichen lernen.

Früher war das BoxGym erst ab vierzehn Jahren zugänglich, aber inzwischen hat sich eine Kerngruppe von Besuchern herausgefiltert, die zwischen zehn und sechzehn Jahre alt sind. Somit ist das „BoxGym“ inzwischen ein offener Kinder- und Jugendbereich geworden.

Zu den Stammbesuchern gehört auch die fünfzehnjährige Mai, die schon länger im Märkischen Viertel wohnt. Sie besucht das „BoxGym“ regelmäßig, um mit ihren Freunden kochen zu können – oder um einfach nur zu entspannen.

Was sich Jugendliche wünschen

Der Neuntklässlerin gefällt ihr Viertel, weil man gut einkaufen gehen kann, aber auch eine gute Bahnverbindung in die anderen Stadtteile hat. Allerdings würde sie sich mehr Shoppingmöglichkeiten – zum Beispiel Modeketten für junge Leute – wünschen, sagt sie. Aber sie berichtet auch von einem anderen Problem, mit dem viele junge Berliner in ganz verschiedenen Kiezen zu kämpfen haben: „Es kommen schon manchmal Typen, die uns Drogen oder so was anbieten.“ Auch ihre Freundin Natalie würde sich wünschen, dass „solche Typen verschwinden würden“.

Nicht nur in diesem Punkt, auch über die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind sich beide einig: „Eigentlich gibt es hier im Märkischen Viertel alles“. Nicht alles sei aber in einem guten Zustand, so etwa sei bei den Sportplätzen eine Erneuerung vonnöten. Gut finden die beiden die vielen kleinen Spielplätze in ihrem Kiez. Auch der sechzehnjährige Nando sieht sowohl die Vor- als auch die Nachteile des Märkischen Viertels. Wie die beiden Mädchen würde er seinem Kiez aber treu bleiben: Wenn sie sich ihren Wohnort frei aussuchen dürften, würden alle drei Neuntklässler im Märkischen Viertel bleiben.

Und doch stellt sich die Frage: Ist ein Hochhausviertel wirklich ein perfekter Lebensraum für Jugendliche und Kinder? Wäre nicht eine ruhige, ländliche Gegend besser, um dort aufzuwachsen und die Natur zu genießen?! Auch bei dieser Frage sind die drei Teenager gleicher Meinung: „Nein, es ist auf jeden Fall schöner und spannender, in der Stadt zu leben und aufzuwachsen. Hier ist immer etwas los, auf dem Land stelle ich mir es so langweilig vor!“

Für Natalie, Nando und Mai ist es wichtig, am Tag etwas zu erleben und nicht allein zu sein. Das „BoxGym“ erfüllt damit genau ihre Vorstellungen. Konrad Locher erklärt das Ziel der Einrichtung so: „Die Jugendlichen sollen nicht auf der Straße sein. Deswegen haben wir hier für sie einen Aufenthaltsort zur Entfaltung errichtet.“ Offensichtlich trifft das „BoxGym“ damit einen Nerv im Märkischen Viertel.

Outreach – mobile Jugendarbeit

Das „BoxGym“ gehört zum Projekt „Outreach – mobile Jugendarbeit in Berlin“. Outreach ist Teil der gemeinnützigen Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit (GskA) und macht Jugendlichen nicht nur in Reinickendorf, sondern auch in vielen anderen Kiezen besondere Angebote. Nach Darstellung von GskA-Geschäftsführer Wilfried Eßmann will Outreach auch unterhaltsame Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für Jugendliche schaffen. Neben Angeboten wie Hausaufgabenhilfe oder Berufsberatung gibt es deshalb beispielsweise auch Sport- und Spiel-Angebote. Die Mitarbeiter legen viel Wert auf „abwechslungsreiche Methoden“. Gruppen- und Gemeinschaftsarbeiten kommen dabei nach Eßmanns Worten besonders gut an.

Wenn es Konflikte zwischen einzelnen Jugendgruppen gibt, versuchen die Mitarbeiter, in Ruhe zu vermitteln. Outreach hat in verschiedenen Berliner Bezirken Freizeitzentren aufgebaut. Die Beschäftigten sind in Teams von zwei bis sechs Personen elf Bezirken zugeordnet. Freiwillige Helfer und Mitarbeiter gehen auf die individuellen Interessen der Jugendlichen ein und kümmern sich um sie – vertraulich.

Unterstützt wird Outreach von ehrenamtlichen Firmen und Institutionen, wie zum Beispiel von Hertha BSC. Große Förderer des Projekts sind die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und die Bezirksämter. Helfer und Praktikanten sind jederzeit willkommen. Mehr Infos unter: www.outreach-berlin.de

Pia Corinne Gümmer, Kl. 9a, Kopernikus-Gymnasium, Blankenfelde & Margareta Laudien, Kl. 10a, Werner-von-Siemens-Gymnasium, Zehlendorf