Eine Befragte erklärt, wie sie in die Japan-Szene gekommen ist: „Angefangen hat alles mit Detektiv Conan. Lang, lang ist es her... Ab da kam immer mehr Interesse für andere Animes auf, nach einiger Zeit kamen Mangas dazu, dann fing ich an, mich auch für die japanische Kultur insgesamt zu interessieren und schon steckte ich in einem Dr. Stein-Cosplay aus dem Anime ,Soul Eater’ und fing an, jeden Tag im DecoraKei-Style, einem japanischen Modestil in knalligem Pink, rumzulaufen. Und es hört nicht auf! Es kommen mehr Mangas dazu, ich kenne immer mehr Animes, ich verspüre dauernd den Drang, zu nähen. Langsam verwandelt sich mein Zimmer in ein Hello-Kitty-Paradies. Aber sei es drum, ich bin im Moment glücklicher als je zuvor und erfreue mich eines bunten Lebens.“

Jährlich finden viele Conventions statt, auf denen sich oft Hunderte von Manga- und Anime-Fans aus ganz Deutschland zusammenfinden. Conventions sind Veranstaltungen, bei denen sich alles um Japan sowie japanische Filme und Bücher dreht. An den einzelnen Ständen kann man sich zum Beispiel typische japanische Speisen holen, sich als eine Mangafigur zeichnen oder Fotoshootings mit seinem Kostüm machen lassen. Sogar auf der Leipziger Buchmesse gibt es seit einigen Jahren einen eigenen Bereich für die aus Japan stammenden Bücher.

Ein wichtiges Detail in der Szene ist Cosplay. Beim Cosplay geht es darum, eine beliebige Figur aus einem Manga oder Anime möglichst genau selbst zu spielen. Das bedeutet, dass man sich genauso anzieht wie eben diese Figur; oft werden auch Perücken dafür angeschafft. Es kann einige Wochen dauern, bis ein Kostüm fertig ist, da möglichst alles selbst gemacht und genäht wird. Sei es ein einfaches Shirt, eine typische japanische Schuluniform oder ein aufwendiges Ballkleid.

Deshalb gibt es so gut wie keine Convention, auf dem es keinen Cosplay-Wettbewerb gibt. Dabei denken sich die Spieler verschiedenste Szenen und Tänze aus. Eine Bekannte antwortete auf die Frage, was sie am Cosplay mögen würde, so: „Ich glaube, das Beste am Cosplay ist einfach die Tatsache, dass man in eine Rolle schlüpfen kann, die man im Alltagsleben nie sein könnte, auch bezogen auf die Magie. Und dass ein Kostüm, was man selbst gefertigt hat, etwas ist, worauf man wirklich stolz sein kann. Es macht einfach Freude: Angefangen von der Überlegung, wie man den Charakter umsetzt, über die Fertigung der Kleidung, das Aussuchen der Perücke und alles Weitere, bis hin zur Convention, wo man sein Werk der ganzen Cosplay-Welt zeigen kann. Mir macht es ungeheueren Spaß und ich habe schon viele Freunde dadurch kennengelernt. Vor allem aber ist es einfach toll, dass man dabei niemals ausgegrenzt wird.“

Manche Stücke dauern länger als eine ganze Stunde, es gibt aber auch ganz kurze Sequenzen in Minutenlänge. Tanz- und Gesangseinlagen gehören ebenso dazu wie schnittige und witzige Dialoge. Die meisten Gruppen sind „Amateure“, die dies alles ohne schauspielerische Ausbildung auf die Beine stellen. Was zählt, ist der Spaß, gemeinsam etwas zu tun und sich mit der Anime- und Mangakultur auseinanderzusetzen.

Also, wenn Ihr in der U-Bahn jemanden ein Buch verkehrt herum lesen seht – wundert Euch nicht. Er ist nicht verrückt – oder nur ein bisschen. Joana Zubor

Abheben von der grauen Masse

Bei einigen Manga-Fans geht die Liebe zum Comic soweit, dass sie sich als ihre Lieblingsfiguren verkleiden. Dieses Hobby namens Cosplay wirft ein paar Fragen auf. Antworten auf diese Fragen fanden wir im Fachgeschäft Otaku Store Berlin im Gespräch mit einer Mitarbeiterin.

Der Name Cosplay ist eine Zusammenfassung der Begriffe Costume (Kostüm) und play (spielen), wie sie uns verriet.

Manch einer mag sich fragen, woher die Idee kommt, sich als Figuren beliebter Serien oder Comics zu verkleiden. Die Antwort ist einfach. In Japan sind Schuluniformen und sogar Frisuren streng vorgeschrieben. Die Jugendlichen verkleiden sich, um sich von der grauen Masse abzuheben – eine Kriegserklärung an den Mainstream.

Zwar gehören Cosplayers in Europa noch zu einer Minderheit, doch ihre Anzahl steigt von Jahr zu Jahr. In der größten deutschsprachigen Anime/Manga-Fan-Community „Animexx“ sind rund 9000 der über 100000 User mit mindestens einem Cosplay-Kostüm registriert. Rund 80 Prozent der in der Regel jungen Cosplayer sind weiblich.

Das Wichtigste am Cosplay sind wohl die Kostüme. Cosplayers sind vor allem für ihre Detailverliebtheit und Genauigkeit bekannt. Es reicht nicht, nur ein passendes Kostüm zu tragen. Man braucht auch noch passende Haare und eine Menge anderer Accessoires. Auch wenn man Kostüme selber näht, ist der ganze Spaß nicht billig. Selbst ein eher bescheidenes Kostüm kann schnell um die 100 Euro kosten. Ein sehr üppiges Outfit mit sehr vielen Accessoires kann sogar auf 1000 Euro kommen. In Fernost haben manche Cosplayers, die bei den zahlreichen Wettbewerben erfolgreich sind, eine derart große Popularität erreicht, dass es von ihnen eigene Foto-Sammelkarten gibt.

Hierzulande müssen sich Cosplay-Fans mit allerlei Ablehnung durch andere herumplagen. Sicher ist Cosplay kein Hobby für alle, aber: Wenn Ihr in der Zukunft paar schräg verkleidete Jugendliche seht, versucht, ihnen mit einem Lächeln entgegenzutreten. Justus Köstler & Jakub Erb

Joana Zubor, Kl. 8d, Hermann-Ehlers-Gymnasium, Steglitz;

Justus Köstler und Jakub Erb, Kl. 8a, Canisius-Kolleg, Tiergarten