Eine vier Meter hohe Tribüne, die extra zu diesem Anlass erbaut wurde, nimmt den Platz über dem Eingang des Rathauses Schöneberg ein. Gegenüber der Tribüne stehen zwei Podeste, auf denen sich die Vertreter der Presse drängen. Zeitgleich versammeln sich viele West-Berliner, um einen Blick auf den wichtigen Gast aus den USA zu werfen - und um mit ihrer Anwesenheit auch Dankbarkeit zu erweisen. Für die Solidarität, die der Präsident mit seinem Besuch den von einer Mauer eingeschlossenen West-Berlinern zeigt.

Kennedys Weg verläuft durch das Brandenburger Tor über den Grenzübergang Checkpoint Charlie, wo sich auch die Möglichkeit ergibt, einen Blick über die Mauer zu erhaschen. Gegen 12.50 Uhr, so berichten Zeitzeugen, kommt die Wagenkolonne am Rathaus Schöneberg an und unter den Anwesenden bricht Jubel aus. Als Kennedy im Rathaus Schöneberg verschwindet, hat er genug Zeit gehabt, um seine auf DIN A5-Karten geschriebene Rede zu üben. Als der US-Präsident gegen 13 Uhr mit Willy Brandt vor die Menge tritt, wird er mit selbst gemachten Plakaten, Schildern und Tüchern herzlich begrüßt. Um die Mittagsstunde stehen sie zu Tausenden dicht aneinander gedrängt - das kann man auch auf Fotos des Tages deutlich erkennen. Einige Stunden später ist schon von einer Million Berliner die Rede, die sich auf dem Platz versammeln - und auch die Balkone gegenüber dem Rathaus sind gefüllt. Dank der Übertragung in Radio und Fernsehen können die Menschen in ganz Deutschland Zeuge sein, wie Kennedy eine der wichtigsten Reden im Verlauf seiner politischen Karriere hält. Eine Rede, die offenkundig an die Adresse der damaligen Sowjetunion gerichtet war und zum Ausdruck bringen sollte, wie stolz er auf Berlins Bürger im eingeschlossenen West-Teil der Stadt war. Das geht schon aus den ersten Sätzen seiner unvergesslichen Rede hervor.

Kennedy sagte: „Ich bin stolz, heute in Ihre Stadt zu kommen als Gast Ihres hervorragenden Regierenden Bürgermeisters, der in allen Teilen der Welt als Symbol für den Kampf- und Widerstandsgeist West-Berlins gilt. Ich bin stolz, auf dieser Reise die Bundesrepublik Deutschland zusammen mit ihrem hervorragenden Herrn Bundeskanzler besucht zu haben, der während so langer Jahre die Politik der Bundesregierung bestimmt hat nach den Richtlinien der Demokratie, der Freiheit und des Fortschritts.“

Berühmt geworden ist vor allem der Abschlusssatz seiner Rede: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner."

Kennedys Übersetzer Lochner hatte den berühmten Satz für ihn in Lautschrift auf die Karteikarte geschrieben, damit der Präsident ihn besser auf Deutsch aussprechen konnte: „Ish bin ein Bearleener“.

Mit dem Ausspruch betonte Kennedy die Zugehörigkeit zu Berlin und deren Bürgern. Kennedy sagte auch für die Zukunft der Stadt und ganz Deutschland die Unterstützung der USA als alliierter Schutzmacht zu - welche die West-Berliner dringend brauchten. „Mit seiner Rede und seinem Besuch hatte er Berlin noch einmal explizit als Stadt Amerikas deklariert, als ein Grenzposten in feindlicher Umgebung“, hieß es in einer Ausstellung des Deutschen Historischen Museums 2003, die in Zusammenarbeit mit dem John F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin entstanden ist.

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